#wue0205

Wie schon letzten Samstag (wir berichteten: twitter.com/schwarzlichtwu…), versammelte sich heute wieder der „Demokratische Widerstand“ #Widerstand2020 am unteren Markt. #wue0205

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Demokratischer Widerstand“ in Würzburg

Gestern rief die Gruppierung „Demokratischer Widerstand“ zu einer Kundgebung am unteren Markt auf. Etwa 50 Personen versammelten sich & protestierten u.a. für ihre „Freiheit“ & gegen Masken- und #Impfpflicht – deutl. mehr als letzte Woche.
Der Versammlungsbereich, in dem sich die zugelassene Zahl von 30 Personen aufhielt, war abgesperrt, die übrigen verteilten sich über den Platz. Viele saßen mit Decken und Matten am Boden und meditierten.
Das Grundgesetz wurde verteilt, die Nationalhymne und „die Gedanken sind frei“ gesungen. Der in den Auflagen festgeschriebene Mindestabstand von eineinhalb Metern wurde oft nicht eingehalten, die – kaum anwesende – Polizei setzte die Auflagen nicht durch.
Mit Schildern und Flyern versuchten die Anwesenden auf eine ganze Fülle von Anliegen aufmerksam zu machen. Redebeiträge gab es, außer der Erklärung der Versammlungsvorschriften, keine.

Die Anwesenden bildeten insgesamt eine sehr heterogene Masse.
So fand sich eine eine bunte Mischung aus Menschen wie jungen Hippies, Senior_innen und Familien mit Kindern. Teils aber auch Schwurbler_innen oder harte Verschwörungstheoretiker_innen und Impfgegner_innen.
So hatte eine meditierende Demonstrantin Schilder um sich herum ausgelegt, auf denen Sprüche wie „Schluss mit dem Spahnsinn! So Gates nicht weiter“, „Stasi 2.0“, „Geist ist geil“, „Mensch oder Lemming“ und „Die #Corona-Maßnahmen sind wie die Chemotherapie bei Krebs …“ standen.
Zwei andere Demonstrierende meinten im Gespräch mit einer Autorin unseres Kollektivs, dass die mächtigsten Menschen der Welt hinter den Corona-Maßnahmen stecken würden, um die Weltbevölkerung im Zaum zu halten.
Diese mächtigen Menschen wären beispielsweise der Amazon-Chef Bezos und die Rothschilds.

Im weiteren Gespräch meinten sie, Corona sei nur dazu da, den Menschen Angst zu machen: „damals war es die Reichskristallnacht* – heute ist es Corona“.
Es sei heute „wieder genau wie 1933“, nur „da durften wenigstens noch alle auf die Straße“.

