#corona

Der gemeinsame Kontext der Krawalle in #Dietzenbach und #Minneapolis

In der Nacht zu Freitag ist es in Dietzenbach im Landkreis Offenbach zu Angriffen auf Polizeibeamt_innen gekommen, nachdem zuerst Feuer auf einem Parkdeck gelegt worden ist. Die Polizei geht davon aus, dass das Feuer lediglich dazu diente, um die Einsatzkräfte anzulocken. Eine Gruppe von 50 Männern soll diese beim Eintreffen schließlich mit Steinen attackiert haben. Die nachfolgen. Auseinandersetzungen dauerten 2 Stunden an (mopo.de/news/panorama/…). Dieses Ereignis erscheint vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Krawalle in mehreren amerikanischen Großstädten interessant, auf Grundlage derer sich vor allem eine tiefe Unzufriedenheit gegenüber den Sicherheitskräften artikuliert. Ausschlaggebend war der erneute Tod eines Schwarzen im Zuge eines umstrittenen Polizeieinsatzes in Minneapolis, der sich rasant in den sozialen Medien verbreitete. Auf einem Video ist zu sehen, wie ein weißer Polizist den Mann mehrere Minuten lang mit dem Knie im Nacken auf dem Boden fixiert, obwohl dieser immer wieder darauf hinweist, dass er massive Schmerzen erleide und keine Luft mehr bekommen würde. Die Beamten ließen allerdings erst von dem Mann ab, als Rettungskräfte eintrafen. Auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb er schließlich. Eine noch am gleichen Tag organisierte Demonstration wurde von der Polizei gewaltsam aufgelöst, was schließlich zu den nun seit 3 Tagen andauernden Krawallen führte. Diese haben sich in den letzten Tagen schließlich auch auf andere Städte wie St. Paul & Los Angeles ausgebreitet. Auf entsprechenden Videos im Internet sind neben zahlreichen Angriffen auf Polizeieinheiten, Banken, Geschäften usw. auch viele Plünderungen zu sehen. Betroffen sind mittlerweile zahlreiche größere Geschäfte. Aufgrund der Ausmaße dieser Ereignisse lässt sich auch eine Verbindung zur aktuellen Covid-19 Krise herstellen, welche die USA besonders hart trifft. Über 40 Millionen Menschen haben mittlerweile ihren Arbeitsplatz verloren und mit zwischenzeitlich 14,7 % hat die Arbeitslosigkeit den höchsten Stand seit dem 2. Weltkrieg erreicht. Dieser Wert könnte auf über 20 % ansteigen (tagesschau.de/wirtschaft/arb…). Außerdem sind bereits über 100.000 Menschen an dem Virus gestorben. Dementsprechend lässt sich die Heftigkeit der aktuellen Krawalle nicht nur mit der massiven Kritik gegenüber der Polizei und dem seit Jahrhunderten in der amerikanischen Gesellschaft verankerten, strukturellen Rassismus erklären, sondern auch mit der puren Not der Menschen. Es lässt sich also vermuten, dass die sich hier entladene Unzufriedenheit verschiedene strukturelle Ursachen hat und durch die aktuelle Krise noch deutlich verschärft wird. Diese Erkenntnis hilft darüber hinaus aber auch, die Vorgänge in Dietzenbach besser zu verstehen. Denn die Ereignisse vergangener Nacht reihen sich lediglich in eine Chronologie ähnlicher Konfrontationen ein, wie beispielsweise 2005 (m.faz.net/aktuell/rhein-…). Vor allem das östliche Spessartviertel, welches bereits seit den 1980er Jahren als sozialer Brennpunkt gilt, steht hierbei im Visier. Trotz zahlreicher Sanierungsversuche sind die Zustände für die rund 3300 Einwohner_innen, welche größtenteils einen Migrationshintergrund und ein geringes Einkommen aufweisen, nach wie vor prekär. Grundlage ist eine völlig verfehlte Stadtplanung und Entwicklungsprognose, welche aufgrund ausbleibenden Engagements potenzieller Investor_innen schließlich dazu führte, dass der Stadtteil zunehmend sich selbst überlassen wurde und kaum Infrastruktur vorhanden war. Aufgrund der fehlenden Lukrativität setzte sich diese Problematik mehr oder weniger bis heute fort (de.wikipedia.org/wiki/%C3%96stl… Spessartviertel). Demnach offenbart sich hier sehr deutlich das massive Konfliktpotenzial, welches von Perspektivlosigkeit und Frustration hervorgerufen wird. So sagte der CDU Politiker Adolf Kühn 1981: „Wer hier lebt, braucht ein Gemüt aus Beton“. Auch wenn diese beiden Ereignisse, welche aktuell Schlagzeilen machen, nicht zwangsläufig miteinander zusammenhängen, zeigen sie jedoch deutlich die zentrale Bedeutung struktureller Probleme auf und verfügen daher einen gemeinsamen politischen Kontext. Der Krawall, welcher verschiedene Ausmaße und Formen annimmt, ist letztendlich die entsprechende Antwort. Vor allem die Tatsache, dass sich sowohl in Dietzenbach als auch in den USA solche Ausschreitungen immer wieder ereignen, zeigt, dass die Politik scheinbar nicht in der Lage ist, die zugrundeliegenden Probleme angemessen anzugehen. Traurigerweise erfolgt eine Anerkennung dieser Probleme häufig erst, nachdem es zu solchen Gewaltausbrüchen kommt. Abschließend bleibt festzuhalten, dass das Bezeichnen der Beteiligten von Seiten staatlicher Institutionen und Medien als “Kriminelle” und “Gewalttäter” die grundlegenden sozialen Zusammenhänge ausblendet und so den Status quo wahrt. Eine angemessene Lösung kann so nicht erreicht werden und daher ist davon auszugehen, dass sich solche Ereignis in Zukunft weiterhin ereignen und durch die #Corona Krise noch wahrscheinlicher werden.

„Ehrenamt“: Die Stadt Würzburg beutet „Held*innen der Corona-Krise“ aus.

Mitte März eskalierte in Würzburg die #Corona-Krise. Die Bildzeitung heizte die Situation reißerisch an: „Würzburg kurz vor Corona-Kollaps. Bürgermeister bat Bundeswehr erfolglos um Hilfe“. In den Würzburger Altenheimen wütete das Virus besonders heftig. Dutzende Menschen starben an oder mit #Covid19. Das Pflegepersonal der Altenheime war stark von Infektionen mit dem Sars-Cov2-Virus betroffen. Die Stadt Würzburg bat gelernte Fachkräfte aus der Pflege um Hilfe in dieser schwierigen Zeit. K. meldete sich bei der Stadt Würzburg. Die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin wartete etwa 10 Tage bis sich die Stadt bei ihr zurückmeldete. „Zunächst musste ich mit meinem anderen Arbeitgeber abklären, ob er mich freistellen kann“, berichtet sie. Um der Stadt Würzburg zu helfen, baute sie ihre Überstunden bei ihrem eigentlichen Arbeitgeber ab und half einen Monat lang in einem betroffenen städtischen Altenheim aus. „Anfang April habe ich angefangen“, erzählt sie. Einen Tag lang wurde sie eingelernt und ab dem zweiten Tag arbeitete sie „selbstständig“. Innerhalb der vier Wochen arbeitete sie „14 oder 15 Tage“ von 13:30 – 21 Uhr. Ganze drei Wochenenden arbeitete sie komplett durch. „Ich wollte ja auch helfen“, sagt sie. Ihr habe der Job „super gefallen“. Es sei „definitiv anstrengend gewesen“, doch „das Team und die Patienten sind sehr nett gewesen“. Den ganzen Tag arbeitete K. mit FFP2-Maske. „Dies macht die körperliche Arbeit deutlich anstrengender“, berichtet sie. Durch die Krise sei allerdings auch „der Zusammenhalt im Team sehr gut gewesen“. Zu Beginn der Krise überwarfen sich Politiker*innen mit Lobpreisungen auf die „Helden des Alltags“. Söder versprach eine Einmalzahlung von 500 Euro, tausende klatschten dem Gesundheitspersonal Beifall und alle waren sich einig: In der Pflege muss sich etwas ändern. Mittlerweile scheint diese Stimmung verflogen.

Was die Bundeswehr nicht auf die Kette bekam – im Würzburger Altenheim aus zu helfen – erledigten „Ehrenamtliche“. Als Dank erhielten sie von der Stadt Würzburg: Nichts. Lediglich eine Kollegin habe ihr einen „wirklich sehr schönen Stein“ gebastelt. „Ich habe mich ja nicht gemeldet, des Geldes wegen, dennoch habe ich gehofft eine kleine Aufwandsentschädigung zu erhalten, da ich ja im Gegenzug meine gesammelten Überstunden abgebaut habe“, meint K. Die Krankenpflegerin habe schließlich für ihr Engagement Einkommensverluste aufzuweisen.

Wie schon in der „Flüchtlingskrise“ wird auch die „Coronakrise“ auf dem Rücken der Ehrenamtlichen ausgetragen. Die Stadt Würzburg sollte sich schämen, die „Held*innen der Corona-Krise“ unbezahlt arbeiten zu lassen. Sicherlich arbeiteten die „Ehrenamtlichen“ ohne finanzielle Erwartung. Doch es kann nicht sein, dass die „Ehrenamtlichen“ ihr „Amt“ auch noch derart selbst finanzieren müssen!

„Futter-für-die-Mieze“: Voller Erfolg!

„Bei etwa 100 Essensbestellungen kamen über 1.000 Euro an Spenden für die #MiezeKoZe zusammen“, berichten die Organisator*innen der Aktion „Futter für die Mieze“. Das kollektive Zentrum MiezeKoZe in Grombühl wurde durch die #Corona-Krise hart getroffen. Alle Veranstaltungen in dem selbstverwalteten Raum sind abgesagt. Doch die Aktion „Futter für die Mieze“ sichert nun 2,5 Monatsmieten! In die Stadtteile Altstadt, Sanderau, Frauenland, Grombühl und Zellerau lieferte das hoch motivierte Koch- & Lieferteam veganes Gulasch, Muffins, Oetti und Spezi. „Wir bedanken uns für die tolle Solidarität“, schreibt das KüfA-Team. Das „Schlimmste“ sei erst einmal abgewendet. Sie hoffen „bald wieder die Räumlichkeiten in neuem Glanz zugänglich machen zu können“.

Die Kritischen Jurist*innen laden zum Einstiegstreffen!

Anfang letzten Jahres gründete sich am Würzburger Juralehrstuhl der Arbeitskreis Kritischer Jurist*innen Würzburg. Die Aktivist*innen betrachten aktuelle politische Entwicklungen aus kritischer juristischer Perspektive. Die Jurist*innen unterstützten Demonstrationen von #MissMutig oder der @SeebrueckeWue, kritisierten unverhältnismäßige Polizeieinsätze, zeigten Filme (Bsp: „Hamburger Gitter“) oder luden zu Vorträgen (Bsp: Analyse des Verfassungsschutzes, „Palandt umbenennen“). Trotz #Corona-Krise lädt der AKJ Würzburg am Dienstag zum Einstiegstreffen. Vorkenntnisse sind keine nötig.

facebook.com/events/8595946…

Unter Einhaltung der #Corona-Maßnahmen demonstrierten am gestrigen Samstagmittag Dutzende am Unteren Markt.

Bei Dauerregen standen die Protestierenden auf einer abgesperrten Fläche am Würzburger Markt und hielten Reden, die die Aufmerksamkeit der Passant*innen erweckten. „Wir fordern ein Ende der Gewalt und Repression gegen Geflüchtete, wir fordern eine Einhaltung der Menschenrechte, wir fordern die sofortige Evakuierung aller Lager!“, sagte ein Redner der @SeebrueckeWue. Auf Transparenten forderten sie, das griechische Flüchtlingslager #Moria zu evakuieren. Auf Bannern war der #LeaveNoOneBehind zu lesen.

twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
#Moria? Gibt es gar nicht!

Wer in diesen Tagen einen Blick auf Lesbos wirft und dazu Google Maps verwendet, bekommt ein verpixeltes Fleckchen Land zu sehen. In der Mitte dieses Pixelhaufens erklärt eine Angabe, dass es sich um das Flüchtlingscamp bei Moria handelt.
Es wird versteckt, was nicht sein darf. Unter diesen 12 x 8 Meter großen, bunten Rechtecken befinden sich aktuell circa 20.000 Menschen, welche nach einer durch Flucht geprägten Vergangenheit endlich die Ufer Europas erreicht haben.
Länder wie Deutschland oder Luxemburg begannen vor wenigen Tagen mit der Aufnahme. Deutschland beschränkt sich vorerst auf 50 unbegleitete Kinder. Insgesamt sollen 1.600 Menschen auf EU-Staaten verteilt werden (1). Dennoch verschärft sich die Situation im Camp Tag für Tag.
Das bevorstehende Handeln der EU ist langsam, kommt viel zu spät und wird die Probleme nicht lösen.

Die Lage in den überfüllten Camps auf den griechischen Inseln ist schrecklich.
Warum wurden die Geflüchteten nicht viel früher und/oder von Griechenland selbst besser verteilt? Der Grund hierfür liegt im EU-Türkei-Deal: „Alle, die nach dem 20. März 2016 in Griechenland ankamen, dürfen gemäß dem Deal nicht aufs Festland verbracht werden“ (2).
Griechenland nimmt das Leid der Menschen in Kauf, um eine Abschiebung in die Türkei als Möglichkeit offen zu lassen. Auch Corona und die damit verbundene Kenntnis über das Zusteuern auf eine noch gravierendere Katastrophe sorgt nicht für ein Umdenken.
In der „Hölle von Moria“ kam es in der Vergangenheit zu vielen Aufständen, Bränden und gewaltsamen Todesfällen – zu viele, um sie alle aufzuzählen. Wir haben bereits im März von der Lage vor Ort berichtet:

twitter.com/schwarzlichtwu…

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Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Die Situation in Moria ist heftig“ - Lagebericht aus Lesbos und Solidarität aus #Würzburg!

Erstmal die gute Nachricht. H., die bereits seit mehreren Monaten auf Lesbos in der Geflüchtetenhilfe arbeitet, geht es soweit „ganz gut“.
Mittlerweile ist die Insel „für Nicht-Inselbewohner*innen dicht, wahrscheinlich streicht Griechenland ab morgen die Flüge“.

Die @tazgezwitscher schreibt heute über den „Ausnahmezustand de luxe“ in Deutschland und blickt auf Lesbos:
„Während hier leere Hallen und Hotels als Notfallkrankenhäuser aufgebaut werden, betreibt das Gesundheitsministerium von Griechenland im Lager von Moria auf Lesbos eine Krankenstation mit zwei Ärzten und einem Psychologen pro Schicht – für über 20.000 Menschen“. ¹
Im Lager von #Moria gelten nun Ausgangbeschränkungen. „Die Leute dürfen nur noch von 7 – 19 Uhr raus und nur eine Person pro Familie am Tag und nicht mehr als 100 Menschen in der Stunde“, berichtet H. Zusätzlich werde ein Zaun um das Geflüchtetenlager gezogen.
Die Situation in Moria ist heftig“, H. sorgt sich, „dass Moria nicht wieder zu der Offenheit zurückkommt“.

Die Schule „Wave of Hope“ zieht gerade um. „Nun wurde beschlossen, anstatt der Schule ein notdürftiges Krankenhaus zu bauen.
Das ganze wird natürlich alles selbstorganisiert und wird von NGOs unterstützt“, schreibt uns H.. Sie sorgt sich um eine weitere Zuspitzung der Lage im Camp Moria: „Ich denke, dass es die Tage vermehrt zu Spannungen kommen wird, weil die Leute einfach nicht raus können, die kleinen Obst/Gemüse/Falafelstände in Moria jetzt auch vorerst schließen mussten, d.h. dass alle wieder vermehrt auf das Essen von Moria selbst angewiesen sind“. Sie sorge sich vor „längeren Essensschlangen, mehr Rangeleien und Stress“
Während wir uns die Hände waschen können, leben die Menschen in Moria unter katastrophalen hygienischen Bedingungen: „In den Lagern in Griechenland gibt es oft nicht einmal genug Wasser zum Trinken“, schreibt Christian Jakob in der taz.
In einem lesenswerten Artikel der @zeitonline fordert Allgemeinmediziner George Makris: „Die vorerkrankten Menschen müssen jetzt dringend und zuallererst evakuiert werden. Schlussendlich müssen alle hier raus.“ ² Wir haben bereits zwei mal über die Situation in #Lesbos berichtet³ und halten euch auch in Zukunft auf dem Laufenden. Um die totale Katastrophe in Moria zu verhindern, wurde der #LeaveNoOneBehind ins Leben gerufen und eine Petition gestartet, die bereits mehr als 160.000 Menschen unterzeichnet haben. ⁴
In Würzburg hätte gestern eine Demonstration unter dem Motto „Wir haben Platz“ stattfinden sollen.

