#naidoo

#Corona in Würzburg – Wer bleibt auf der Strecke?

Zu schön klangen die Träumereien zu Beginn der Corona-Krise. Durch die Krise werde uns bewusst, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind. Es zeige sich, wer die gesellschaftliche Leistung vollbringe: Menschen in Niedriglohnjobs, Ver- und Entsorgungsarbeiter*innen und das Pflegepersonal.

Doch mittlerweile wird klar, wer für die Krise bezahlt: die Armen, Kleinunternehmer*innen und Arbeiter*innen. Staatshilfen wurden versprochen. Das Beispiel der „Veggie Bros“ aus Würzburg zeigt, wie unsozial diese konstruiert sind. Beispiel „Veggie Bros“: Entlassung wird belohnt!

Die „Veggie Bros“ beschäftigen rund 20 Mitarbeiter*innen und betreiben zwei kleine vegetarische Fast Food Restaurants in Würzburg. Auf ihrer Facebook-Seite schreiben sie: „Wie alle KollegInnen aus der Gastro kämpfen jedoch auch wir seit Beginn der Krise und den verschärften Maßnahmen mit Umsatzeinbrüchen, mit Existenzängsten und mit Unsicherheit.“ de-de.facebook.com/veggiebros/pos… Dennoch versuchten sie, die Kurzarbeitsquote auf niedrigem Niveau zu halten und durch einen Take-Away-Betrieb weiterhin den Laden am Laufen zu halten. Dies wird ihnen nun zum Verhängnis. Denn: Eine Voraussetzung für die Corona-Soforthilfen von Bund und Land ist ein sogenannter Liquiditätsengpass. Sprich: Dem Staat geht es darum, dass die Unternehmen weiter ihre Mieten zahlen und ihre Rechnungen begleichen können. Wer Mitarbeiter*innen nicht entlässt, wird demnach bestraft, da somit der Liquiditätsengpass nicht erfüllt wird. Die Veggie Bros schreiben, es sehe so aus, „als hätten wir nun im Nachteil (sic!) weil wir versuchen unseren Betrieb aufrecht zu erhalten und unseren MitarbeiterInnen Ihr Einkommen zu sichern.“ Belohnt werden mit den Staatshilfen somit Unternehmer*innen, die rigoros die Krise auf dem Rücken ihrer Belegschaft austragen. Menschen in 450-Euro-Jobs werden komplett im Stich gelassen:

Der Autor dieses Textes wurde als Barangestellter nach Schließung des Kulturbetriebes sofort entlassen. Da die Anstellung auf 450-Euro-Basis erfolgte, hätte er auch keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Generell zeigt sich: Die Menschen in den prekären sogenannten 450-Euro-Jobs werden komplett im Stich gelassen. Arbeiter*innen in Minijobs sind besonders gefährdet, da ihnen ihr sowieso schon minimales Einkommen komplett wegbricht. Generell fehlt es an Hilfe für Menschen in Kultur- und Gastronomiebetrieben, während die Debatten um Milliardenhilfen für Autokonzerne ins Rollen kommen. Aktionär*innen profitieren – Arbeiter*innen in Existenzangst:

Während BMW derzeit von staatlichem Kurzarbeitergeld profitiert und den Mitarbeiter*innen monatlich Geld fehlt, schüttet der bayrische Autokonzern 1,6 Milliarden Euro an Aktionär*innen aus. Von der Prämie profit. v.a. die Erben der Familie Quandt. Stefan Quandt hält 25,8 Prozent der BMW Anteile, was ihm für das komm. Geschäftsjahr eine Dividende von 425 Mio. Euro beschert. Seine Schwester Susanne Klatten erhält für ihre 20,9% 344 Mio. € (merkur.de/politik/corona…). Diese Zahlen demonstrieren die krasse Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft und wir geben ausnahmsweise einem SPD-Politiker Recht: Kühnert forderte 2019 BMW zu kollektivieren. Trotz Dividendenausschüttung und Kurzarbeitsgeld fordert die Autoindustrie weitere staatliche Soforthilfen, die bei der Regierung auf offene Ohren stoßen. Tausende Euros sollen Käufer*innen von Neuwagen erhalten. Über einen Notfallplan zur Rettung des maroden Nahverkehrs oder Subventionen für Bahnfahrer*innen wird in diesem Land trotz Klimawandel nicht diskutiert. Entlassungen bei s. Oliver in Rottendorf:

Für viele Arbeiter*innen brechen extrem unsichere Zeiten an. Die Geschäftsführung des Modekonzerns „s. Oliver“ entlässt in Rottendorf 170 seiner 1500 Mitarbeiter*innen. Die Kündigungen seien schon vor Corona beschlossen gewesen. Zurecht kritisiert der DGB den fehlenden Betriebsrat und DGB-Sektretär Viktor Grauberger fügt an, „Erst rund 45 Millionen Euro Gewinn machen, im nächsten Schritt jedoch mehr als ein Zehntel seines Personal rauszuwerfen – das ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die die Umsätze und Gewinne für das Unternehmen erarbeitet haben.“ br.de/nachrichten/ba… Mieter*innen sind nicht geschützt:

Auch bei Vogel Communications in Würzburg sollen dutzende Mitarbeiter*innen entlassen werden, das Bar- und Gastro-Personal wurde in vielen Betrieben komplett gekündigt und besonders prekär Beschäftigte werden es schwer haben, die hohen Würzburger Mieten weiterhin zu zahlen. Der Staat hatte zwar eine Stundung für Mieter*innen beschlossen, doch da kein Ende der Krise in Sicht ist, bed. dies ledigl.eine Verschleppung der Mietschulden. Ab 1. Juli können Mieter*innen, die nicht zahlen, wieder gekündigt werden. Hohe Dunkelziffer bei Arbeitslosigkeit:

Die Arbeitslosenzahlen steigen. Die Dunkelziffer an Arbeitslosen ist jedoch deutlich höher. Viele melden sich nicht arbeitslos, da die Hartz4-Auflagen stark in das Leben der Menschen eingreifen. Viele kommen mit der Bürokratie nicht zurecht oder schämen sich, sich als arbeitslos registrieren zu lassen. Student*innen, die ihre Jobs verlieren, können nicht auf Hilfen vom Amt hoffen.

Statt Protesten gegen die explodierende Armut und ihre Profiteur*innen, nehmen sich „Impfgegner*innen“, #Naidoo- und #Hildmann-Follower*innen und Corona-Leugner*innen die Straße. Wer Hoffnung hatte auf eine bessere Welt nach Corona wird wohl bitter enttäuscht werden. Die Bourgeoisie profitiert von den Staatshilfen, die Besitzlosen bleiben auf der Strecke.

#WUETHROWBACK

  1. Mai 2017: In der Würzburger Posthalle tritt #XavierNaidoo zusammen mit seiner Band Söhne Mannheims auf. Kurz davor hatte #Naidoo seinen Song „Marionetten“ herausgebracht. Die @GJ_Wuerzburg stellte fest „dass vor allem Xavier Naidoo, aber auch zuletzt die Söhne Mannheims, mit ihren Texten Verschwörungstheorien, antisemitische Stereotype & andere menschenverachtende Hetze verbreiten“ Sie forderte die Posthalle auf, das Konzert „ersatzlos abzusagen“ (gj-wuerzburg.de/2017/05/08/kei…). Die @antifa_wue unterstützte die Kritik der GJ Würzburg. Eine richtige Demo gegen Naidoo sollte es aber nicht geben. Deshalb verabredete man sich zum „Aluhut-Basteln“. Währenddessen berichtete die extrem rechte „Junge Freiheit“, dass der Würzburger Konzert Veranstalter ARGO und auch der Betreiber der Posthalle Naidoo verteidigen (jungefreiheit.de/kultur/2017/ko…). Am Tag des Konzertes setzten sich die Antifaschist*innen Aluhüte auf und cornerten mit Bier vor der Posthalle. Xavier Naidoo persönlich kam zu den Demonstranten und schenkte ihnen kostenlosen Eintritt. Sein Friedensgeschwurbel stimmte allerdings keinen um. Naidoo war zu diesem Zeitpunkt bereits fest in der antisemitischen Verschwörungsszene integriert. Nach dem Konzert gab es fast eine Schlägerei mit den Söhnen Mannheims. Vom Backstage schreit ein Sänger der Band herunter und fordert die Demonstrant*innen zur Schlägerei auf. Diese sind bereits in bester Bierlaune und pöbeln zurück – wäre aber auch ein guter Gag gewesen – Schlägerei mit den Friedenspriestern der Söhne Mannheims. Drinnen sagt Sänger Michael Klimas „Wir kommen in Frieden“. Die @mainpost schreibt, dass die Musik im Vordergrund steht und „Kein Hauch von Politik“ in der Posthalle weht. Als die Reporterin mit den Aluhutcornernden Protestler*innen ins Gespräch kommen wollte, wollte keiner mehr mit ihr reden. Das Bier knallte dann doch zu gut rein. „Auf die Nachfrage, warum sie sich heute hier versammelt haben, wollten die Demonstrant*innen keine Antwort geben. Mit der „Lügenpresse“ spreche man nicht, stattdessen mache man lieber noch einmal eine Flasche Bier auf“, schreibt die @mainpost (mainpost.de/ueberregional/…) Bild: Mainpost. Vermutlich Silvia Gralla.