In einem ausgel. Pamphlet, das sich vor allem populistischer Sprache bedient, finden sich viele weitere Aussagen, die die insgesamt problem. Einstellungen der Initiator_innen entlarven.
Besonders auf die Erzählung von „wir gegen die“ wird sich häufig bezogen. So finden sich im Text Sätze wie „Wir werden siegen und die werden verlieren“.
Diese Unterscheidung wird unter anderem durch Formulierungen gestützt, die die leider nach wie vor häufig verwendete Unterscheidung zwischen „raffenden“ und „schaffenden“ Kapital suggeriert.
Dies zeigt sich daran, dass der „Finanzmarktkapitalismus“ dessen sich ausschließlich die „bösen“ Eliten bedienen, um ihre Vormachtstellung zu sichern, in typischer Form kritisiert wird, während Kleinunternehmer_innen keine böse Absicht unterstellt wird und in deren
kapitalistischen Wirtschaften ein gesellschaftlicher Wert angesiedelt wird; dies entbehrt jedoch jeglicher realer Grundlage, weshalb auch hier deutlich wird, dass von einer angemessene Kritik der bestehenden Verhältnisse keine Rede sein kann.
Denn Kapitalismus verfügt immer über einen ausbeuterischen Charakter. So lässt sich festhalten, dass die Verwendung populistischer Elemente also aufgrund der fehlgeleiteten Kritik durchaus Sinn macht, da eine so grobe und vereinfachte Gegenüberstellung der Gesellschaft einen
idealen gemeinsamen Nenner darstellt, um die vielfältigen Anhänger_innen zu vereinen. Hier spiegeln sich die oben genannten Beispiele wieder, nach denen die sog. „Eliten“ wahlweise aus Konzernchef_innen, Politiker_innen oder den Rothschilds bestehen.
Über die 16 Seiten des Pamphlets zieht sich stets der Vergleich von #Covid_19 und einer Grippe oder gar „Erkältungswelle“. Es ist vom „Horror-Regime“ die Rede & auf der ersten Seite bereits von der gleichgeschalteten Presse, die sog. oppositionelle Meinungen nicht zulassen würde.
„Parlamente und Parteien haben sich dem Regierungskurs unterworfen. Die großen Medienhäuser sind gleichgeschaltet. Sämtliche Freiheitsrechte wurden außer Kraft gesetzt, während wir von der Regierung in Todesangst versetzt zu Hause eingesperrt werden.“
Auch an anderen Stellen wird sich auf „Todesangst“ bezogen. Das ganze Pamphlet verbreitet das Bild, dass die Autor_innen Wahrheiten kennen, die anderen Menschen vorenthalten werden, eine Darstellung, die bevorzugt auch von Verschwörungstheoretiker_innen genutzt wird.
Sie stellen sich selbst dabei als die einzige Opposition dar, die die Freiheitsrechte der Bürger_innen verteidigt.
Die Expert_innemeinungen, denen einige Seiten im Pamphlet gewidmet sind, stammen unter anderem von Dr. Bodo Schiffmann, der gerne von der #noAfD zitiert wird, oder auch von Dr. Sucharit Bhakdi und Dr. Wolfgang Wodarg, auf die sich Verschwörungstheoretiker_innen oft beziehen.
Was wissenschaftlich anmuten soll, ist mittlerweile von mehreren Seiten widerlegt worden und entbehrt so ebenfalls jeglicher Grundlage. Aufgrund ihres nicht vorhandene einheitlichen politischen Fundaments, argumentieren sie sehr emotional und verwenden Superlative.
Diese Beispiele zeigen recht deutlich den Charakter einer Querfrontbewegung, die, wie aufgezeigt, über kein einheitliches politisches Profil verfügt.
Dies macht die Gruppierung und ihre Anhänger_innen gefährlich, da der harmlose Anschein, den beispielsweise die Familien mit Kindern wecken, Antisemit_innen und Verschwörungstheoretiker_innen eine ideale Plattform bietet.
Dass dies leider auch in Würzburg der Fall war, lässt sich an den genannten Beispielen nachweisen. Auf den Berliner Demos des „Demokratischen Widerstands“ lief u.a. auch der „Volkslehrer“ Nikolai Nerling mit, ein Holocaustleugner, der klar der Neuen Rechten zuzuordnen ist.
Dies zeigt, dass auch gefährliche Strömungen sich ideal in diese heterogene Menge mischen und im Extremfall mit reaktionären und antisemitischen Narrativen andocken können.
Es ist durchaus in Ordnung die strengen Corona-Maßnahmen kritisch zu sehen und zu demonstrieren, jedoch sollte sich jede Person, die eine solche Veranstaltung besucht oder die Gruppierung anderweitig unterstützt im Klaren darüber sein, an wessen Seite sie damit steht.
Grundrechtseinschränkungen nicht einfach hinzunehmen und für die eigene Freiheit zu demonstrieren, ist kein Grund sich an einer Querfront mit reaktionären und verschwörungstheoretischen Kräften zu beteiligen.
*Der Begriff „Reichskristallnacht“ leitet sich von den am Boden liegenden glitzernden Scherben ab und stellt eine euphemistische, verharmlosende Bezeichnung der Reichspogromnacht dar,
die zwar gängig, aber deswegen nicht weniger problematisch ist. Wir verwenden sie an dieser Stelle, um das Zitat korrekt wiederzugeben.

Die zugelassene Zahl von 66 Personen wurde weit überschritten – teilweise standen bis zu 100 Menschen in und direkt um die Versammlungsfläche. Auch der Abstand wurde nicht eingehalten. Die Polizei griff jedoch nicht ein, stattdessen kontrollierte sie lieber Journalist_innen auf ihren Presseausweis.