Aus bekannten Gründen musste sie abgesagt werden, deshalb ruft die @SeebrueckeWue auf, Banner aus den Häusern zu hängen, um Solidarität mit den Menschen an den europäischen Außengrenzen zu zeigen.

Die Fotos zeigen solidarische Banner in Würzburg (heute, 21.03.2020, Internationaler Tag gegen Rassismus).
¹taz.de/In-der-Corona-…

² zeit.de/politik/auslan…

³ Erster Bericht aus Lesbos (13.03.2020):

twitter.com/schwarzlichtwu…

Zweiter Bericht aus Lesbos (18.03.2020):

twitter.com/schwarzlichtwu…

⁴ Petition #LeaveNoOneBehind:

change.org/p/alle-mensche…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Die Bundesregierung kündigte heute an das Resettlement Verfahren mit der #Türkei und die Resettlement-Verfahren des Bundes für Menschen in humanitären Notlagen „bis auf Weiteres auszusetzen“. Begründet werden die Maßnahmen mit der Ausbreitung der #Covid19-Pandemie.
Konkret bedeutet dies, die Menschen in absoluter humanitärer Notlage werden alleine gelassen. Anstatt jetzt freigewordene Hotelkapazitäten zu nutzen, um einreisende Geflüchtete quarantieren zu können, werden die Menschen an der Ägäis im Stich gelassen.
„Moria (Anmerkung: Das völlig überfüllte Flüchtlingslager auf #Lesbos) hat gestern gebrannt, schrecklich!“, schreibt uns am gestrigen Dienstag unser Kontakt (H.) auf der griechischen Insel Lesbos.
Drei Container hätten gebrannt. „Ich habe mitbekommen, dass zwei Kinder gestorben sind“, so H..

„Mittlerweile ist auch #Corona hier ein großes Thema und wir sind halb in Quarantäne“, berichtet H.
Sie berichtet von dramatischen Zuständen: „Alle haben richtig Angst, dass der Virus in #Moria ausbricht – Es gibt keine Möglichkeiten sich ordentlich die Hände zu waschen und nicht einmal Zugang zu ausreichender Gesundheitsversorgung“, schreibt sie uns.
Gestern schrieb die @taz pessimistisch: „Die anderen EU-Länder streiten sich immer noch darüber, wer wie viele unbegleitete Kinder aufnehmen soll und was das für Konsequenzen haben könnte.
Als würden nur Kinder ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben in Sicherheit haben. Für allein reisende Geflüchtete und die vielen Familien in Moria ist anscheinend nirgendwo Platz.“
Unter dem #LeaveNoOneBehind haben in wenigen Tagen bereits über 40.000 Menschen unterschrieben, die Corona-Katastrophe auch an den Außengrenzen endlich ernst zu nehmen.
Die Petition fordert die Evakuierung der überfüllten Lager, notwendige Schutzmaßnahmen vor Corona (auch in Flüchtlingslagern), den Zugang zu medizinischer Versorgung für Obdachlose und Geflüchtete und den Zugang zum Asylverfahren.
Unterzeichnen könnt ihr hier:

change.org/p/alle-mensche…

Mit dieser Dokumentation wollen wir die Entwicklung des Flüchtlingscamps über die letzten fünf Jahre festhalten. Unsere Analysen beruhen zu großen Teilen auf Satellitenaufnahmen des Camps.
Ursprünglich als Militärbasis konzipiert, hat Moria eine Kapazität von 3.000 Personen (3). Seit Ende 2015 wird die Basis als Flüchtlingslager genutzt.
Wo früher Militärfahrzeuge standen (siehe Aufn. vom 13.06.2007), dokumentieren Satellitenaufnahmen vom Oktober 2015 die Errichtung neuer Gebäude (siehe Aufn. vom 02.10.2015). Ab 29. Oktober entstehen innerhalb von 5 Tagen 15 neue Gebäude (siehe Aufn. vom 29.10.2015 & 02.11.2015).
Bis Juni 2016 kommen nochmal über 50 Gebäude hinzu (siehe Aufn. vom 03.06.2016). Eine Karte des UNHCR vom Februar 2016 erklärt die Infrastruktur vor Ort. Das Camp scheint vorbereitet!
Seit Frühjahr 2016 dient #Moria hauptsächlich als Abschiebezentrum zur Umsetzung des EU-Türkei-Deals (4). Im April 2016 leben bereits 4.000 geflüchtete Menschen in Moria (5).
Als der griechische Migrationsminister in diesem Monat das Camp besucht, kommt es zu Ausschreitungen; Steine fliegen. (5)
Eigentlich ist ein Lager mit 133% Auslastung als Überfüllt zu deklarieren. Das heißt: keine weiteren Aufnahmen! Doch viel geringer wird diese Prozentzahl erstmal nicht.
Sie ist starker Fluktuation unterworfen: hin und wieder werden besonders schutzbedürftige Geflüchtete ans Festland gebracht (6), doch es gibt stets mindestens genauso viele Neuankömmlinge: Ende 2019 wird von bis zu 450 Menschen in nur einer Nacht berichtet (7).
Nach der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 hat sich die Lage im Jahr 2017 relativ beruhigt. Zum ersten Mal fällt die Zahl der Menschen in Moria wieder unter 6.000 (8). Auf Satellitenbildern vom April 2017 sind plötzlich weniger (!) Gebäude zu zählen (siehe Aufn. vom 29.04.2017).
Einen Monat darauf stehen dort, wo vorher eingeschossige Gebäude waren, zweistöckige, containerartige Gebäude (siehe Aufn. vom 26.05.2017). Bis Januar 2018 kommen viele dieser mehrstöckigen Gebäude hinzu (siehe Aufn. vom 31.01.2018).
Die Camp-Betreiber bereiten sich auf weitere Ankömmlinge vor. Doch diese Maßnahmen reichen nicht aus. Das bestehende Camp ist überfüllt und so etabliert sich Anfang 2018 ein Baracken-Cluster auf der gegenüberliegenden Straßenseite, nordöstlich des Camps.
Dort befindet sich ein privater Olivenhain, welcher von nun an mehr und mehr beansprucht wird (siehe Aufn. vom 31.01.2018 bis 02.04.2019).

Im Oktober 2019 leben 13.000 Menschen in und um dem Camp (6).
Auf einem letzten Satellitenbild vom Oktober 2019 umfasst die Größe des Olivenhain-Camps 41.397m². Das sind 75% des eigentlichen Camps (siehe Aufn. vom 24.10.2019). Zwei Menschen sterben in diesem Monat, als ein Feuer im Lager ausbricht (6).
In den Baracken kann sich, wenn überhaupt, nur mäßig gegen den anstehenden Winter geschützt werden. Nicht überall gibt es Strom, nicht überall ist es trocken, vieles versinkt im Schlamm. Die hygienische Situation ist katastrophal und im Lager herrscht Gewalt.
So trauen sich Frauen nachts nicht mehr zur Toilette (9). In diesem Winter befinden sich 17.000 Menschen in Moria (10). In Anbetracht der ursprünglichen Kapazität von 3.000 Personen ist dies eine 567 prozentige Auslastung.
Das Europa, welches diesen Menschen keinen Eintritt gewährt, schickt Decken und Kissen (10).

Nach Überstehen der Kälteperiode hat sich die Situation nicht verbessert. Januar 2020 befinden sich 19.000 Menschen, davon 40% Minderjährige, im Camp (11).
Im Februar protestieren 2.000 Geflüchtete gegen die Zustände im Camp in der Inselhauptstadt (12). Die Polizei setzt Tränengas ein. Daraufhin formt sich im März ein faschistischer Mob, welcher Flüchtlinge, Helfer*innen und Journalist*innen brutal attackiert (13).
Währenddessen rückt ein Thema immer weiter in den Vordergrund: Corona. Die Menschen im Camp haben Angst, dass sich das Virus dort ausbreitet. Die Versorgung jeglicher Art ist bereits jetzt katastrophal. Auch Hygienemängel werden mit zunehmender Wasserknappheit verstärkt.
Es gibt keine Konzepte, alle sind auf sich alleine gestellt.

Doch zurück zum Anfang: Moria? Gibt es nicht! Überzeugt euch selbst, indem ihr diesen Link anklickt: goo.gl/maps/yPyr3uD7D….
Seit Oktober 2019, wo 13.000 Menschen das Camp bewohnten, gibt es keine aktuelleren Satellitenbilder, welche in dieser Auflösung öffentlich zugänglich sind. Heute leben dort 20.0000 Menschen. Wie hat sich das Lager verändert? Wir wissen es nicht.
Statt dem neuesten Satellitenbild wird Usern eine Aufnahme von 2014 mit nachträglicher Verpixelung angezeigt.
Diese Art der Problemlösung erinnert stark an das Vorgehen der EU: Moria? Wenn wir nicht hinsehen, ist es nicht unser Problem!

Wir sagen: #LeaveNoOneBehind und #WirHabenPlatz! Evakuiert die Lager und wartet keine Durchseuchung ab! change.org/p/alle-mensche…
Quellen:

  1. focus.de/politik/auslan…

  2. proasyl.de/thema/eu-tuerk…

  3. tagesschau.de/ausland/moria-…

  4. de.wikipedia.org/wiki/Moria_(Le…

  5. tagesschau.de/ausland/lesbos…

  6. tagesspiegel.de/themen/reporta…

  7. evangelicalfocus.com/europe/4784/Le…

  8. theguardian.com/world/2017/dec…

  9. avicenna-hilfswerk.de/moria-im-winte…

  10. zeit.de/2019/53/camp-m…
  11. theguardian.com/global-develop…

  12. orf.at/stories/315306…

  13. n-tv.de/politik/Faschi…

Die erste Rednerin von @F4F_wuerzburg thematisierte die symbolische Aktion der Bundesregierung: „Im Februar und März wurde davon gesprochen, dass Deutschland bis zu 1600 Geflüchtete aus den überfüllten Lagern in Griechenland holen möchte. Daraus wurden 47 Kinder und Jugendliche, um das Thema danach wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen“. Weiter kritisierte sie Seehofer, der Mitte April einen Stopp der Seenotrettung forderte. Abschließend bekräftigte sie: „Die Evakuierung der Geflüchtetenlager war schon vorher überfällig und wäre momentan der einzig humane Weg.“

Der nächste Redner ging auf die Demos der sog. #CoronaRebellen ein. Diese verbreiteten Verschwörungstheorien, leugneten wissenschaftliche Fakten und duldeten Mitglieder aus #noAfD und rechten Strukturen. „Dabei sollte die Aufmerksamkeit, denen gelten, deren Sorgen ganz real sind“. Denn aktuell sehe man, wie sehr die Unterbringung von Geflüchteten in Massenunterkünften die Gesundheit von Menschen bedrohe. Er ging auf den Polizeieinsatz vergangene Woche im Schweinfurter #ANKER-Zentrum ein. Wir berichteten (twitter.com/schwarzlichtwu…).

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Im #ANKER-Zentrum Schweinfurt ist es zu einem heftigen Polizeieinsatz bekommen. Eine Demonstration von Lagerbewohner*innen wurde mit einem Großaufgebot der Polizei beantwortet.

Bildquelle: BR
Im #ANKER-Zentrum in der ehemaligen Schweinfurt US-Kaserne war es bereits Ende März zu einem Ausbruch des #Corona-Virus gekommen.

Die Bewohner*innen stehen seitdem unter Quarantäne. Lediglich bereits Genesene dürfen das Lager verlassen.
Erst wenn es 14 Tage lang keine neuen Corona-Fälle im Lager gibt, will die Regierung von Unterfranken die strenge Quarantäne aufheben. Bisher wurde bei 137 Menschen in der Unterkunft eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen.
Am 20. April verstarb im ANKER-Zentrum ein 60-jähriger Armenier an den Folgen der Viruserkrankung.

Bei der Demonstration am Montagmorgen gegen 6.30 Uhr versammelten sich die Bewohner*innen am Eingangstor der ehemaligen Kaserne.
Friedlich und lautstark protestierten sie gegen die harten Ausgangssperren. Seit mittlerweile 8 Wochen dürfen sie das Lager nicht verlassen.

Mit Sitzblockaden versuchten sie den Lagerbetrieb zu stören. Die Polizei reagierte mit einem enormen Aufgebot & räumte die Blockade.
Laut Polizeiberichten hatte sich die Lage zunächst entspannt, ehe sie am Nachmittag wieder eskalierte. Die Bewohner*innen im Schweinfurter ANKER-Zentrum versuchen seit längerem mit friedlichen Demonstrationen Aufmerksamkeit für ihre Lage zu erhalten.
Doch aus der Bevölkerung hagelt es Anfeindungen, wenn sich die Schweinfurter Asylbewerber*innen für eine bessere Unterbringung und faire Asylverfahren einsetzen. Von staatlicher Seite gab es bisher auch keine wesentlichen Verbesserungen für die Geflüchteten.
Als die Cops am Nachmittag anrückten, wurden sie nach eigenen Angaben mit Gegenständen beworfen. Achtung: Wir wissen nicht exakt was passiert ist, aber es ist ratsam nicht den Polizeimeldungen blind zu vetrauen.
Polizeigewalt kommt in ihren Schilderungen nämlich nie vor. Wie sich die Lage hochgeschaukelt hat, ist derzeit unklar. Pressevertreter*innen waren nicht zugelassen. Mehrere hundert Cops aus Schweinfurt und von der Nürnberger Bereitschaftspolizei waren im Einsatz.
Zwei Polizeihubschrauber kreisten über dem Gelände. Erst gegen 19 Uhr hatte sich angeblich die Lage beruhigt.

Die Ausschreitungen sind kein Zufall. Die ANKER-Zentren wurden schon bei ihrer Einführung massiv kritisiert.
Die Perspektivlosigkeit der Bewohner*innen sowie die Enge im Lager & die Separation von der Schweinfurter Bevölkerung führen zu krasser Frustration unter den Bewohner*innen. Deswegen ist die Forderung des @BFR_089 nach wie vor wichtig: Alle Lager auflösen!

youtu.be/fLYsNQPWjQE

„Ein Viertel der Bewohner*innen sind dort bereits an #Corona erkrankt, eine viel höhere Quote als im Bevölkerungsschnitt“, sagte der Redner. Zusätzlich seien die Bewohner*innen weiter auf engstem Raum eingesperrt. „Von Moria bis zur Lindenstraße in Bremen protestieren Geflüchtete aus Angst um ihre Gesundheit für eine menschliche Form der Unterbringung in der sog. Social Distancing auch möglich ist“, fuhr er fort. Abschließend sagte er: „Die durch die Pandemie ausgelöste Krise darf nicht auf dem Rücken der Marginalisierten und Schwachen unserer Gesellschaft ausgetragen werden, sondern bedarf der Solidarität“. Der Anmelder verlas den Aufruf und ging auf die Situation in #Moria ein, über die wir euch auch in Zukunft auf dem Laufenden halten möchten. Unsere Informantin Henni, die derzeit auf Lesbos als Helferin arbeitet, berichtet diese Woche: „Während hier in der Stadt alles so langsam zum normalen Alltag übergeht, ist es in Moria weiterhin katastrophal“. Im Flüchtlingslager leben aktuell ca. 22.000 Menschen „Es wird gerade richtig heiß, dies betrifft besonders die Menschen in Moria“, sagt uns die Helferin. Bei Sonne und um die 30 Grad ist es in überhitzten Zelten mit unregelmäßiger Wasserversorgung noch schwerer auszuhalten. Für die Bewohner*innen des Camps ist es nach wie vor sehr schwierig, nach Mytilini (nahegelegene Hafenstadt mit ca. 38.000 Einwohner*innen) und damit an Geld zu kommen. Für die 22.000 Bewohner*innen von Moria soll nun ein (!) Geldautomat installiert werden. „Menschen, die gerade auf der Insel ankommen werden gar nicht mehr nach Moria gebracht und registriert – als ‚Corona-Maßnahme‘“, erklärt uns Henni. Die Menschen müssten „in irgendwelchen UNHCR-Zelten in der Nähe ihrer Ankunftsorte ausharren und warten. „Manchmal bekommen sie nicht einmal ein Zelt und schlafen unter Bootsbaracken“. Informationen, wann sie nach Moria können, bekämen sie nicht. Weiter ging der Abschlussredner auf die GU Würzburg ein, die auch unter Quarantäne stehe und er erklärte: „Die Unterbringung in Lagern ist nicht akzeptabel“. Zum Abschluss riefen die Demonstrant*innen: „Hoch die Internationale Solidarität“, „Um Europa keine Mauer, Bleiberecht für alle und auf Dauer“, „No Border! No Nation! Stop Deportation!“ und „Grenzen auf! Überall! Stacheldraht zu Altmetall!“

Im #ANKER-Zentrum Schweinfurt ist es zu einem heftigen Polizeieinsatz bekommen. Eine Demonstration von Lagerbewohner*innen wurde mit einem Großaufgebot der Polizei beantwortet.

