Plakataktion der #FCN-Fanszene in Würzburg: “Euer Business ist krank!”

Vergangene Woche tauchten überall im Würzburger Stadtgebiet Plakate aus der Fanszene des FC Nürnberg auf. Der Fanzusammenschluss “Nordkurve Nürnberg” fordert mit den Plakaten zur Veränderung der Strukturen des Profifußballs auf.

Auf den Plakaten fordern die Fans eine gerechtere Verteilung der TV-Milliarden, ein Ende des “Turbo-Kapitalismus”, Rücklagen für Krisenzeiten, Gehaltsobergrenzen, Kaderbegrenzungen und eine Entmachtung der Spielerberater:innen.

Die Bundesliga hatte schnell auf Sonderrechte gepocht. Seit Mitte Mai spielen die Profis, während es zu diesen Zeiten verboten war, privat mit zwei Freund:innen zu kicken. Alle organisierten Fanszenen der BRD hatten gegen die Pläne gewettert. Schon seit mind. zwei Jahrzehnten wehren sich Ultras und andere aktive Fans gegen die komplette Kommerzialisierung ihres Lieblingssports.

Doch der Kapitalismus macht natürlich auch vor dem Sport nicht halt. Die DFB-Bosse arbeiten seit Jahren am “Hochglanz-Produkt” Bundesliga. Ihre Kund:innen sollen brav vor den TV-Geräten sitzen oder bereit sein hohe Summen für einen Stadionbesuch auszugeben. “In der Krise zeigt sich der Charakter”, schreiben die FCN-Fans auf ihrem Blog faszination-nordkurve.

faszination-nordkurve.de/42-extra/press…

Nicht der Fußball sei in der Krise, lediglich das Geschäftsmodell. In der Covid-Krise werde klar, “mit welcher Missgunst ein großer Teil der Bevölkerung auf den Profifußball blickt. Wir nehmen wahr, dass sich das Produkt Fußball eine Parallelwelt erschaffen hat, welche viele Fußballfans mit ausufernden Transfer- und Gehaltssummen, einer unersättlich wirkenden Gier nach Profit, Korruption bei Verbänden sowie dubiosen und intransparenten Beraterstrukturen (2017/18 ca. 200 Mio. €) in Verbindung setzen.”

Oftmals werden Fußballfans als unpolitische Idioten dargestellt. Ihr Handeln ist dennoch höchst politisch. Viele Ultraszenen, darunter auch die Würzburger Kickers, organisierten während der Hochzeit der Corona-Pandemie Hilfsangebote.

twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Ultra-solidarisch: Würzburger Fußballfans helfen in #Corona-Krise

Wer im Landkreis Würzburg aufgrund der Corona Pandemie auf Hilfe angewiesen ist, kann sich auch an die Fans der Würzburger Kickers wenden.
Aus der Fanszene heraus ist ein Hilfsangebot entstanden. Hierzu der Kommentar einer Rothose:

„Universitäten, Schulen und Ausbildungsstätten bleiben geschlossen.
Kulturstätten und soziale Treffpunkte stehen auf Grund der aktuellen Lage nicht zur Verfügung. Amateur- und Profisportarten pausieren den Ligabetrieb auf ungewisse Zeit. Das trifft auch den Volkssport Fußball, welchen Menschen aus jeder Klasse, jeder sozialen Schicht
Woche für Woche gespannt verfolgen. Das trifft auch den Fußballclub Würzburger Kickers von 1907, der seit Jahren der erfolgreichste Fußballclub in unserer Stadt ist. Auch in Liga 3 rollt seit zwei Wochen kein Ball mehr.
Auch wenn der sportliche Erfolg dadurch unterbrochen wird, ist das ausgesprochene Ziel der Vereine das „Wohl und die Gesundheit der Menschen“. Dementsprechend ist der Ligabetrieb solange zu unterbrechen, bis dieser keine Gefahr für Zuschauer:innen und Sportler mehr birgt.
Dieses Ziel verfolgt auch die Fanszene des FWK. Da Solidarität in der Fankultur eine große Rolle spielt, liegt das Augenmerk der Fans im Moment besonders auf der Unterstützung der Menschen aus den Risikogruppen.
Der Dallenberg Supporters Club und die aktiven Fans haben deswegen schnellstmöglich, wie auch viele Fanszenen Deutschlands, einen Hilfefond eingerichtet und bieten kostenlosen Einkaufsservice für Lebensmittel und Hygieneartikel an.
Diese Solidarität ist bedingungslos! Ob jung oder alt, ob Rothosen oder nicht. Das Angebot gilt im ganzen Landkreis Würzburg, und in Supermärkten, in denen der Flyer hängt, darüber hinaus.
Ein weiteres sehr positives Statement der Fanszene, die sich erst vor Kurzem aufgrund vereinzelter Vorfälle im deutschen Fußball und bei Spielen der Rothosen antirassistisch und solidarisch zu verstehen gab.
Die Aktion ist ein Zeichen der Solidarität weit über die Grenzen des Vereins und dessen Anhängerschaft.

