#covid19

„Ehrenamt“: Die Stadt Würzburg beutet „Held*innen der Corona-Krise“ aus.

Mitte März eskalierte in Würzburg die #Corona-Krise. Die Bildzeitung heizte die Situation reißerisch an: „Würzburg kurz vor Corona-Kollaps. Bürgermeister bat Bundeswehr erfolglos um Hilfe“. In den Würzburger Altenheimen wütete das Virus besonders heftig. Dutzende Menschen starben an oder mit #Covid19. Das Pflegepersonal der Altenheime war stark von Infektionen mit dem Sars-Cov2-Virus betroffen. Die Stadt Würzburg bat gelernte Fachkräfte aus der Pflege um Hilfe in dieser schwierigen Zeit. K. meldete sich bei der Stadt Würzburg. Die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin wartete etwa 10 Tage bis sich die Stadt bei ihr zurückmeldete. „Zunächst musste ich mit meinem anderen Arbeitgeber abklären, ob er mich freistellen kann“, berichtet sie. Um der Stadt Würzburg zu helfen, baute sie ihre Überstunden bei ihrem eigentlichen Arbeitgeber ab und half einen Monat lang in einem betroffenen städtischen Altenheim aus. „Anfang April habe ich angefangen“, erzählt sie. Einen Tag lang wurde sie eingelernt und ab dem zweiten Tag arbeitete sie „selbstständig“. Innerhalb der vier Wochen arbeitete sie „14 oder 15 Tage“ von 13:30 – 21 Uhr. Ganze drei Wochenenden arbeitete sie komplett durch. „Ich wollte ja auch helfen“, sagt sie. Ihr habe der Job „super gefallen“. Es sei „definitiv anstrengend gewesen“, doch „das Team und die Patienten sind sehr nett gewesen“. Den ganzen Tag arbeitete K. mit FFP2-Maske. „Dies macht die körperliche Arbeit deutlich anstrengender“, berichtet sie. Durch die Krise sei allerdings auch „der Zusammenhalt im Team sehr gut gewesen“. Zu Beginn der Krise überwarfen sich Politiker*innen mit Lobpreisungen auf die „Helden des Alltags“. Söder versprach eine Einmalzahlung von 500 Euro, tausende klatschten dem Gesundheitspersonal Beifall und alle waren sich einig: In der Pflege muss sich etwas ändern. Mittlerweile scheint diese Stimmung verflogen.

Was die Bundeswehr nicht auf die Kette bekam – im Würzburger Altenheim aus zu helfen – erledigten „Ehrenamtliche“. Als Dank erhielten sie von der Stadt Würzburg: Nichts. Lediglich eine Kollegin habe ihr einen „wirklich sehr schönen Stein“ gebastelt. „Ich habe mich ja nicht gemeldet, des Geldes wegen, dennoch habe ich gehofft eine kleine Aufwandsentschädigung zu erhalten, da ich ja im Gegenzug meine gesammelten Überstunden abgebaut habe“, meint K. Die Krankenpflegerin habe schließlich für ihr Engagement Einkommensverluste aufzuweisen.

Wie schon in der „Flüchtlingskrise“ wird auch die „Coronakrise“ auf dem Rücken der Ehrenamtlichen ausgetragen. Die Stadt Würzburg sollte sich schämen, die „Held*innen der Corona-Krise“ unbezahlt arbeiten zu lassen. Sicherlich arbeiteten die „Ehrenamtlichen“ ohne finanzielle Erwartung. Doch es kann nicht sein, dass die „Ehrenamtlichen“ ihr „Amt“ auch noch derart selbst finanzieren müssen!

Die Bundesregierung kündigte heute an das Resettlement Verfahren mit der #Türkei und die Resettlement-Verfahren des Bundes für Menschen in humanitären Notlagen „bis auf Weiteres auszusetzen“. Begründet werden die Maßnahmen mit der Ausbreitung der #Covid19-Pandemie. Konkret bedeutet dies, die Menschen in absoluter humanitärer Notlage werden alleine gelassen. Anstatt jetzt freigewordene Hotelkapazitäten zu nutzen, um einreisende Geflüchtete quarantieren zu können, werden die Menschen an der Ägäis im Stich gelassen. „Moria (Anmerkung: Das völlig überfüllte Flüchtlingslager auf #Lesbos) hat gestern gebrannt, schrecklich!“, schreibt uns am gestrigen Dienstag unser Kontakt (H.) auf der griechischen Insel Lesbos. Drei Container hätten gebrannt. „Ich habe mitbekommen, dass zwei Kinder gestorben sind“, so H..

„Mittlerweile ist auch #Corona hier ein großes Thema und wir sind halb in Quarantäne“, berichtet H. Sie berichtet von dramatischen Zuständen: „Alle haben richtig Angst, dass der Virus in #Moria ausbricht – Es gibt keine Möglichkeiten sich ordentlich die Hände zu waschen und nicht einmal Zugang zu ausreichender Gesundheitsversorgung“, schreibt sie uns. Gestern schrieb die @taz pessimistisch: „Die anderen EU-Länder streiten sich immer noch darüber, wer wie viele unbegleitete Kinder aufnehmen soll und was das für Konsequenzen haben könnte. Als würden nur Kinder ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben in Sicherheit haben. Für allein reisende Geflüchtete und die vielen Familien in Moria ist anscheinend nirgendwo Platz.“ Unter dem #LeaveNoOneBehind haben in wenigen Tagen bereits über 40.000 Menschen unterschrieben, die Corona-Katastrophe auch an den Außengrenzen endlich ernst zu nehmen. Die Petition fordert die Evakuierung der überfüllten Lager, notwendige Schutzmaßnahmen vor Corona (auch in Flüchtlingslagern), den Zugang zu medizinischer Versorgung für Obdachlose und Geflüchtete und den Zugang zum Asylverfahren. Unterzeichnen könnt ihr hier:

change.org/p/alle-mensche…