Bildquelle: BR Im #ANKER-Zentrum in der ehemaligen Schweinfurt US-Kaserne war es bereits Ende März zu einem Ausbruch des #Corona-Virus gekommen.

Die Bewohner*innen stehen seitdem unter Quarantäne. Lediglich bereits Genesene dürfen das Lager verlassen. Erst wenn es 14 Tage lang keine neuen Corona-Fälle im Lager gibt, will die Regierung von Unterfranken die strenge Quarantäne aufheben. Bisher wurde bei 137 Menschen in der Unterkunft eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen. Am 20. April verstarb im ANKER-Zentrum ein 60-jähriger Armenier an den Folgen der Viruserkrankung.

Bei der Demonstration am Montagmorgen gegen 6.30 Uhr versammelten sich die Bewohner*innen am Eingangstor der ehemaligen Kaserne. Friedlich und lautstark protestierten sie gegen die harten Ausgangssperren. Seit mittlerweile 8 Wochen dürfen sie das Lager nicht verlassen.

Mit Sitzblockaden versuchten sie den Lagerbetrieb zu stören. Die Polizei reagierte mit einem enormen Aufgebot & räumte die Blockade. Laut Polizeiberichten hatte sich die Lage zunächst entspannt, ehe sie am Nachmittag wieder eskalierte. Die Bewohner*innen im Schweinfurter ANKER-Zentrum versuchen seit längerem mit friedlichen Demonstrationen Aufmerksamkeit für ihre Lage zu erhalten. Doch aus der Bevölkerung hagelt es Anfeindungen, wenn sich die Schweinfurter Asylbewerber*innen für eine bessere Unterbringung und faire Asylverfahren einsetzen. Von staatlicher Seite gab es bisher auch keine wesentlichen Verbesserungen für die Geflüchteten. Als die Cops am Nachmittag anrückten, wurden sie nach eigenen Angaben mit Gegenständen beworfen. Achtung: Wir wissen nicht exakt was passiert ist, aber es ist ratsam nicht den Polizeimeldungen blind zu vetrauen. Polizeigewalt kommt in ihren Schilderungen nämlich nie vor. Wie sich die Lage hochgeschaukelt hat, ist derzeit unklar. Pressevertreter*innen waren nicht zugelassen. Mehrere hundert Cops aus Schweinfurt und von der Nürnberger Bereitschaftspolizei waren im Einsatz. Zwei Polizeihubschrauber kreisten über dem Gelände. Erst gegen 19 Uhr hatte sich angeblich die Lage beruhigt.

Die Ausschreitungen sind kein Zufall. Die ANKER-Zentren wurden schon bei ihrer Einführung massiv kritisiert. Die Perspektivlosigkeit der Bewohner*innen sowie die Enge im Lager & die Separation von der Schweinfurter Bevölkerung führen zu krasser Frustration unter den Bewohner*innen. Deswegen ist die Forderung des @BFR_089 nach wie vor wichtig: Alle Lager auflösen!

youtu.be/fLYsNQPWjQE

#Corona in Würzburg – Wer bleibt auf der Strecke?

Zu schön klangen die Träumereien zu Beginn der Corona-Krise. Durch die Krise werde uns bewusst, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind. Es zeige sich, wer die gesellschaftliche Leistung vollbringe: Menschen in Niedriglohnjobs, Ver- und Entsorgungsarbeiter*innen und das Pflegepersonal.

Doch mittlerweile wird klar, wer für die Krise bezahlt: die Armen, Kleinunternehmer*innen und Arbeiter*innen. Staatshilfen wurden versprochen. Das Beispiel der „Veggie Bros“ aus Würzburg zeigt, wie unsozial diese konstruiert sind. Beispiel „Veggie Bros“: Entlassung wird belohnt!

Die „Veggie Bros“ beschäftigen rund 20 Mitarbeiter*innen und betreiben zwei kleine vegetarische Fast Food Restaurants in Würzburg. Auf ihrer Facebook-Seite schreiben sie: „Wie alle KollegInnen aus der Gastro kämpfen jedoch auch wir seit Beginn der Krise und den verschärften Maßnahmen mit Umsatzeinbrüchen, mit Existenzängsten und mit Unsicherheit.“ de-de.facebook.com/veggiebros/pos… Dennoch versuchten sie, die Kurzarbeitsquote auf niedrigem Niveau zu halten und durch einen Take-Away-Betrieb weiterhin den Laden am Laufen zu halten. Dies wird ihnen nun zum Verhängnis. Denn: Eine Voraussetzung für die Corona-Soforthilfen von Bund und Land ist ein sogenannter Liquiditätsengpass. Sprich: Dem Staat geht es darum, dass die Unternehmen weiter ihre Mieten zahlen und ihre Rechnungen begleichen können. Wer Mitarbeiter*innen nicht entlässt, wird demnach bestraft, da somit der Liquiditätsengpass nicht erfüllt wird. Die Veggie Bros schreiben, es sehe so aus, „als hätten wir nun im Nachteil (sic!) weil wir versuchen unseren Betrieb aufrecht zu erhalten und unseren MitarbeiterInnen Ihr Einkommen zu sichern.“ Belohnt werden mit den Staatshilfen somit Unternehmer*innen, die rigoros die Krise auf dem Rücken ihrer Belegschaft austragen. Menschen in 450-Euro-Jobs werden komplett im Stich gelassen:

Der Autor dieses Textes wurde als Barangestellter nach Schließung des Kulturbetriebes sofort entlassen. Da die Anstellung auf 450-Euro-Basis erfolgte, hätte er auch keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Generell zeigt sich: Die Menschen in den prekären sogenannten 450-Euro-Jobs werden komplett im Stich gelassen. Arbeiter*innen in Minijobs sind besonders gefährdet, da ihnen ihr sowieso schon minimales Einkommen komplett wegbricht. Generell fehlt es an Hilfe für Menschen in Kultur- und Gastronomiebetrieben, während die Debatten um Milliardenhilfen für Autokonzerne ins Rollen kommen. Aktionär*innen profitieren – Arbeiter*innen in Existenzangst:

Während BMW derzeit von staatlichem Kurzarbeitergeld profitiert und den Mitarbeiter*innen monatlich Geld fehlt, schüttet der bayrische Autokonzern 1,6 Milliarden Euro an Aktionär*innen aus. Von der Prämie profit. v.a. die Erben der Familie Quandt. Stefan Quandt hält 25,8 Prozent der BMW Anteile, was ihm für das komm. Geschäftsjahr eine Dividende von 425 Mio. Euro beschert. Seine Schwester Susanne Klatten erhält für ihre 20,9% 344 Mio. € (merkur.de/politik/corona…). Diese Zahlen demonstrieren die krasse Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft und wir geben ausnahmsweise einem SPD-Politiker Recht: Kühnert forderte 2019 BMW zu kollektivieren. Trotz Dividendenausschüttung und Kurzarbeitsgeld fordert die Autoindustrie weitere staatliche Soforthilfen, die bei der Regierung auf offene Ohren stoßen. Tausende Euros sollen Käufer*innen von Neuwagen erhalten. Über einen Notfallplan zur Rettung des maroden Nahverkehrs oder Subventionen für Bahnfahrer*innen wird in diesem Land trotz Klimawandel nicht diskutiert. Entlassungen bei s. Oliver in Rottendorf:

Für viele Arbeiter*innen brechen extrem unsichere Zeiten an. Die Geschäftsführung des Modekonzerns „s. Oliver“ entlässt in Rottendorf 170 seiner 1500 Mitarbeiter*innen. Die Kündigungen seien schon vor Corona beschlossen gewesen. Zurecht kritisiert der DGB den fehlenden Betriebsrat und DGB-Sektretär Viktor Grauberger fügt an, „Erst rund 45 Millionen Euro Gewinn machen, im nächsten Schritt jedoch mehr als ein Zehntel seines Personal rauszuwerfen – das ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die die Umsätze und Gewinne für das Unternehmen erarbeitet haben.“ br.de/nachrichten/ba… Mieter*innen sind nicht geschützt:

Auch bei Vogel Communications in Würzburg sollen dutzende Mitarbeiter*innen entlassen werden, das Bar- und Gastro-Personal wurde in vielen Betrieben komplett gekündigt und besonders prekär Beschäftigte werden es schwer haben, die hohen Würzburger Mieten weiterhin zu zahlen. Der Staat hatte zwar eine Stundung für Mieter*innen beschlossen, doch da kein Ende der Krise in Sicht ist, bed. dies ledigl.eine Verschleppung der Mietschulden. Ab 1. Juli können Mieter*innen, die nicht zahlen, wieder gekündigt werden. Hohe Dunkelziffer bei Arbeitslosigkeit:

Die Arbeitslosenzahlen steigen. Die Dunkelziffer an Arbeitslosen ist jedoch deutlich höher. Viele melden sich nicht arbeitslos, da die Hartz4-Auflagen stark in das Leben der Menschen eingreifen. Viele kommen mit der Bürokratie nicht zurecht oder schämen sich, sich als arbeitslos registrieren zu lassen. Student*innen, die ihre Jobs verlieren, können nicht auf Hilfen vom Amt hoffen.

Statt Protesten gegen die explodierende Armut und ihre Profiteur*innen, nehmen sich „Impfgegner*innen“, #Naidoo- und #Hildmann-Follower*innen und Corona-Leugner*innen die Straße. Wer Hoffnung hatte auf eine bessere Welt nach Corona wird wohl bitter enttäuscht werden. Die Bourgeoisie profitiert von den Staatshilfen, die Besitzlosen bleiben auf der Strecke.

Kundgebung zum Tag des Widerstandes gegen Rassismus und Antisemitismus in Würzburg

#Migrantifa #hanauwarkeineinzelfall #KeinVergessen #KeinSchlussstrich „Heute ist der Tag der Befreiung, für uns ist aber klar, dass es nach dem zweiten Weltkrieg nie eine Befreiung von Rassismus und rechtem Gedankengut gab. Vielmehr ziehen sie sich wie ein roter Faden durch die deutsche Geschichte“, sagte der Redner des Antira-Referat Würzburg. Etwa 50 Menschen folgten dem Aufruf von Referats gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit und versammelten sich zu einer Kundgebung am Oberen Mainkai. Anlässlich des 8. Mai rufen bundesweit migrantische Selbstorganisationen zu Protesten auf. Seit Tagen werden türk. Geschäfte in Waldkraiburg angegriffen. Am 7. April wurde der 15-jährige Êzîde Arkan Hussein Khalaf im niedersächsichen Celle von einem rassistischen Attentäter erstochen. Seit dem Anschlag von Hanau sind keine drei Monate vergangen.

contre la tristesse (@clt_rosenheim):
Bereits mehrfach kam dort zu rassistischen Angriffen und Anschlägen gegen migrantische Geschäfte und Restaurants.

Hier unsere bisherigen Statements zu der Serie rassistischer Gewalt in #Waldkraiburg:

#Corona beeinflusste auch die heutige Kundgebung. Die versammelten Demonstrant*innen hielten Mindestabstände ein und trugen Schutzmasken. Zudem war die Kundgebung auf 50 Teilnehmer*innen beschränkt worden. Damit alle Menschen auf der lang gestreckten Versammlungsfläche die Reden verstehen können, wurden sie von verschiedenen Personen gleichzeitig vorgetragen. „Für uns ist der 8. Mai der Tag des Zornes und des Widerstandes. Wir sind wütend, dass wir uns in der BRD nicht sicher fühlen können“, sagte der Redner. Hanau, Celle und Kassel zeigten, wie akut die Gefahr durch rechten Terror heute ist. „Geflüchtete werden von Europa im Stich gelassen“, kritisiert er. Opfer rechter Gewalt würden nicht gehört. Eine #Entnazifizierung habe nie stattgefunden. Das deutsche Geschichtsbild sei geprägt von Geschichtsrevisionismus, „Kolonialismus wird in den Schulbüchern kaum behandelt.“ „Der NSU ist nicht aufgeklärt“, fuhr er fort und verwies auf weitere rechte Anschläge in der jüngsten bundesdeutschen Geschichte (Mölln, Rostock-Lichtenhagen, Solingen). Die Opfer des NSU seien erst „kriminalisiert und dann im Stich gelassen“ worden. Die Verflechtungen der Polizei und des Verfassungsschutzes seien nach wie vor ungeklärt. In den vergangenen Jahren zeige sich, wie wenig Rassismus und Antisemitismus in Deutschland bekämpft werden. Die Netzwerke des #NSU 2.0 und die Hintergründe der Morde an #OuryJalloh oder Walter #Lübcke seien nach wie vor ungeklärt. Rechte Terrornetzwerke seien, wie beim „Hanybal Netzwerk“ oder dem „NSU 2.0“ in staatliche Strukturen und Institutionen integriert. Deswegen verlasse man sich nicht auf „staatliche Strukturen und Institutionen.“ „Alle antirassistischen Errungenschaften wurden von uns selbst oder von antifaschistischen Verbündeten erkämpft“, erklärt der Redner.

„Wir müssen die Wände des rassistischen Systems einreißen“, fuhr er unter lautem Beifall fort. Weiter forderten die Demonstrant*innen, den Schutz von Moscheen und Synagogen, eine finanzielle Entschädigung für Opfer rechter Gewalt, eine vollständige Aufklärung des NSU, die Offenlegung und Freigabe der NSU-Akten, eine Einrichtung von NSU-Untersuchungsausschüssen in allen Bundesländern, eine konsequente Aufklärung aller Todesfälle in Polizeigewahrsam, ein Ende des racial profilings, rassismuskritische Bildung in staatlichen Behörden und fundierte Schulbildung über Rassismus, Antisemitismus und Kolonialismus. „Deutschland muss seine Kolonialverbrechen anerkennen, Reparationen leisten und bedingungslos alle Kolonialraube zurückgeben“, forderte er weiter. „Außerdem müssen wir das Asylrecht erweitern und stärken, die Geflüchtetenlager an Europas Grenze auflösen, Waffenexporte verbieten und wir fordern ein Bleiberecht für alle, die von Abschiebung bedroht sind“. Außerdem schließen sich die Antira-Aktivist*innen dem Aufruf an, den 8. Mai als bundesweiten Feiertag einzurichten. Die #noAfD solle verboten werden und das NS-Regime endlich richtig aufgearbeitet werden. Anschließend schrieben die Demonstrant*innen mit Straßenmalkreide Namen von Opfern rechter Gewalt auf den Gehweg am Main. Einige zogen weiter um Stolpersteine zu putzen. Die Kundgebung stieß größtenteils auf positive Resonanz.