Infos zum Hilfsangebot finden sich unter: b-block-wuerzburg.de/blog/wuerzburg…
Noch vor wenigen Wochen war das Thema des deutschen Profifußballs die Kritik von Fanszenen und Ultragruppen an Dietmar Hopp. Statt Verständnis für das Kritisieren von Missständen und Dialog mit den aktiven Fans folgten Spielunterbrechungen und weitere Repression.
Der DFB zeigte, wie man schon lange auf Rassismus, Homophobie und alle anderen Formen von Diskriminierung im Stadion hätte reagieren können. Tatsächlich werden solche Maßnahmen erst bei teilweise persönlichen Beleidigungen eines der reichsten Deutschen eingesetzt.
Der Wortlaut mancher Spruchbänder ist problematisch, die zu Grunde liegende Kritik jedoch gerechtfertigt. Für mehr Hintergründe zur Causa Hopp empfehlen wir Folge 1 des Podcast Linksaußen von @SoerenKohlhuber (podcast.de/episode/437368…).
Das gezeichnete Negativbild, vor allem von Ultras, scheint sich seitdem wieder zu wandeln. Gerade die aktiven Fanszenen haben schnell auf die Auswirk. von Corona reagiert und Hilfsangebote eingerichtet, um bspw. Einkäufe für Risikogruppen und Menschen in Quarantäne zu übernehmen.
Auf Faszination Fankurve findet sich ein Überblick über diese: faszination-fankurve.de/index.php?head….

Solidarität wird kollektiv gelebt. Aus der Fanszene heraus, auf Initiative der Vereine und in Kooperation miteinander (mainpost.de/sport/badkissi…).
Ein Zeit Online Artikel gibt beispielsweise Einblick in die Zusammenarbeit des 1. FC Nürnberg und seiner Fans bei ihrem Unterstützungsangebot (zeit.de/sport/2020-03/…).
In der Öffentlichkeit angebr. Spruchbänder drücken Dankbarkeit & Solidarität mit der „Sektion Systemrelevant“ & Helfer:innen aus. Kombiniert wird dies auch mit Forder. nach bess. Löhnen bis zu offener Systemkritik. Eine Bildergalerie findet sich unter: faszination-fankurve.de/index.php?head….
Die interaktive Karte von KickIn, der Beratungsstelle für Inklusion im Fußball, gibt einen Überblick über Unterstützungsangebote aus dem Fußballkontext zur Coronakrise:

google.com/maps/d/viewer?…
P.S.: Falls ihr z.B. WFV-Fans seid und das Angebot deshalb nicht annehmen wollt, könnt ihr gerne auch Schwarzlicht anschreiben.

Solidarität zeigen die organisierten Fußballfans immer wieder untereinander und beziehen häufig geschlossen Positionen gegen Rassismus.

Im vergangenen Sommer äußerte sich Großschlachter, Ausbeuter und Schalke-Präsident Clemens #Tönnies rassistisch. #Ultras und organisierte Fans der Schalker forderten umgehend die „Rote Karte für Tönnies“. Die Macht der Ultras bleibt beschränkt, noch immer steht der Milliardär an der Spitze des S04. Nicht nur in Deutschland wehren sich Ultras gegen Kapitalismus und Rassismus. Seit Wochen demonstrieren die Fußballfanszenen in Brasilien gegen die rechtsradikale Regierung von Jair Bolsonaro. taz.de/Brasilianische… Ob in Würzburg, Nürnberg, auf Schalke oder in Brasilien: Fußballfans mischen sich ein gegen den Ausverkauf ihre Sports und gegen Autoritäten! P.S.: Das Polizeiauto ist zufällig beim Schnappschuss des Plakates durchs Bild gefahren. Es ist in der Würzburger Innenstadt sehr schwierig, Fotos ohne Polizeiautos zu machen.