Während es sich bei der Kundgebung letzte Woche noch um eine klassische Querfront handelte, waren heute jedoch nicht Hippies und Familien in der Mehrheit. Teilweise gewaltbereite Rechte nahmen die Kundgebung für sich ein. Mindestens fünf Personen waren dem Umfeld der AfD zuzuordnen – darunter der stellvertretende Vorsitzende Silvio Kante und Erika Lenz (Listenplatz 7). Natürlich fanden sich unter den Teilnehmenden auch wieder Schwurbler_innen und Verschwörungstheoretiker_innen. So riet ein Demonstrierender einem Passanten im Gespräch Chlordioxidgas einzuatmen, andere verteufelten Impfungen. Ein sehr diskussionsfreudiger Demonstrant erklärte im Gespräch mit einer Autorin unseres Kollektivs, dass er es „interessant“ fände, dass das Thema der Demonstration die Menschen aus verschiedenen Richtungen einen würde. Denn wenn hier wirklich – wie von unserer Autorin behauptet – Rechte ständen, dann zeige dies ja nur, wie wichtig das alles sei. In Berlin seien ja auch „Linksextreme“ dabei gewesen. Auf die Frage, ob er das denn vertreten könne, hier Seite an Seite mit Faschist_innen, mit #noAfD-lern zu stehen, meinte er, dass es ok, wäre. Dass er auch mit Nazis reden würde, wie er mit unserer Autorin rede – auch wenn er ihre Ansichten „komisch“ fände. Besonders fiel auf, dass Journalist_innen und Mitglieder unseres Kollektivs angefeindet, teils körperlich angegangen wurden. Es gab zahlreiche Beschimpfungen wie „Vermummungsnazi“ und Aufforderungen den „Maulkorb“ abzunehmen. Die Demonstrierenden behaupteten, dass es in Deutschland keine freie Presse mehr gäbe und gleichzeitig drohten sie Journalist_innen sie auf Grund des Datenschutzes anzuzeigen. Andere schienen eher gewaltbereit: „Wenn ich ein Bild von mir auf der grünen Seite der Antifa finde knallt‘s“. Insgesamt schienen sich einige der Teilnehmer*innen sehr auf „die Antifa“ versteift zu haben. Immer wieder wurden Journalist_innen und Mitglieder unseres Kollektivs gefragt, ob sie denn „die Antifa“ seien. Rési berichtete uns und auf Twitter von mehreren versuchten Angriffen (twitter.com/Resistance2O20…).

Seine Fotos des heutigen Tages gibt es hier: flickr.com/photos/1566327…

Rési (@Resistance2O20):
Nochmal kurz Gedächtnisprotokoll. Eine Gruppe Nazis verließ den Marktplatz mit Drohungen gegenüber mich. Danach löste sich 1 Glatze, bedrängte mich und wollte meinen Presseausweis und Kamera “sofort haben sonst bekommst du auf die Fresse”. Danach versuchte er mich zu schubsen und

Als ein älterer Herr sich über Schilder gegen Impfungen aufregte, löste sich ein trainierter Mann um die 30 aus der Kundgebung (setzte sein Kleinkind dafür auf regennassem Boden ab und ließ es allein) und bedrohte den Senior. Hätten nicht mehrere Umstehende eingegriffen und den Mann festgehalten, wäre es wohl zur Gewalt gegen den älteren Herrn gekommen.

Die heutige Demo zeigt deutlich, wie gefährlich eine Querfront sein kann. Ab heute gibt es keine Entschuldigung mehr, an Veranstaltungen des „Demokratischen Widerstands“ teilzunehmen! Das schöne Bild der Familien und Hippies wurde durchbrochen von gewaltbereiten Verschwörungstheoretiker_innen und Rechten. Auch nächste Woche soll wieder demonstriert werden und wir werden wieder berichten.

Am Unteren Markt in Würzburg, wo sich heute um 15:30 Uhr der „Demokratische Widerstand“ zu einer Kundgebung treffen will, haben sich bereits viele Meditierende eingefunden. Ebenso wurde ein Aluhutträger gespottet, welcher seine „Rechte zurückfordert“. #wue0205 #Widerstand2020 „Impfflicht = Körperverletzung“

Die Anliegen der Menschen scheinen klar.

#wue0205 Menschen mit „Deutscher“ T-Shirt-Aufdruck #wue0205 Es regnet und die Schwurbler sperren einen großen Teil des Marktplatzes ab. #wue0205 #Widerstand2020 Die Schwurbelnden werden mehr. #wue0205 #Widerstand2020 Die Würzburger #noAfD ist jetzt auch vor Ort #wue0205 #Widerstand2020 76 Menschen innerhalb des Rechtecks. Das sind 10 mehr als erlaubt. #wue0205 #Widerstand2020 Hier kommen WM-Überbleibsel wieder zum Vorschein. #wue0205 #Widerstand2020 Die „Widerstand 2020“ Partei verteilt Grundgesetze. #wue0205 #Widerstand2020 Schaut zu @Resistance2O20, dort findet ihr einen detaillierteren Thread zur Kundgebung. Wir haben das Live Tweeten beendet.

twitter.com/Resistance2O20…

Rési (@Resistance2O20):
Bereits Menschen mit Aluhut am Start. Kein Witz #wue0205 15:04