Journalismus in Gefahr – Zum Tag der #Pressefreiheit

Heute ist der internationale Tag der Pressefreiheit. Am 1. Mai griffen bisher Unbekannte ein @heuteshow-Team an. Es sei ein gezielter Angriff auf Journalist*innen gewesen. ¹ In Würzburg attackierten gestern Rechtsradikale den Journalisten @Resistance2O20. ² Bei der sog. „Hygiendemo“ am Marktplatz bedrängte ihn ein Nazi und wollte seinen Presseausweis und seine Kamera entreißen. Der Rechte versuchte, ihn zu schlagen. Zum Glück griff jemand ein, so dass Rési unverletzt blieb. Die Polizei schritt nicht ein, kontrollierte jedoch später Résis Presseausweis. Es kam zu weiteren Bedrohungen („Rippen brechen“). Die „Halbe Demo“ beleidigte Rési als „Neue SS“, „Drecksack“ und „Wichser“. Generell ist bei den #Hygienedemo’s, die sich auf „alternative Medien“ beziehen, eine tiefe Abneigung gegen „die Presse“ vorhanden. In einer kapital. Ökonomie existiert keine gänzlich unabh. Presse. Die Abhängigkeiten der Medienhäuser von Unternehmen & dem Staat sind eine Logik des Kapitalismus. Viele Zeitungen können es sich schlichtweg n. leisten, über Verfehlungen ihrer größten „Werbekunden“ zu berichten. Eine gelenkte Presse existiert dennoch nicht. Viele Journalist*innen leisten großartige Arbeit. Sie versuchen möglichst objektiv das Geschehene zu beschreiben. Nur dank journalistische Recherche haben wir von den #CumEx-Deals oder dem #NSA-Skandal erfahren. „Die Presse lügt“ zu rufen ist Unsinn. „Die“ Presse existiert nämlich nicht. Es gibt lügende Journalist*innen, wie Claas Relotius und es gibt Journalist*innen, wie Juan Moreno, die dies aufdecken. Die Presse lässt sich nur mit den Mitteln der Presse kritisieren - mit dem Anspruch möglichst objektiv die Realität zu beschreiben. Sog. „alternative Fakten“ erfahren mittlw. eine enorme Aufmerksamkeit. Durch ihre reißerischen Clickbait-Titel ziehen sie die User*innen an. Den Leser*innen wird suggeriert, sie seien nach dem Konsum eines Videos o. Textes im Besitz der ganzen, exklusiven, vertuschten Wahrheit. Dies mag bei den Konsument*innen den Wunsch nach einfacher Einordnung erfüllen, unserer Gesellschaft schadet es. Der Hass auf die kritische Presse scheint zu steigen. In Ländern, wie der Türkei, ist die freie Presse abgeschafft. Hunderte Journalist*innen wurden in der Türkei bisher inhaftiert. Pressefreiheit ist nicht selbstverständlich. Ganz aktuell erfahren wir aus dem Nachbarland Iran, dass Natalie Amiri, Teheran-Korrespondentin der ARD, wegen Entführungswarnungen zurücktreten musste. ³ Gerade in der #Corona-Krise geraten Grundrechte unter Beschuss. In Ungarn hat Orban einen neuen Straftatbestand eingeführt: Fake-News sollen verboten werden. Es wird befürchtet, dass das Gesetz lediglich eine regierungsfreundliche Berichterstattung garantieren soll. ⁴ In Deutschland wurde 2017 linksunten.indymedia verboten. Auf der Plattform konnte jeder frei publizieren. So war dort Platz für aufwändige Recherche über rechte Strukturen, Kritik an Polizeieinsätzen und illegale Aktionen. Das Verbot ist ein beispielloser Angriff auf die linke Öffentlichkeit in Deutschland. Um eine freie Presse zu schaffen, braucht es eine freie Gesellschaft. Die kapitalistischen Zwänge, autoritäre staatliche Formierung und Rechtsterrorismus sind enorme Gefahren für eine wahrheitsgemäße Berichterstattung. Quellen:

¹ Interview mit der Prod.firma der heute-show: spiegel.de/panorama/justi…

² Bericht zu den Angriffen in Würzburg: twitter.com/Resistance2O20…

³ Natalie Amiri: “Es gab eine Warnung vom Auswärtigen Amt” ZAPP NDR: youtube.com/watch?v=Bl45eg…

mdr.de/nachrichten/os…

Rési (@Resistance2O20):
Nochmal kurz Gedächtnisprotokoll. Eine Gruppe Nazis verließ den Marktplatz mit Drohungen gegenüber mich. Danach löste sich 1 Glatze, bedrängte mich und wollte meinen Presseausweis und Kamera “sofort haben sonst bekommst du auf die Fresse”. Danach versuchte er mich zu schubsen und

Aufruf zum Stolpersteinputzen am 8. Mai

Am 8. Mai jährt sich der Tag der Befreiung vom Faschismus zum 75. Mal. Aus Würzburg allein wurden 2063 Menschen deportiert, es gab ein KZ Außenlager in Grombühl und Würzburg spielte eine entsch. Rolle bei den Kranken-Morden der Nazis. Wir rufen dazu auf, an diesem Tag dezentral Stolpersteine zu putzen und so das Gedenken hochzuhalten. Eine Anleitung, wie ihr richtig putzt und eine (nicht vollständige) Karte mit den Würzburger Stolpersteinen findet ihr hier: stolpersteine-wuerzburg.de. Auch Kerzen und Blumen eignen sich gut, um sie an Stolpersteinen niederzulegen und schaffen Aufmerksamkeit.

Zusätzlich dazu könnt ihr Banner oder Ähnliches aus Fenstern hängen oder an öffentl. Orten anbringen & so die Öffentlichkeit auf die bes. Bedeutung des Tages hinweisen. Schwarzlicht wird sich in der nächsten Woche vermehrt den Würzburger Opfern der Nazis widmen und euch Hintergründe erzählen, Einzelschicksale vorstellen und erklären, warum dieser Tag auch 75 Jahre später noch wichtig ist. Lasst uns gemeinsam gedenken, auch in Zeiten von #Corona.

facebook.com/events/6605053… Werft einen Blick in diese Datenbank, wenn ihr selbst ein wenig recherchieren und mehr über Einzelschicksale lernen wollt: …risches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/Datenbank/…

Solidarität mit dem Stattbahnhof Schweinfurt!

Dem Schweinfurter Kulturzentrum Stattbahnhof fallen alle Einnahmen während des #Corona-Shutdowns weg. Dennoch haben sie laufende Kosten zu decken. Um die enormen Verluste halbwegs ausgleichen zu können, hat der Stattbahnhof einen Online-Shop eingerichtet.¹

Wir von Schwarzlicht #Würzburg unterstützen den Stattbahnhof mit einem Sticker-Paket! Bei jeder Bestellung im Stattbahnhof-Onlineshop werden euch schöne Sticker und Flyer von Schwarzlicht Würzburg, @antifa_wue und @nika_bayern beigelegt. In dem Online-Shop findet ihr T-Shirts, Tonträger, Buttons und „Dies Das“. „Eigentlich wollten wir nur eigene Merch-Artikel anbieten“, schreibt der Stattbahnhof. Doch viele Bands kamen auf den „Statti“ zu und spendeten eigenen Merch! Diesen findet ihr nun ebenfalls im Online-Shop Der Stattbahnhof hat als einziges großes Anlaufzentrum für alternative Subkultur in der gesamten Region Schweinfurt eine wichtige Funktion. Seit 1997 residiert das Kulturzentrum Stattbahnhof in den ehemaligen Schalter- und Wartehallen des Bahnhofs #Schweinfurt-Stadt. Entstanden ist es aus dem Kollektiv „die schreinerei“, das bereits in den 1980ern gegründet wurde. Perfekt am Main gelegen, zieht das soziokulturelle Zentrum jedes Wochenende Hunderte an. Zahlreiche bekannte Bands spielten bereits in dem Kulturzentrum östlich der Altstadt. Neben dem vielseitigen Liveprogramm bietet der „Statti“ Discoabende, Kneipenspecials (Bingo, Quiz) und eine selbstverwaltete Kneipe an.² Der Statti muss auch nach Corona weiter existieren! Auf Spenden wollen sie allerdings nicht angewiesen sein. Diese sollen laut den Statti-Betreiber*innen lieber der Seenotrettung zugute kommen. Deshalb rufen wir euch auf: Stöbert euch durch den Statti-Shop! ¹ Der Online-Shop des Statti: stattbahnhof-sw.de/index.php/onli…

² stattbahnhof-sw.de/index.php/der-…

Unser Bericht zur 1. Mai-Demo auf den Würzburger Mainwiesen! #wue0105 #coronamai @m1wue2020 „Es lebe der Widerstand gegen die Unmenschlichkeit“, sagte eine Rednerin bei der Kundgebung zum revolutionären 1. Mai. Unter strengen Auflagen versammelten sich 75 Menschen auf den Würzburger Mainwiesen.

Die Polizei war mit mehreren Mannschaftswägen aufgefahren. Nach starken Regenfällen versammelten sich um 16 Uhr zunächst ein paar dutzend Antikapitalist*innen. Als der Regen nachließ, wuchs die Kundgebung deutlich an. 50 Teilnehmer*innen waren den Veranstalter*innen erlaubt worden.

Doch deutlich mehr Menschen stießen zu einer der wohl kuriosesten Maikundgebungen, die Würzburg je gesehen hat. Die Demonstrant*innen beachteten die Abstandsregeln, waren vermummt und lauschten antikapitalistischen Reden.

Zunächst wurde der Text von Schwarzlicht Würzburg zum Überwachungskapitalismus vorgetragen. Die Covid19-Krise und die technologische Monopolisierung verschärften die soziale Frage (

Anschließend sprach eine Aktivistin über Feminismus und Kapitalismus.

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Wie die Covid-19 Krise die gegenwärtige Form des Kapitalismus stützt und die soziale Frage verschärft.
Trotz zahlreicher gesellschaftlicher Krisen haben sich die Schwächen und das Bedrohungspotenzial der kapitalistischen Gesellschaftsordnung lange nicht mehr so stark offenbart wie in der Covid-19 Krise.
Wer sich nicht in der komfortablen Lage befindet, seinen Beruf durch die

Einrichtung eines Homeoffice ausüben zu können, muss schauen, wie die Miete gezahlt und die Familie versorgt werden kann.
So haben aktuelle Studien ergeben, dass hinsichtlich dieser Thematik eine klare Unterscheidung nach Einkommens - und Bildungsniveau besteht

(news.idw-online.de/2020/04/09/man…).
Menschen im Homeoffice haben demnach in der Regel einen höheren Bildungsabschluss und gehen einem Job mit überdurchschnittlichem Verdienst nach, den sie auf Grundlage ihrer Tätigkeit von zuhause aus auch weiter sichern können.
Auf der anderen Seite sind Menschen mit einem niedrigeren Bildungsgrad stark von Freistellungen oder Kurzarbeit betroffen. Gerade bei Unternehmen ohne feste Tarifbindung werden zahlreiche Menschen mit der Umstellung auf Kurzarbeit in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt.
Darüber hinaus resultiert aus dieser Unterscheidung auch im gleichen Maße die Wahrscheinlichkeit für eine mögliche Infektion mit Covid-19, welche für Werktätige außerhalb des Homeoffice deutlich höher ist (zeit.de/wirtschaft/202…).
So wirkt der von zahlreichen Medienanstalten und Politiker*innen beschworene soziale Zusammenhalt vor diesem Hintergrund geradezu zynisch. Denn die soziale Frage stellt sich aktuell stärker denn je!
Die #Corona Krise stellt darüber hinaus jedoch auch die idealen Bedingungen für eine Entwicklung dar, deren gesamtes Ausmaß wir momentan kaum abschätzen können.
Denn die aktuell besonders große Angewiesenheit auf das Internet und dessen zunehmende Nutzung verstärken Prozesse, die wir bereits seit Längerem beobachten können.
So gelten bereits jetzt vor allem die großen Tech-Konzerne und Plattformen wie Facebook, Microsoft, Apple, Amazon, Deliveroo, Google etc. als Gewinner der Krise.
Dies ist zum einen besonders problematisch, da beispielsweise im Moment vor allem auch “Beschäftige” in der Gig-Economy massiv betroffen sind, welche für Plattformen wie Deliveroo arbeiten.
Da diese Plattformen sich in erster Linie als neutrale Vermittler zwischen Angebot und Nachtrage verstehen, werden die Ausliefernden nicht als Angestelte anerkannt und keine Verantwortung für den Arbeitnehmer*innenschutz übernommen.
Viele sehen sich daher dazu gezwungen, trotz der Umstände weiterzuarbeiten und persönl. Risiken in Kauf zu nehmen. So können es sich viele nicht einmal leisten, sich falls nötig 2 Wochen lang in die von zahlr. Staaten angeordnete Quarantäne zu begeben (news.sky.com/story/coronavi…).
Aber auch bei Amazon lassen

sich ähnl. Tendenzen feststellen. So hat der Konzern dieses Jahr bereits mehrfach Arbeiter*innen gefeuert, die sich gegen unzureichenden Schutz hinsichtl. des Covid-19 Virus und mangelh. Arbeitsbedingungen ausgesprochen haben

(theguardian.com/technology/202…).
Aber auch aufgrund der umfassenden Überwachung von Arbeiter*Innen hat Amazon bereits mehrfach für Aufsehen gesorgt

(noz.de/deutschland-we…).
Hier werden beispielsweise Algorithmen konkret genutzt, um den Posten des Managers zu ersetzen und auf Kosten der Angestellten die Arbeitsabläufe so effizient wie möglich zu gestalten.
Die früher gängigen Überwachungs- und Organisationsformen an Arbeitsplätzen werden also durch eine Art digitales Panoptikum ersetzt und damit langfristig perfektioniert.
So schaffen vor allem diese Akteure besonders prekäre Arbeitsbedingungen und stellen zahlreiche Menschen vor existenzielle Probleme. In der Folge verstärkt sich die Bedeutung der sozialen Frage massiv.
Besonders aufgrund des zunehmenden Einflusses der genannten Konzerne ist zu erwarten, dass sich diese Arbeitsverhältnisse künftig auf weitere Berufssparten ausweiten werden.
Zum anderen besteht das Problem aber auch darin, dass diese Akteure auf Grundlage kapitalistischen Wirtschaftens das Internet in den letzten Jahren von einem open-source Projekt nach und nach in ein riesiges Wertschöpfungsprojekt verwandelt haben,
für das sich allmählich der Begrif des “Überwachungskapitalismus”

etabliert. So wird die Infrastruktur des Internets nun zu einem Großteil von profitorientierten Unternehmen bereitgestellt, deren Algorithmen in intransparentester Weise die Vorzüge des Internets nutzen,
um jede unserer Beziehungen zu überwachen und in Profit zu verwandeln.
War früher die menschl. Arbeitskraft die zentrale Grundlage der Wertschöpfung, wurde dies nun auf absolut jeden Bereich der menschl. Interaktion ausgeweitet (Zuboff, Shoshana; The Age Of Surveillance Capitalism - The fight for a human future at the new frontier of power).
Der Kapitalismus hat sich also weiterentwickelt und profitiert in dieser Hinsicht massiv von der aktuellen Krise. Er hat sich quasi eine endlose Grundlage für Profit geschaffen, da wir aufgrund der Nutzung des Internets unaufhörlich massive Datensätze produzieren.
Ermöglicht wird dies vor allem durch die massive Assymetrie, welche die nicht öffentlich zugänglichen Algorithmen zwischen Anbietern und Nutzer*innen erzeugen. Daher lässt sich hier auch ein zutiefst antidemokratischer Charakter ausmachen.
In Verbindung mit verwandten Tendenzen wie der angespr. zunehmenden Überwachung der Arbeitsplätze durch Algorithmen oder der zunehmenden Überwachung des öffentlichen Raumes im Kontext von “Smart Cities” offenbart sich also eine riesige Dystopie für unsere zukünftige Gesellschaft.
Vor allem die Tatsache, dass die Algorithmen aufgrund ihres Einsatzes

dazulernen und immer effizienter werden, stellt im kapitalistischen Kontext eine große Bedrohung dar.
Denn wenn alle diese Informationen gebündelt werden, entsteht ein massives Machtpotenzial, wie man es beispielsweise am Extremfall China beobachten kann.
So werden diese Informationen allerdings auch schon genutzt, um unser Verhalten zu antizipieren und wirtschaftliche bzw. kommerzielle Aktivitäten anzupassen. Jedoch umgekehrt auch, um unser Verhelten hinsichtlich Kaufentscheidungen zu beeinflussen.
Dementsprechend ist aber bspw. auch die Einführung von Tracking-Apps zur Bekämpfung der Covid-19 Krise äußerst kritisch zu sehen. Denn die Daten zur Entwicklung solcher Software stammen häufig von Unternehmen, die die notw. Datensätze gesammelt haben und zur Verfügung stellen.
So haben sich Google und Apple nun sogar zusammengetan, um diese Leistungen anzubieten (sueddeutsche.de/digital/google…).
Diese werden also in ihrem Vorgehen von der Politik unterstützt. Daher wird auch erneut deutlich, wie viel Einfluss kapitalistische Akteure auf gesellschaftliche und politische Bereiche bereits nehmen.
Im Umkehrschluss profitieren diese Akteure ebenfalls, da sie ihre Infrastruktur sowie ihren Einfluss noch weiter ausbauen können. Problematisch ist vor diesem Hintergrund auch, dass die juristische und politische Regulierung allgemein nach wie vor meilenweit hinterherhinkt.
So besteht für uns die Notwendigkeit uns dieser Realität bewusst zu werden und uns die Frage zu stellen, wie sich dieser Trend umkehren lässt.
Denn klar ist auch, dass dieses technische Potenzial auch viele Probleme lösen kann, an denen alternative Gesellschaftsentwürfe gescheitert sind, wie beispielsweise eine effiziente bedarfsorientierte Wirtschaft.
Die Bedeutung demokratischer und transparenter Plattformen wächst damit stark an, ist aber aktuell noch viel zu schwach, um gegen die Giganten anzukommen.
Dementsprechend ist diese Thematik also der entscheidende Bereich, in dem sich auch die soziale Frage stellt und die entsprechenden Kämpfe ausgetragen werden.

Sie sprach über Frauen in Armut, die besonders unter der aktuellen Corona-Krise zu leiden hätten. Ärmere Frauen würden nicht von DAX-Frauenquoten profitieren. Durch Auslagerung der Care-Arbeit auf migrantische Frauen werde es möglich selbst Karriere zu machen. Die Arbeit der Menschen im globalen Süden bilde die Grundlage für den Reichtum des globalen Nordens. Dort arbeiteten besonders Frauen unter den schlimmsten Bedingungen. Sie kritisierte den Liberalfeminismus: „Der vom Kapitalismus geförderte, krampfhafte Individualismus führt dazu, dass im globalen Norden eine künstliche „Diversität“ gefördert wird, um zum Beispiel ein Unternehmen als möglichst progressiv darzustellen“. Doch dies ändere nichts an den „rassistischen Ausbeutungsmechanismen“, die den Kapitalismus groß gemacht haben. „Feminismus und der Kampf gegen den Kapitalismus gehören zusammen“, betonte sie.

Nach kurzer Musikpause thematisierte eine Rednerin die Menschenwürde. Arbeiter*innen litten besonders unter der #Corona-Krise, da sie weiterhin Lohnarbeit nachgehen müssen. Reiche Menschen können sich hingegen auf große Gartengrundstücke und ins Home-Office zurückziehen, während das Infektionsrisiko besonders in schlecht bezahlten Berufen deutlich höher liege. Zudem thematisierte sie die dramatische Lage in den überfüllten Flüchtlingslagern auf Lesbos. „Der Kapitalismus führt zu extremer Ungleichheit“, betonte sie.

In der Corona-Krise werde deutlich, wie sehr der Kapitalismus die grundlegende Menschenwürde gefährdet. „In New York heben sie Massengräber aus. Niemand weiß, ob diese Gräber bald zum Alltag US-amerikanischer Städte gehören werden“, so die Rednerin. „Unsere Rote Linie ist die Menschenwürde“, fuhr sie fort. Selbst die Forderung nach grundsätzlicher menschlicher Würde, gelte als radikal. Sie beendete die Rede mit den Worten: „Die Zukunft ist ungeschrieben. Es lebe der Widerstand gegen die Unmenschlichkeit! Es lebe die Menschlichkeit!“

Danach machte ein Aktivist der @SeebrueckeWue auf die Maskennäh-Aktion von @mehrals16a aufmerksam. Bis Dienstag sammelt die asylpolitische Gruppe Schutzmasken, um sie Menschen in den überfüllten Flüchtlingslagern zukommen zu lassen (#SewForSolidarity facebook.com/mehrals16a/pos…). Der Redner beendete seinen Appell: „Wir müssen auch den geflüchteten Menschen ihre Menschenwürde zurückbringen.“

Abschließend wurde aufgerufen, den autonomen linksradikalen Raum „MiezeKoZe“ in Grombühl mit Spenden zu unterstützen (twitter.com/antifa_wue/sta…).

Antifa Würzburg (@antifa_wue):
Corona-Soli-Spendenaufruf der MiezeKoze

Zur Zeit stellt die Corona Krise eine finanzielle Herausforderung für viele Projekte dar. Auch die MiezeKoze ist davon betroffen: Wir müssen unsere Miete bezahlen.

Trotz kurzfristiger Organisation und #Corona-Krise ist es den Aktivist*innen gelungen, zum 1. Mai wichtige Themen in der Öffentlichkeit anzusprechen. Die 50 angemeldeten Teilnehmer*innen wurden deutlich überschritten. Zudem fanden überall im Würzburger Stadtgebiet dezentrale Banneraktionen statt. Folgt dazu: @m1wue2020.

Der 1. Mai bleibt auch in Würzburg rot!

Es wird morgen ab 16 Uhr eine Kundgebung zum Arbeiter*innenkampftag auf den Zellerauer Mainwiesen geben. #1Mai2020 Hier der Aufruf der @antifa_wue:

twitter.com/antifa_wue/sta…

Antifa Würzburg (@antifa_wue):
Auf die Mainwiesen zum antikapitalistischen 1. Mai!

Das Covid-19 Virus stellt aktuell unser aller Leben auf den Kopf – so auch unsere Planungen zum #1Mai2020.

Der traditionelle Kampftag der Arbeiter_innen ist jedoch gerade in Anbetracht der Umstände durch #Corona beson. geboten.

Zur Kundgebung auf der Mainwiese werden wir unter #coronamai und #wue0105 live tweeten.

Wie ist die Lage auf #Lesbos?

„Die Lage in Moria ist weiterhin prekär”“ berichtet uns Henni, die derzeit auf Lesbos ist, um ankommenden Geflüchteten zu helfen. „Vergangene Woche wurden zwei Menschen von Faschos angeschossen“, erzählt sie uns. Wegen #Corona wirke die Lage etwas ruhiger, aber „sobald es hier gelockert wird, knallt es wieder“, befürchtet Henni. Die Faschos seien nicht weg, wie der Angriff vergangene Woche bewiesen hat. „In Moria versuchen sie derzeit, ein provisorisches Krankenhaus zu errichten“, sagt Henni. Es gebe allerdings viel zu wenig medizinisches Personal für die 20.000 Menschen im Lager. Henni selbst gehe es „soweit gut“. Sie selbst komme derzeit nicht nach Moria, da das Lager wegen Corona hermetisch abgeriegelt ist.

Das One Happy Family, über dessen Brand wir bereits berichteten, fasst die aktuelle Situation auf Lesbos in einem Facebook-Beitrag zusammen. Bisher wurden lediglich 50 Menschen von Deutschland aufgenommen, dabei haben sich über hundert Kommunen zum „Sicheren Hafen“ erklärt. Auch die Stadt Würzburg sagte zu, sich um die Aufnahme von notleidenden Menschen zu kümmern.

Auch in der Corona-Krise gilt: #SolidarityForAll! Moria evakuieren, Geflüchteten eine sichere Bleibe bieten! #LeaveNoOneBehind Bericht über die Schüsse auf Geflüchtete (CN: Bild zeigt die Verletzungen) m.facebook.com/story.php?stor…

Hier die gute Zusammenfassung des One Happy Family: facebook.com/28692323175157…

Wie die Covid-19 Krise die gegenwärtige Form des Kapitalismus stützt und die soziale Frage verschärft. Trotz zahlreicher gesellschaftlicher Krisen haben sich die Schwächen und das Bedrohungspotenzial der kapitalistischen Gesellschaftsordnung lange nicht mehr so stark offenbart wie in der Covid-19 Krise. Wer sich nicht in der komfortablen Lage befindet, seinen Beruf durch die

Einrichtung eines Homeoffice ausüben zu können, muss schauen, wie die Miete gezahlt und die Familie versorgt werden kann. So haben aktuelle Studien ergeben, dass hinsichtlich dieser Thematik eine klare Unterscheidung nach Einkommens - und Bildungsniveau besteht

(news.idw-online.de/2020/04/09/man…). Menschen im Homeoffice haben demnach in der Regel einen höheren Bildungsabschluss und gehen einem Job mit überdurchschnittlichem Verdienst nach, den sie auf Grundlage ihrer Tätigkeit von zuhause aus auch weiter sichern können. Auf der anderen Seite sind Menschen mit einem niedrigeren Bildungsgrad stark von Freistellungen oder Kurzarbeit betroffen. Gerade bei Unternehmen ohne feste Tarifbindung werden zahlreiche Menschen mit der Umstellung auf Kurzarbeit in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt. Darüber hinaus resultiert aus dieser Unterscheidung auch im gleichen Maße die Wahrscheinlichkeit für eine mögliche Infektion mit Covid-19, welche für Werktätige außerhalb des Homeoffice deutlich höher ist (zeit.de/wirtschaft/202…). So wirkt der von zahlreichen Medienanstalten und Politiker*innen beschworene soziale Zusammenhalt vor diesem Hintergrund geradezu zynisch. Denn die soziale Frage stellt sich aktuell stärker denn je! Die #Corona Krise stellt darüber hinaus jedoch auch die idealen Bedingungen für eine Entwicklung dar, deren gesamtes Ausmaß wir momentan kaum abschätzen können. Denn die aktuell besonders große Angewiesenheit auf das Internet und dessen zunehmende Nutzung verstärken Prozesse, die wir bereits seit Längerem beobachten können. So gelten bereits jetzt vor allem die großen Tech-Konzerne und Plattformen wie Facebook, Microsoft, Apple, Amazon, Deliveroo, Google etc. als Gewinner der Krise. Dies ist zum einen besonders problematisch, da beispielsweise im Moment vor allem auch “Beschäftige” in der Gig-Economy massiv betroffen sind, welche für Plattformen wie Deliveroo arbeiten. Da diese Plattformen sich in erster Linie als neutrale Vermittler zwischen Angebot und Nachtrage verstehen, werden die Ausliefernden nicht als Angestelte anerkannt und keine Verantwortung für den Arbeitnehmer*innenschutz übernommen. Viele sehen sich daher dazu gezwungen, trotz der Umstände weiterzuarbeiten und persönl. Risiken in Kauf zu nehmen. So können es sich viele nicht einmal leisten, sich falls nötig 2 Wochen lang in die von zahlr. Staaten angeordnete Quarantäne zu begeben (news.sky.com/story/coronavi…). Aber auch bei Amazon lassen

sich ähnl. Tendenzen feststellen. So hat der Konzern dieses Jahr bereits mehrfach Arbeiter*innen gefeuert, die sich gegen unzureichenden Schutz hinsichtl. des Covid-19 Virus und mangelh. Arbeitsbedingungen ausgesprochen haben

(theguardian.com/technology/202…). Aber auch aufgrund der umfassenden Überwachung von Arbeiter*Innen hat Amazon bereits mehrfach für Aufsehen gesorgt

(noz.de/deutschland-we…). Hier werden beispielsweise Algorithmen konkret genutzt, um den Posten des Managers zu ersetzen und auf Kosten der Angestellten die Arbeitsabläufe so effizient wie möglich zu gestalten. Die früher gängigen Überwachungs- und Organisationsformen an Arbeitsplätzen werden also durch eine Art digitales Panoptikum ersetzt und damit langfristig perfektioniert. So schaffen vor allem diese Akteure besonders prekäre Arbeitsbedingungen und stellen zahlreiche Menschen vor existenzielle Probleme. In der Folge verstärkt sich die Bedeutung der sozialen Frage massiv. Besonders aufgrund des zunehmenden Einflusses der genannten Konzerne ist zu erwarten, dass sich diese Arbeitsverhältnisse künftig auf weitere Berufssparten ausweiten werden. Zum anderen besteht das Problem aber auch darin, dass diese Akteure auf Grundlage kapitalistischen Wirtschaftens das Internet in den letzten Jahren von einem open-source Projekt nach und nach in ein riesiges Wertschöpfungsprojekt verwandelt haben, für das sich allmählich der Begrif des “Überwachungskapitalismus”

etabliert. So wird die Infrastruktur des Internets nun zu einem Großteil von profitorientierten Unternehmen bereitgestellt, deren Algorithmen in intransparentester Weise die Vorzüge des Internets nutzen, um jede unserer Beziehungen zu überwachen und in Profit zu verwandeln. War früher die menschl. Arbeitskraft die zentrale Grundlage der Wertschöpfung, wurde dies nun auf absolut jeden Bereich der menschl. Interaktion ausgeweitet (Zuboff, Shoshana; The Age Of Surveillance Capitalism - The fight for a human future at the new frontier of power). Der Kapitalismus hat sich also weiterentwickelt und profitiert in dieser Hinsicht massiv von der aktuellen Krise. Er hat sich quasi eine endlose Grundlage für Profit geschaffen, da wir aufgrund der Nutzung des Internets unaufhörlich massive Datensätze produzieren. Ermöglicht wird dies vor allem durch die massive Assymetrie, welche die nicht öffentlich zugänglichen Algorithmen zwischen Anbietern und Nutzer*innen erzeugen. Daher lässt sich hier auch ein zutiefst antidemokratischer Charakter ausmachen. In Verbindung mit verwandten Tendenzen wie der angespr. zunehmenden Überwachung der Arbeitsplätze durch Algorithmen oder der zunehmenden Überwachung des öffentlichen Raumes im Kontext von “Smart Cities” offenbart sich also eine riesige Dystopie für unsere zukünftige Gesellschaft. Vor allem die Tatsache, dass die Algorithmen aufgrund ihres Einsatzes

dazulernen und immer effizienter werden, stellt im kapitalistischen Kontext eine große Bedrohung dar. Denn wenn alle diese Informationen gebündelt werden, entsteht ein massives Machtpotenzial, wie man es beispielsweise am Extremfall China beobachten kann. So werden diese Informationen allerdings auch schon genutzt, um unser Verhalten zu antizipieren und wirtschaftliche bzw. kommerzielle Aktivitäten anzupassen. Jedoch umgekehrt auch, um unser Verhelten hinsichtlich Kaufentscheidungen zu beeinflussen. Dementsprechend ist aber bspw. auch die Einführung von Tracking-Apps zur Bekämpfung der Covid-19 Krise äußerst kritisch zu sehen. Denn die Daten zur Entwicklung solcher Software stammen häufig von Unternehmen, die die notw. Datensätze gesammelt haben und zur Verfügung stellen. So haben sich Google und Apple nun sogar zusammengetan, um diese Leistungen anzubieten (sueddeutsche.de/digital/google…). Diese werden also in ihrem Vorgehen von der Politik unterstützt. Daher wird auch erneut deutlich, wie viel Einfluss kapitalistische Akteure auf gesellschaftliche und politische Bereiche bereits nehmen. Im Umkehrschluss profitieren diese Akteure ebenfalls, da sie ihre Infrastruktur sowie ihren Einfluss noch weiter ausbauen können. Problematisch ist vor diesem Hintergrund auch, dass die juristische und politische Regulierung allgemein nach wie vor meilenweit hinterherhinkt. So besteht für uns die Notwendigkeit uns dieser Realität bewusst zu werden und uns die Frage zu stellen, wie sich dieser Trend umkehren lässt. Denn klar ist auch, dass dieses technische Potenzial auch viele Probleme lösen kann, an denen alternative Gesellschaftsentwürfe gescheitert sind, wie beispielsweise eine effiziente bedarfsorientierte Wirtschaft. Die Bedeutung demokratischer und transparenter Plattformen wächst damit stark an, ist aber aktuell noch viel zu schwach, um gegen die Giganten anzukommen. Dementsprechend ist diese Thematik also der entscheidende Bereich, in dem sich auch die soziale Frage stellt und die entsprechenden Kämpfe ausgetragen werden.

Vergangenen Freitag stellte @F4F_wuerzburg an mehreren Orten Schilder auf, um trotz #Corona auf die akute Bedrohung des Klimawandels aufmerksam zu machen.

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Im Rahmen der #Bannertage haben viele Menschen Würzburg erneut verschönert. Wir haben wieder ein paar Impressionen gesammelt. #LeaveNoOneBehind

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
In den vergangenen Tagen und Wochen sind immer wieder Transparente mit verschiedensten Solidaritätsbekundungen und Forderungen aufgetaucht, auf die wir auch bereits aufmerksam gemacht haben.

twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Würzburg in #Corona-Zeiten – Eine Bildergalerie

Würzburg im Frühjahr 2020. Die Ausbreitung des Corona-Virus ist noch lange nicht gestoppt. Demonstrationen sind verboten. Die Menschen genießen die warmen Sonnenstrahlen. Die soziale Not verschärft sich weiter.
Doch viele Würzburger*innen zeigen trotz Versammlungsverbot Solidarität. Sie hängen Banner aus den Fenstern, bieten via Social Media oder Plakat ihre Hilfe an und schmücken den öffentlichen Raum mit politischen Botschaften.
Auf zahlreichen Spaziergängen haben wir Würzburg in #Corona-Zeiten für euch dokumentiert. Wir wünschen viel Spaß bei unserer Bildergalerie. #StayHome
#LeaveNoOneBehind #StayHome

Hilfsangebote vom B-Block (0151/50348387) und Malteser (0700/62583737)

  • Neue Bilder in unserer Gallerie -

Traditionell findet an Ostern auch in Würzburg der #Ostermarsch statt. Die Proteste richten sich gegen Militarismus und Krieg.
Wegen Corona wurden die Demonstrationen ins Internet verlegt. Infos: wuerzburg.igmetall.de/37-wuerzburger…

Aufgerufen zum Ostermarsch hatten u. a. @F4F_wuerzburg, der DGB Unterfranken, @CampusLinke, SDAJ Würzburg und der Florakreis.
Militaristische Propaganda hat ebenfalls Hochkonjuktur. Die #Bundeswehr sucht verzweifelt Nachwuchs. Würzburger*innen wehren sich mit Farbe und Kreativität.

Gesehen an der Löwenbrücke.

Da wir solche Aktionen gerade aufgrund der aktuellen Umstände für besonders wichtig halten, wollten wir mit diesem Post auf die nächste Woche anstehenden #Bannertage verweisen: wuerzburg.demosphere.net/event/2438
Die Initiator*innen rufen ab dem 13.04 dazu auf, diese Aktionsform noch zu steigern und möglichst viele Transparente aufzuhängen. Zum einen soll damit Platz für die zahlreichen Emotionen und Gefühle geschaffen werden, die uns in Zeiten der #Corona-Krise umtreiben.
Zum anderen hat diese Aktion aber auch zum Ziel, gerade trotz der anhaltenden massivem Einschnitte in die Demonstrations- und Versammlungsfreiheit, Sichtbarkeit für drängende Probleme zu schaffen und die Formulierung klarer Positionen und Haltungen zu ermöglichen.

„Was H&M kann, können wir schon lange: #Mietstreik jetzt!“
Auf vielen Bannern steht „Refugees Welcome“ und „#LeaveNoOneBehind“
Mit Regenbögen machen sich die Menschen überall in der Stadt Mut.
“Ich passe auf Ihren Hund auf!”

Auch 12-Jährige zeigen Solidarität. In der Äußeren Pleich bietet ein junger Anwohner seine Hilfe beim Gassi gehen an.
Gleich drei schöne Banner gab es Anfang der Woche auf einem Balkon in der Sanderau zu sehen. Auf diesen bedanken sich Anwohner*innen bei den „Menschen, die den Laden am Laufen halten“ und fordern eine Evakuierung der Flüchtlingslager („Menschenleben retten“).
Typisch Deutsch!

Am nächsten Tag wurden zwei Banner ausgetauscht. „Aufgrund einer Beschwerde eines Nachbarn müssen wir leider bis zum 17.4.20 unsere ‘Lappen’ entfernen - Wir hoffen, dass unsere Botschaften trotzdem einige Menschen erreichen können #EsLebeDasSpießbürgertum
“Bleibt gesund und solidarisch” und “Think global - act local” steht auf Bannern in Hauptbahnhofsnähe.
“Wir fordern: Grenzen jetzt für alle öffnen #LEAVENOONEBEHIND”, steht auf einem Banner im Zellerauer Dencklerblock.
Auch im Dencklerblock: „Denckler bleibt politisch“

“Leave No One Behind” ist in Grombühl zu lesen. Unter dem Hashtag #LeaveNoOneBehind fordern Menschen in der Krise, niemanden im Stich zu lassen. Dies gilt auch für die Menschen an Europas Außengrenzen, die teils in Massenlagern ausharren. In der Annastraße fordern Anwohner*innen das völlig überfüllte Flüchtlingslager #Moria auf der griechischen Insel Lesbos zu evakuieren. Immer mehr Banner fallen im Stadtbild auf, die eine „Luftbrücke für Geflüchtete“ fordern. Dieses Banner in der Sanderau ist Teil der Kampagne #LeaveNoOneBehind. „#LeaveNoOneBehind - Evakuiert Moria!“ steht auf einem Laken in der Sanderau. Daneben hängen Regenbogenflagge und „Hambi bleibt!“-Fahne. In Zell am Main steht „#LeaveNoOneBehind“ in einer Unterführung.

„Demokratischer Widerstand“ in Würzburg

Gestern rief die Gruppierung „Demokratischer Widerstand“ zu einer Kundgebung am unteren Markt auf. Etwa 50 Personen versammelten sich & protestierten u.a. für ihre „Freiheit“ & gegen Masken- und #Impfpflicht – deutl. mehr als letzte Woche. Der Versammlungsbereich, in dem sich die zugelassene Zahl von 30 Personen aufhielt, war abgesperrt, die übrigen verteilten sich über den Platz. Viele saßen mit Decken und Matten am Boden und meditierten. Das Grundgesetz wurde verteilt, die Nationalhymne und „die Gedanken sind frei“ gesungen. Der in den Auflagen festgeschriebene Mindestabstand von eineinhalb Metern wurde oft nicht eingehalten, die – kaum anwesende – Polizei setzte die Auflagen nicht durch. Mit Schildern und Flyern versuchten die Anwesenden auf eine ganze Fülle von Anliegen aufmerksam zu machen. Redebeiträge gab es, außer der Erklärung der Versammlungsvorschriften, keine.

Die Anwesenden bildeten insgesamt eine sehr heterogene Masse. So fand sich eine eine bunte Mischung aus Menschen wie jungen Hippies, Senior_innen und Familien mit Kindern. Teils aber auch Schwurbler_innen oder harte Verschwörungstheoretiker_innen und Impfgegner_innen. So hatte eine meditierende Demonstrantin Schilder um sich herum ausgelegt, auf denen Sprüche wie „Schluss mit dem Spahnsinn! So Gates nicht weiter“, „Stasi 2.0“, „Geist ist geil“, „Mensch oder Lemming“ und „Die #Corona-Maßnahmen sind wie die Chemotherapie bei Krebs …“ standen. Zwei andere Demonstrierende meinten im Gespräch mit einer Autorin unseres Kollektivs, dass die mächtigsten Menschen der Welt hinter den Corona-Maßnahmen stecken würden, um die Weltbevölkerung im Zaum zu halten. Diese mächtigen Menschen wären beispielsweise der Amazon-Chef Bezos und die Rothschilds.

Im weiteren Gespräch meinten sie, Corona sei nur dazu da, den Menschen Angst zu machen: „damals war es die Reichskristallnacht* – heute ist es Corona“. Es sei heute „wieder genau wie 1933“, nur „da durften wenigstens noch alle auf die Straße“.

In einem ausgel. Pamphlet, das sich vor allem populistischer Sprache bedient, finden sich viele weitere Aussagen, die die insgesamt problem. Einstellungen der Initiator_innen entlarven. Besonders auf die Erzählung von „wir gegen die“ wird sich häufig bezogen. So finden sich im Text Sätze wie „Wir werden siegen und die werden verlieren“. Diese Unterscheidung wird unter anderem durch Formulierungen gestützt, die die leider nach wie vor häufig verwendete Unterscheidung zwischen „raffenden“ und „schaffenden“ Kapital suggeriert. Dies zeigt sich daran, dass der „Finanzmarktkapitalismus“ dessen sich ausschließlich die „bösen“ Eliten bedienen, um ihre Vormachtstellung zu sichern, in typischer Form kritisiert wird, während Kleinunternehmer_innen keine böse Absicht unterstellt wird und in deren kapitalistischen Wirtschaften ein gesellschaftlicher Wert angesiedelt wird; dies entbehrt jedoch jeglicher realer Grundlage, weshalb auch hier deutlich wird, dass von einer angemessene Kritik der bestehenden Verhältnisse keine Rede sein kann. Denn Kapitalismus verfügt immer über einen ausbeuterischen Charakter. So lässt sich festhalten, dass die Verwendung populistischer Elemente also aufgrund der fehlgeleiteten Kritik durchaus Sinn macht, da eine so grobe und vereinfachte Gegenüberstellung der Gesellschaft einen idealen gemeinsamen Nenner darstellt, um die vielfältigen Anhänger_innen zu vereinen. Hier spiegeln sich die oben genannten Beispiele wieder, nach denen die sog. „Eliten“ wahlweise aus Konzernchef_innen, Politiker_innen oder den Rothschilds bestehen. Über die 16 Seiten des Pamphlets zieht sich stets der Vergleich von #Covid_19 und einer Grippe oder gar „Erkältungswelle“. Es ist vom „Horror-Regime“ die Rede & auf der ersten Seite bereits von der gleichgeschalteten Presse, die sog. oppositionelle Meinungen nicht zulassen würde. „Parlamente und Parteien haben sich dem Regierungskurs unterworfen. Die großen Medienhäuser sind gleichgeschaltet. Sämtliche Freiheitsrechte wurden außer Kraft gesetzt, während wir von der Regierung in Todesangst versetzt zu Hause eingesperrt werden.“ Auch an anderen Stellen wird sich auf „Todesangst“ bezogen. Das ganze Pamphlet verbreitet das Bild, dass die Autor_innen Wahrheiten kennen, die anderen Menschen vorenthalten werden, eine Darstellung, die bevorzugt auch von Verschwörungstheoretiker_innen genutzt wird. Sie stellen sich selbst dabei als die einzige Opposition dar, die die Freiheitsrechte der Bürger_innen verteidigt. Die Expert_innemeinungen, denen einige Seiten im Pamphlet gewidmet sind, stammen unter anderem von Dr. Bodo Schiffmann, der gerne von der #noAfD zitiert wird, oder auch von Dr. Sucharit Bhakdi und Dr. Wolfgang Wodarg, auf die sich Verschwörungstheoretiker_innen oft beziehen. Was wissenschaftlich anmuten soll, ist mittlerweile von mehreren Seiten widerlegt worden und entbehrt so ebenfalls jeglicher Grundlage. Aufgrund ihres nicht vorhandene einheitlichen politischen Fundaments, argumentieren sie sehr emotional und verwenden Superlative. Diese Beispiele zeigen recht deutlich den Charakter einer Querfrontbewegung, die, wie aufgezeigt, über kein einheitliches politisches Profil verfügt. Dies macht die Gruppierung und ihre Anhänger_innen gefährlich, da der harmlose Anschein, den beispielsweise die Familien mit Kindern wecken, Antisemit_innen und Verschwörungstheoretiker_innen eine ideale Plattform bietet. Dass dies leider auch in Würzburg der Fall war, lässt sich an den genannten Beispielen nachweisen. Auf den Berliner Demos des „Demokratischen Widerstands“ lief u.a. auch der „Volkslehrer“ Nikolai Nerling mit, ein Holocaustleugner, der klar der Neuen Rechten zuzuordnen ist. Dies zeigt, dass auch gefährliche Strömungen sich ideal in diese heterogene Menge mischen und im Extremfall mit reaktionären und antisemitischen Narrativen andocken können. Es ist durchaus in Ordnung die strengen Corona-Maßnahmen kritisch zu sehen und zu demonstrieren, jedoch sollte sich jede Person, die eine solche Veranstaltung besucht oder die Gruppierung anderweitig unterstützt im Klaren darüber sein, an wessen Seite sie damit steht. Grundrechtseinschränkungen nicht einfach hinzunehmen und für die eigene Freiheit zu demonstrieren, ist kein Grund sich an einer Querfront mit reaktionären und verschwörungstheoretischen Kräften zu beteiligen. *Der Begriff „Reichskristallnacht“ leitet sich von den am Boden liegenden glitzernden Scherben ab und stellt eine euphemistische, verharmlosende Bezeichnung der Reichspogromnacht dar, die zwar gängig, aber deswegen nicht weniger problematisch ist. Wir verwenden sie an dieser Stelle, um das Zitat korrekt wiederzugeben.

Solidarity-Art: Kunst spenden für #Lesbos!

Die Lage in den Flüchtlingslagern auf Lesbos ist weiterhin dramatisch. Wir freuen uns deshalb, euch solidarity-art ( vorstellen zu können. Die Aktivist*innen schreiben uns:

Die weltweite Corona Krise wirkt sich auf viele Menschen existenz- und lebensbedrohend aus. Doch außerhalb unseres direkten Umfeldes, befinden sich Menschen für die die Situation, durch das Fehlen von Grundversorgung, noch bedrohlicher ist als für uns.

Wie sollen z.B. die Geflüchteten in Griechenland, welche durch griechische & türkische Einheiten wie ein Spielball hin und her gestoßen werden und dabei schärfste Gewalt erfahren müssen, ohne jegliche medizinische Unterstützung, auf engstem Raum, eine Pandemie überstehen können? In den letzten Wochen wurden dort Menschen- & Grundrechte außer Kraft gesetzt. Auch ein wichtiges Versorgungs- & Verwaltungszentrum auf Lesbos ist niedergebrannt, ebenso wie ein Lagerhaus. So wurden die letzten Möglichkeiten genommen, sich medizinisch & anderweitig zu versorgen. Da durch #Corona Spenden-Veranstaltungen & Kundgebungen leider nicht stattfinden können, müssen wir nun kreativ werden & neue Wege finden, wie geholfen werden kann.

Solidarity-Art lädt Künstler*innen & Kunsthandwerker*innen in Ausbildung oder Studium dazu ein, Werke & Stücke aus ihrem Repertoire an uns zu spenden. Kunstliebhaber*innen können mit dem Erwerb dieser Kunstwerke über unsere Crowdfounding Seite die bereits bestehenden Projekte vor Ort („One Happy Family“, „Lesvos Solidarity“ und „Movement on the ground“) unterstützen. Die Einnahmen gehen direkt als Spende an die Organisationen. Die angebotenen Kunstwerke und weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite solidarity-art.de

Lasst uns gemeinsam grenzenlose Solidarität zeigen.

#leavenoonebehind #solidarityart

CN (sexuelle) Gewalt, Misogynie, Mord

Durch die Ausgangsbeschränkungen wird eine starke Zunahme der Fälle häuslicher Gewalt befürchtet. Betroffene – fast ausschließlich Frauen und Kinder – sitzen zu Hause fest, gemeinsam mit dem*der Täter*in. Die eigene Wohnung – kein Rückzugsort, sondern eine Gefahrenquelle. Zwar sind die aktuellen Zahlen eher rückläufig, doch häufig „würden Vorfälle zunächst als Körperverletzung geführt und erst später als häusliche Gewalt ausgewiesen“, betonte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums gegenüber dem WDR (i). Auch das „Frauenhaus im SkF“ in Würzburg kann bisher „zwar eine verstärkte Kontaktierung nicht bestätigen“, geht „aber auch davon aus, dass die Situation unter Coronavirusbedingungen mit der Ausgangsbeschränkung und den Schließungen von Schulen, Kitas & Freizeiteinrichtungen inklusive der Spielplätze die Zunahme von häuslicher Gewalt nähren könnte.“ Es betont: „[G]ewaltbetroffene Frauen können in akuten Gewaltsituationen jederzeit telefonischen Kontakt zu den Mitarbeiterinnen der beiden Würzburger Frauenhäuser von AWO und SkF aufnehmen.“ (ii) „Statistisch gesehen ist der gefährlichste Mensch für Frauen ihr Partner oder Ex - das Lebensrisiko ist höher, als an Krebs zu erkranken oder Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden“, sagte Dorothea Blunk vom hessischen Landespräventionsrat der @hessenschau. Eine hohe Zahl der Fälle von (sexueller) Gewalt gegen Frauen geht vom direkten Umfeld, meist vom (Ex-)Partner aus. Stündlich wird eine Frau gefährlich von ihrem Partner verletzt (iii), jeden Tag versucht ein (Ex-)Partner seine (Ex-)Partnerin umzubringen – und jeden dritten gelingt es (iv). Die Dunkelziffer ist hoch. Doch anstatt von misogyner Gewalt und Morden zu reden, werden lieber Euphemismen wie „Familiendrama“ oder „Beziehungsdrama“ benutzt. Frauenhass und Mord aus Besitz- und Machtansprüchen einer fragilen Männlichkeit werden mit dem Jargon einer Telenovela verharmlost. Auch die Polizei erfasst in Deutschland keine eigene Kategorie „Femizide“. Dies verzerrt die öffentliche Wahrnehmung des Themas. Es klingt wie eine Ausnahme, etwas, das selten passiert. Dabei wird jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von physischer und/oder psychischer Gewalt und jede vierte mindestens einmal von körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren (Ex-)Partner. Sich einfach zu trennen, ist für die Betroffenen nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, denn das Risiko von (tödlicher) Gewalt steigt in diesem Fall um ein fünffaches. Leben und Gesundheit der Frau oder ihrer Kinder werden oftmals als Druckmittel eingesetzt (v). Außerdem bestehen oft psychische und/oder finanzielle Abhängigkeiten.

Umso wichtiger sind Beratungsstellen und Einrichtungen, die betroffenen Frauen und ggf. ihren Kindern Schutz und Hilfe bieten. Etwa 16.000 Frauen mit fast ebenso vielen Kindern ersuchen jährlich Zuflucht in einem Frauenhaus (vi). Doch deutschlandweit fehlen mindestens 14.600 Betten. Lediglich Sachsen-Anhalt und Bremen erfüllen die vom Europarat empfohlene Mindestanforderung von einem Platz je 7500 Einwohner*innen. In Bayern liegt der Mittelwert bei 0,49 (vii). Wenn die Zahlen – wie befürchtet – im Zuge der #Corona-Krise steigen, muss der Schutz von Betroffenen Frauen unbedingt gewährleistet werden. Deshalb fordert die Bundespsychotherapeutenkammer eine Ausweitung des Angebots an Schutzräumen, beispielsweise in freien Hotels und Ferienwohnungen (viii). Du – oder jemand, den du kennst – ist von (häuslicher) Gewalt betroffen? Schaue nicht weg! Suche dir Hilfe oder biete sie Betroffenen an. Angebote in Würzburg:

Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt, Bezirksverband Unterfranken e.V. Tel. 0931 - 61 9810 E-Mail: frauenhaus@awo-unterfranken.de awo-unterfranken.de/einrichtungen/… Frauenhaus im SkF – Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Würzburg Tel. 0931 – 45 00777 E-Mail: fh@skf-wue.de skf-wue.de Deutschlandweite Hilfsangebote (Auszug aus der gemeinsamen Pressemitteilung von bff, BKSF, FHK und ZIF (ix)):

• Bundeshilfetelefon “Gewalt gegen Frauen”: unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 116 016 (rund um die Uhr, täglich), Online-Beratung, hilfetelefon.de • Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: kostenlose und anonyme Beratung sowie Verweis auf Unterstützungsangebote vor Ort unter der Nummer 0800 – 22 55 300 (Mo, Mi, Fr: 9-14 Uhr, Di und Do: 15 bis 20 Uhr), Online-Beratung unter save-me-online.de • Beratungsstellen Gewalt gegen Frauen und Mädchen: frauen-gegengewalt.de/de/hilfe-vor-o…

• Frauenhäuser bundesweit: frauenhauskoordinierung.de/hilfe-beigewal…

• Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116111 (kostenfrei von Handy und Festnetz, Mo-Sa 14-20) Quellen:

i www1.wdr.de/nachrichten/th…

ii E-Mail des Frauenhauses an Schwarzlicht Würzburg

iii welt.de/politik/deutsc…

iv onebillionrising.de/femizid-opfer-…

v hessenschau.de/gesellschaft/d…

vi bundestag.de/resource/blob/…

vii mobile.katapult-magazin.de/?mpage=a&l=0&a…

viii www1.wdr.de/nachrichten/th… ix Gemeinsame Pressemitteilung von bff, BKSF, FHK und ZIF: „Gewaltschutz in Krisenzeiten ist Gemeinschaftssache!“

Die Einschränkungen durch #Covid_19 werden dazu genutzt ungewollt Schwangeren einen Abbruch noch zusätzlich zu erschweren. @profa_bayern berichtete bereits vor ein paar Wochen von Krankenkassen, die sich weigern würden Formulare zur Kostenübernahme online zur Verfügung zu stellen (mobile.twitter.com/profa_bayern/s…).

Und auch @doctorsforchoice sahen den Zugang zu sicheren #Schwangerschaftsabbrüchen gefährdet (doctorsforchoice.de/2020/03/pm-sch…).

pro familia Bayern (@profa_bayern):
Bayerns Krankenkassen weigern sich, ungewollt Schwangeren mit wenig Einkommen die nötigen Formulare für Kostenübernahmen zum Schwangerschaftsabbruch digital zur Verfügung zu stellen. Das, obwohl kein Parteiverkehr mehr möglich ist. @MelanieHuml muss hier dringend handeln #corona

Deshalb unterstützen wir die Kampagne #notanoption von @prochoicepassau. Für die Legalisierung von Abtreibungen!

#AbortionIsAHumanRight

#MyBodyMyChoice twitter.com/profa_bayern/s…

pro familia Bayern (@profa_bayern):
An der Haltung der Krankenkassen hat sich bis heute nach unsere Kenntnis nichts verändert. Noch immer verweigern @DAKGesundheit , @BARMER_BY und @DieTechniker ihren Versicherten den schnellen Zugang zu Kostenübernahmen unter fadenscheinigsten Begründungen, Ausnahme: @AOKBayern twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Die Einschränkungen durch #Covid_19 werden dazu genutzt ungewollt Schwangeren einen Abbruch noch zusätzlich zu erschweren. @profa_bayern berichtete bereits vor ein paar Wochen von Krankenkassen, die sich weigern würden Formulare zur Kostenübernahme online zur Verfügung zu stellen

In den vergangenen Tagen und Wochen sind immer wieder Transparente mit verschiedensten Solidaritätsbekundungen und Forderungen aufgetaucht, auf die wir auch bereits aufmerksam gemacht haben.

twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Würzburg in #Corona-Zeiten – Eine Bildergalerie

Würzburg im Frühjahr 2020. Die Ausbreitung des Corona-Virus ist noch lange nicht gestoppt. Demonstrationen sind verboten. Die Menschen genießen die warmen Sonnenstrahlen. Die soziale Not verschärft sich weiter.
Doch viele Würzburger*innen zeigen trotz Versammlungsverbot Solidarität. Sie hängen Banner aus den Fenstern, bieten via Social Media oder Plakat ihre Hilfe an und schmücken den öffentlichen Raum mit politischen Botschaften.
Auf zahlreichen Spaziergängen haben wir Würzburg in #Corona-Zeiten für euch dokumentiert. Wir wünschen viel Spaß bei unserer Bildergalerie. #StayHome
#LeaveNoOneBehind #StayHome

Hilfsangebote vom B-Block (0151/50348387) und Malteser (0700/62583737)

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Traditionell findet an Ostern auch in Würzburg der #Ostermarsch statt. Die Proteste richten sich gegen Militarismus und Krieg.
Wegen Corona wurden die Demonstrationen ins Internet verlegt. Infos: wuerzburg.igmetall.de/37-wuerzburger…

Aufgerufen zum Ostermarsch hatten u. a. @F4F_wuerzburg, der DGB Unterfranken, @CampusLinke, SDAJ Würzburg und der Florakreis.
Militaristische Propaganda hat ebenfalls Hochkonjuktur. Die #Bundeswehr sucht verzweifelt Nachwuchs. Würzburger*innen wehren sich mit Farbe und Kreativität.

Gesehen an der Löwenbrücke.

Da wir solche Aktionen gerade aufgrund der aktuellen Umstände für besonders wichtig halten, wollten wir mit diesem Post auf die nächste Woche anstehenden #Bannertage verweisen: wuerzburg.demosphere.net/event/2438 Die Initiator*innen rufen ab dem 13.04 dazu auf, diese Aktionsform noch zu steigern und möglichst viele Transparente aufzuhängen. Zum einen soll damit Platz für die zahlreichen Emotionen und Gefühle geschaffen werden, die uns in Zeiten der #Corona-Krise umtreiben. Zum anderen hat diese Aktion aber auch zum Ziel, gerade trotz der anhaltenden massivem Einschnitte in die Demonstrations- und Versammlungsfreiheit, Sichtbarkeit für drängende Probleme zu schaffen und die Formulierung klarer Positionen und Haltungen zu ermöglichen.

Würzburg in #Corona-Zeiten – Eine Bildergalerie

Würzburg im Frühjahr 2020. Die Ausbreitung des Corona-Virus ist noch lange nicht gestoppt. Demonstrationen sind verboten. Die Menschen genießen die warmen Sonnenstrahlen. Die soziale Not verschärft sich weiter. Doch viele Würzburger*innen zeigen trotz Versammlungsverbot Solidarität. Sie hängen Banner aus den Fenstern, bieten via Social Media oder Plakat ihre Hilfe an und schmücken den öffentlichen Raum mit politischen Botschaften. Auf zahlreichen Spaziergängen haben wir Würzburg in #Corona-Zeiten für euch dokumentiert. Wir wünschen viel Spaß bei unserer Bildergalerie. #StayHome #LeaveNoOneBehind #StayHome

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Traditionell findet an Ostern auch in Würzburg der #Ostermarsch statt. Die Proteste richten sich gegen Militarismus und Krieg. Wegen Corona wurden die Demonstrationen ins Internet verlegt. Infos: wuerzburg.igmetall.de/37-wuerzburger…

Aufgerufen zum Ostermarsch hatten u. a. @F4F_wuerzburg, der DGB Unterfranken, @CampusLinke, SDAJ Würzburg und der Florakreis. Militaristische Propaganda hat ebenfalls Hochkonjuktur. Die #Bundeswehr sucht verzweifelt Nachwuchs. Würzburger*innen wehren sich mit Farbe und Kreativität.

Gesehen an der Löwenbrücke.

#Corona, Verschwörungstheorien und die AfD

Der #noAfD Kreisverband Würzburg verbreitet auf Facebook Fake News über #Covid_19.

Die in dieser Recherche referenzierten Screenshots finden sich auf unserer Website: schwarzlicht.org/p/2020-04-04-a… Während Prepper bisher – sogar unter Verschwörungstheoretiker*innen – einen eher verschrobenen Ruf hatten, sind Hamsterkäufe gerade ein allgegenwärtiges Phänomen. Die Corona-Pandemie bietet idealen Nährboden für Weltuntergangs- und Verschwörungsszenarien. Die Militäraktion „Defender Europe 2020“ wird als „Eroberung Europas“ oder „Vorbereitung des 3. Weltkriegs“ verkauft, Corona soll hierbei als Ablenkung dienen. Außerdem soll mit der – natürlich erfundenen – Krankheit, die Wirtschaftskrise vertuscht werden. Andere behaupten, Covid_19 wäre eine biologische Waffe, die aus einem chinesischen Labor stammt. Wieder andere, sind der Meinung das Virus stamme aus einem US-Labor. Auch darüber, ob Corona absichtlich oder versehentlich in Umlauf kam, sind sich die Verschwörungstheoretiker*innen nicht einig. Doch sie alle verbindet die Ansicht, dass wahlweise der Staat/die Politiker/die jüdische Weltverschwörung/Soros/Bill Gates/die USA irgendetwas vertuschen wollen. Auf WhatsApp, sozialen Netzwerken und YouTube kursieren zahlreiche Fake News rund um das Thema Corona. Wer für einen gewissen Zeitraum die Luft anhalten könne, sei nicht erkrankt, Trinken helfe, heißes Wasser mit Salz und Zitrone zum Gurgeln und viele weitere „Tipps“ und „Wahrheiten“, bar jeglicher Fakten. Überall sprießen selbsternannte „Expert*innen“ aus dem Boden, die dem RKI und Virologen offen widersprechen. Verschwörungen und Fake News haben ein solches Ausmaß angenommen, dass seriöse Medien und Nachrichtensendungen sich genötigt sehen, diese richtig zu stellen und vor ihnen zu warnen. Schon vor Wochen verbreitete sich beispielsweise eine angeblich interne Info der Uni Wien rasend, nach der ein Zusammenhang zwischen Corona und Ibuprofen bestünde. Die Universität musste klarstellen, dass dies nicht der Wahrheit entspräche (br.de/nachrichten/wi…). Der AfD Kreisverband Würzburg – der erst vor wenigen Wochen mehrfach durch antisemitische Äußerungen auffiel (Bericht Schwarzlicht twitter.com/schwarzlichtwu… & Bericht Burkhard Hose twitter.com/schwarzlichtwu…) teilte in den letzten Tagen zwei YouTube-Videos

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Den heutigen #noAfD-Infostand hat sich der Würzburger Hochschulpfarrer @HoseBurkhard zum Anlass genommen, die Kandidat*innen der #noAfD, welche kürzlich mit antisemitischen Äußerungen aufgefallen sind ( direkt anzusprechen.

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Der Fall der antisemitischen Äußerungen der Würzburger #noAfD geht weiter! twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Endlich wurde das Geschwurbel der Würzburger #noAfD‘ler auf Video aufgenommen und kann damit vor Gericht verwendet werden.

Der Würzburger OB Christian Schuchardt kündigt die erste Anzeige wegen #Volksverhetzung an: schreibdasauf.info/gegen-juden-un… (Artikel von @WolfgangJung) twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Antisemiten und Rassisten – Die Würzburger #noAfD

Muzafar Mehmood hat die AfD in Würzburg bei ihrem allwöchentlichen Infostand am Sternplatz besucht. Besonders Herold Peters-Hartmann, Vorsitzender der AfD in Würzburg, entlarvt sich als Antisemit.
„Wir haben in Deutschland ein ganz großes Problem. Wir haben hier die Blöcke, ein Mal die Christen, dann haben wir nochmal einen Block, der sehr viel Einfluss hat – wirtschaftlich, kulturell.
Das sind die Menschen des Blocks der Juden“, sagt Peters-Hartmann und vertritt damit die zutiefst antisemitische Legende einer jüdischen Elite.
Im weiteren Verlauf des Interviews bestätigt er seinen Antisemitismus „[Die Juden] haben sehr viel Macht, sehr viel Einfluss“ und wünscht sich ein „homogenes Volk“. „Das wäre ein Traum“, so der Vorsitzende der Würzburger AfD.
Silvio Kante ist stellvertretender Vorsitzender der Würzburger #noAfD. Als Mehmood dem Würzburger AfD‘ler ein paar Fragen stellt, gerät Kante sofort ins Straucheln und muss zugeben, dass er den Koran selbst nie gelesen hat.
Er unterstützt Gaulands Aussage, der Islam sei in Deutschland ein Fremdkörper. Angesprochen auf brennende Heime entgegnet Kante: „Welche Flüchtlingsheime brennen den in Deutschland?“.
Mehmood entkräftet Kantes Mythen: „@ProAsyl sagt für 2017 alleine, dass es 1713 flüchtlingsfeindliche Vorfälle gab, davon mindestens 23 Brandanschläge. Und dieser Herr hat von keinem einzigen mitbekommen?“
Wolfgang von Eyb, aktueller AfD-Kandidat zur Würzburger Stadtratswahl, bezeichnet sich selbst als Islamexperte. Als Mehmood ihn konfrontiert, verzieht sich der adelige Spitzenkandidat.
Seine rassistisch motivierte Islamkritik erträgt die Widersprüche nicht.

Am Samstag möchte die #noAfD eben jene rassistischen und antisemitischen Positionen öffentlich vertreten. Es gilt, dagegen aufzustehen und entschieden zu widersprechen.
Zunächst möchte die #noAfD am Würzburger Sternplatz ab 10 Uhr einen Infostand abhalten. Eventuell wird dieser, wie vergangene Woche der Fall, innerhalb der Innenstadt verschoben. Vergangenen Samstag war die #noAfD gegenüber des H&M anzutreffen. twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
#noAfD-Stand blockiert!

Kaum hat die AfD ihren Stand in der Würzburger Innenstadt (Schönbornstr./ggü H&M) aufgebaut, formiert sich Protest. Etliche Antifaschist*innen zeigen den völkischen Rassist*innen, dass in Würzburg kein Platz für rechte Hetze sein soll!
Noch bis 14 Uhr soll der Stand stehen. Unterstützt den Protest!
Auch die @OMASGEGENRECHTS sind dabei.

Engagierte Antifas aus Würzburgs Süden müssen zum Anti-AfD-Protest vielleicht gar nicht so weit fahren. Vergangene Woche errichtete die #noAfD parallel zum Infostand in der City einen Infostand am Heuchelhof.
Wir informieren euch, wenn wir von einem zweiten Infostand mitbekommen. Zudem lädt sich die #noAfD am Samstag zu einer „Informationsveranstaltung“ den AfD-Bundestagsabgeordneten Gerold Otten ein.
Wenn ihr selbst zufällig Kneipenbesitzer*in oder Barbesitzer*in seid, checkt mal, wer bei euch am Samstag reserviert hat.
Beim vergangenen Mal hat es ja super geklappt und sowohl der Hofbräukeller, als auch die Gaststätte des TSV Rottendorf, haben die AfD-Reservierung storniert!
Muzafar Mehmoods sehenswerte Kurzdokumentation über die Islamhetze der #noAfD verlinken wir euch hier: youtube.com/watch?v=1sikQo…

Der Würzburger Hochschulpfarrer @HoseBurkhard schließt sich OB Christian Schuchardt an und stellt ebenfalls Strafanzeige wegen Volksverhetzung. #noAfD

br.de/nachrichten/am…

Josef Schuster, Präsident des @ZentralratJuden und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Würzburg, hat sich nun auch dazu geäußert. Er sieht in den Aussagen den Gegenbeweis zum von der #noAfD gestellten Anspruch, ‘nicht antisemitisch zu sein’.
Der @mainpost zufolge werde der Fall nun auch von der Staatsanwaltschaft geprüft und ein Fachkommissar für Staatsschutzangelegenheiten habe bereits Ermittlungen aufgenommen.

Es gilt ein Mal mehr: wenn die #noAfD am morgigen Samstag wieder in der Stadt steht, müssen wir das auch!
Quelle: m.mainpost.de/regional/wuerz…
twitter.com/nasir_ahmad/…

Nasir Ahmad (@nasir_ahmad):
Nach #Islamhetze: OB von Würzburg, Christian Schuchardt, will die AfD wegen Volksverhetzung anzeigen.

Wisst ihr wie man sowas nennt? #WehrhafteDemokratie und ein wehrhafter Oberbürgermeister. Genau DAS brauchen wir aktuell und zwar in GANZ 🇩🇪.

wuerzburgerleben.de/2020/02/28/kom…

Zu seinem Gespräch hat er folgenden Bericht verfasst:
Ich habe die beiden Kandidaten, über deren antisemitische und islamfeindliche Aussagen vor zwei Wochen MTA Germany Studios und dann auch @mainpost, @BR24 , @WolfgangJung und andere berichtet haben, spontan zur Rede gestellt.
Ich habe sie gefragt, warum sie immer noch für den Stadtrat kandidieren und dagegen laut protestiert. Sie sagten, sie würden weiterhin kandidieren, weil das, was sie gesagt hätten, richtig sei.
Eine Kandidatin legte noch nach und betete mir die üblichen Verschwörungsmythen (Soros, Rothschild) vor.

Ich habe auch ausdrücklich als katholischer Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit gegen die antisemitischen Stereotype protestiert.
Ich gab mich dann auch als Priester zu erkennen.

Der Würzburger Kreisvorsitzende dieser Partei sagte daraufhin, er werde jetzt die Polizei holen, damit die Kinder auf der Straße vor mir geschützt würden, denn ich gehöre ja zu denen, die Kinder missbrauchen.
Dann gab er vor, seine Vorfahren seien im KZ ermordet worden und auch der Kandidatin, die vorher über die “reichen Juden” schwadroniert hatte, sprach jetzt davon, sie sei ja auch Jüdin.
Der Vorsitzende kündigte an, er werde mich jetzt anzeigen, denn ich hätte ihn als Juden beleidigt.

Ich weiß nicht, ob mein Protest sinnvoll war, aber ich konnte nicht anders.
Und ich bin stolz auf die Mitbürger*innen in dieser Stadt, die dazukamen, stehenblieben und mich alle - ohne Ausnahme - unterstützten und stärkten. Ich bin dankbar für die jungen Leute, die um uns herum schweigend Handzettel mit Informationen zu dieser Partei verteilten.#seidlaut

über Corona, die Verschwörungstheorien verbreiten (Bilder 1.1 & 1.2). Die Videos „covid-19 – Die GANZE Wahrheit“ (geteilt am 29. März, 14:24 Uhr) und „Corona 11 von Dr. Bodo Schiffmann (geteilt am 28. März, 23:11 Uhr) wurden auf YouTube gesperrt, da sie gegen die Gemeinschaftsregeln verstoßen. Bei ersterem lässt sich leider nicht mehr nachvollziehen, welches Video namens „Die GANZE Wahrheit“ genau geteilt wurde – dafür ist die Auswahl zu groß, aber „Corona 11“ ist noch aufzufinden. Es ist Teil einer bisher 14-teiligen Reihe von Coronavideos von Dr. Bodo Schiffmann. In diesem wird Corona mit Grippewellen verglichen und verharmlost. Es ist von Euthanasie von Menschen über 80 Jahren die Rede, die nicht mehr beatmet, sondern mit Opiaten getötet werden sollen. Schiffmann, der glaubt, dass „auf der ganzen Welt keine ansteigenden Krankheitsfälle messbar“ wären, fordert seine Zuhörer*innen auf, das RKI und den „unsäglichen Zahlenverbreiter“ Prof. Drosten zu hinterfragen. Stattdessen solle man auf Dr. Wodarg und Prof. Bhakdi hören, die seit Wochen für ihre umstrittenen Ansichten kritisiert werden (twitter.com/schwarzlichtwu…).

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Den heutigen #noAfD-Infostand hat sich der Würzburger Hochschulpfarrer @HoseBurkhard zum Anlass genommen, die Kandidat*innen der #noAfD, welche kürzlich mit antisemitischen Äußerungen aufgefallen sind ( direkt anzusprechen.

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Der Fall der antisemitischen Äußerungen der Würzburger #noAfD geht weiter! twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Endlich wurde das Geschwurbel der Würzburger #noAfD‘ler auf Video aufgenommen und kann damit vor Gericht verwendet werden.

Der Würzburger OB Christian Schuchardt kündigt die erste Anzeige wegen #Volksverhetzung an: schreibdasauf.info/gegen-juden-un… (Artikel von @WolfgangJung) twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Antisemiten und Rassisten – Die Würzburger #noAfD

Muzafar Mehmood hat die AfD in Würzburg bei ihrem allwöchentlichen Infostand am Sternplatz besucht. Besonders Herold Peters-Hartmann, Vorsitzender der AfD in Würzburg, entlarvt sich als Antisemit.
„Wir haben in Deutschland ein ganz großes Problem. Wir haben hier die Blöcke, ein Mal die Christen, dann haben wir nochmal einen Block, der sehr viel Einfluss hat – wirtschaftlich, kulturell.
Das sind die Menschen des Blocks der Juden“, sagt Peters-Hartmann und vertritt damit die zutiefst antisemitische Legende einer jüdischen Elite.
Im weiteren Verlauf des Interviews bestätigt er seinen Antisemitismus „[Die Juden] haben sehr viel Macht, sehr viel Einfluss“ und wünscht sich ein „homogenes Volk“. „Das wäre ein Traum“, so der Vorsitzende der Würzburger AfD.
Silvio Kante ist stellvertretender Vorsitzender der Würzburger #noAfD. Als Mehmood dem Würzburger AfD‘ler ein paar Fragen stellt, gerät Kante sofort ins Straucheln und muss zugeben, dass er den Koran selbst nie gelesen hat.
Er unterstützt Gaulands Aussage, der Islam sei in Deutschland ein Fremdkörper. Angesprochen auf brennende Heime entgegnet Kante: „Welche Flüchtlingsheime brennen den in Deutschland?“.
Mehmood entkräftet Kantes Mythen: „@ProAsyl sagt für 2017 alleine, dass es 1713 flüchtlingsfeindliche Vorfälle gab, davon mindestens 23 Brandanschläge. Und dieser Herr hat von keinem einzigen mitbekommen?“
Wolfgang von Eyb, aktueller AfD-Kandidat zur Würzburger Stadtratswahl, bezeichnet sich selbst als Islamexperte. Als Mehmood ihn konfrontiert, verzieht sich der adelige Spitzenkandidat.
Seine rassistisch motivierte Islamkritik erträgt die Widersprüche nicht.

Am Samstag möchte die #noAfD eben jene rassistischen und antisemitischen Positionen öffentlich vertreten. Es gilt, dagegen aufzustehen und entschieden zu widersprechen.
Zunächst möchte die #noAfD am Würzburger Sternplatz ab 10 Uhr einen Infostand abhalten. Eventuell wird dieser, wie vergangene Woche der Fall, innerhalb der Innenstadt verschoben. Vergangenen Samstag war die #noAfD gegenüber des H&M anzutreffen. twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
#noAfD-Stand blockiert!

Kaum hat die AfD ihren Stand in der Würzburger Innenstadt (Schönbornstr./ggü H&M) aufgebaut, formiert sich Protest. Etliche Antifaschist*innen zeigen den völkischen Rassist*innen, dass in Würzburg kein Platz für rechte Hetze sein soll!
Noch bis 14 Uhr soll der Stand stehen. Unterstützt den Protest!
Auch die @OMASGEGENRECHTS sind dabei.

Engagierte Antifas aus Würzburgs Süden müssen zum Anti-AfD-Protest vielleicht gar nicht so weit fahren. Vergangene Woche errichtete die #noAfD parallel zum Infostand in der City einen Infostand am Heuchelhof.
Wir informieren euch, wenn wir von einem zweiten Infostand mitbekommen. Zudem lädt sich die #noAfD am Samstag zu einer „Informationsveranstaltung“ den AfD-Bundestagsabgeordneten Gerold Otten ein.
Wenn ihr selbst zufällig Kneipenbesitzer*in oder Barbesitzer*in seid, checkt mal, wer bei euch am Samstag reserviert hat.
Beim vergangenen Mal hat es ja super geklappt und sowohl der Hofbräukeller, als auch die Gaststätte des TSV Rottendorf, haben die AfD-Reservierung storniert!
Muzafar Mehmoods sehenswerte Kurzdokumentation über die Islamhetze der #noAfD verlinken wir euch hier: youtube.com/watch?v=1sikQo…

Der Würzburger Hochschulpfarrer @HoseBurkhard schließt sich OB Christian Schuchardt an und stellt ebenfalls Strafanzeige wegen Volksverhetzung. #noAfD

br.de/nachrichten/am…

Josef Schuster, Präsident des @ZentralratJuden und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Würzburg, hat sich nun auch dazu geäußert. Er sieht in den Aussagen den Gegenbeweis zum von der #noAfD gestellten Anspruch, ‘nicht antisemitisch zu sein’.
Der @mainpost zufolge werde der Fall nun auch von der Staatsanwaltschaft geprüft und ein Fachkommissar für Staatsschutzangelegenheiten habe bereits Ermittlungen aufgenommen.

Es gilt ein Mal mehr: wenn die #noAfD am morgigen Samstag wieder in der Stadt steht, müssen wir das auch!
Quelle: m.mainpost.de/regional/wuerz…
twitter.com/nasir_ahmad/…

Nasir Ahmad (@nasir_ahmad):
Nach #Islamhetze: OB von Würzburg, Christian Schuchardt, will die AfD wegen Volksverhetzung anzeigen.

Wisst ihr wie man sowas nennt? #WehrhafteDemokratie und ein wehrhafter Oberbürgermeister. Genau DAS brauchen wir aktuell und zwar in GANZ 🇩🇪.

wuerzburgerleben.de/2020/02/28/kom…

Zu seinem Gespräch hat er folgenden Bericht verfasst:
Ich habe die beiden Kandidaten, über deren antisemitische und islamfeindliche Aussagen vor zwei Wochen MTA Germany Studios und dann auch @mainpost, @BR24 , @WolfgangJung und andere berichtet haben, spontan zur Rede gestellt.
Ich habe sie gefragt, warum sie immer noch für den Stadtrat kandidieren und dagegen laut protestiert. Sie sagten, sie würden weiterhin kandidieren, weil das, was sie gesagt hätten, richtig sei.
Eine Kandidatin legte noch nach und betete mir die üblichen Verschwörungsmythen (Soros, Rothschild) vor.

Ich habe auch ausdrücklich als katholischer Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit gegen die antisemitischen Stereotype protestiert.
Ich gab mich dann auch als Priester zu erkennen.

Der Würzburger Kreisvorsitzende dieser Partei sagte daraufhin, er werde jetzt die Polizei holen, damit die Kinder auf der Straße vor mir geschützt würden, denn ich gehöre ja zu denen, die Kinder missbrauchen.
Dann gab er vor, seine Vorfahren seien im KZ ermordet worden und auch der Kandidatin, die vorher über die “reichen Juden” schwadroniert hatte, sprach jetzt davon, sie sei ja auch Jüdin.
Der Vorsitzende kündigte an, er werde mich jetzt anzeigen, denn ich hätte ihn als Juden beleidigt.

Ich weiß nicht, ob mein Protest sinnvoll war, aber ich konnte nicht anders.
Und ich bin stolz auf die Mitbürger*innen in dieser Stadt, die dazukamen, stehenblieben und mich alle - ohne Ausnahme - unterstützten und stärkten. Ich bin dankbar für die jungen Leute, die um uns herum schweigend Handzettel mit Informationen zu dieser Partei verteilten.#seidlaut

Zu Herold Peters-Hartmann: Peters-Hartmann ist der Vorsitzende des Würzburger AfD-Kreisverbands. Er geriet in Kritik, als er in einem Video von MuslimTvDe behauptete: „Wir haben in Deutschland ein ganz großes Problem. Wir haben hier die Blöcke, ein Mal die Christen, dann haben wir nochmal einen Block, der sehr viel Einfluss hat – wirtschaftlich, kulturell. Das sind die Menschen des Blocks der Juden“ (youtube.com/watch?v=1sikQo…). Der Bezirksvorstand Unterfranken forderte daraufhin seinen Rücktritt und eine zweijährige Ämtersperre und der Landesverband distanzierte sich von den getroffenen Aussagen (twitter.com/schwarzlichtwu…).

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Den heutigen #noAfD-Infostand hat sich der Würzburger Hochschulpfarrer @HoseBurkhard zum Anlass genommen, die Kandidat*innen der #noAfD, welche kürzlich mit antisemitischen Äußerungen aufgefallen sind ( direkt anzusprechen.

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Der Fall der antisemitischen Äußerungen der Würzburger #noAfD geht weiter! twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Endlich wurde das Geschwurbel der Würzburger #noAfD‘ler auf Video aufgenommen und kann damit vor Gericht verwendet werden.

Der Würzburger OB Christian Schuchardt kündigt die erste Anzeige wegen #Volksverhetzung an: schreibdasauf.info/gegen-juden-un… (Artikel von @WolfgangJung) twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Antisemiten und Rassisten – Die Würzburger #noAfD

Muzafar Mehmood hat die AfD in Würzburg bei ihrem allwöchentlichen Infostand am Sternplatz besucht. Besonders Herold Peters-Hartmann, Vorsitzender der AfD in Würzburg, entlarvt sich als Antisemit.
„Wir haben in Deutschland ein ganz großes Problem. Wir haben hier die Blöcke, ein Mal die Christen, dann haben wir nochmal einen Block, der sehr viel Einfluss hat – wirtschaftlich, kulturell.
Das sind die Menschen des Blocks der Juden“, sagt Peters-Hartmann und vertritt damit die zutiefst antisemitische Legende einer jüdischen Elite.
Im weiteren Verlauf des Interviews bestätigt er seinen Antisemitismus „[Die Juden] haben sehr viel Macht, sehr viel Einfluss“ und wünscht sich ein „homogenes Volk“. „Das wäre ein Traum“, so der Vorsitzende der Würzburger AfD.
Silvio Kante ist stellvertretender Vorsitzender der Würzburger #noAfD. Als Mehmood dem Würzburger AfD‘ler ein paar Fragen stellt, gerät Kante sofort ins Straucheln und muss zugeben, dass er den Koran selbst nie gelesen hat.
Er unterstützt Gaulands Aussage, der Islam sei in Deutschland ein Fremdkörper. Angesprochen auf brennende Heime entgegnet Kante: „Welche Flüchtlingsheime brennen den in Deutschland?“.
Mehmood entkräftet Kantes Mythen: „@ProAsyl sagt für 2017 alleine, dass es 1713 flüchtlingsfeindliche Vorfälle gab, davon mindestens 23 Brandanschläge. Und dieser Herr hat von keinem einzigen mitbekommen?“
Wolfgang von Eyb, aktueller AfD-Kandidat zur Würzburger Stadtratswahl, bezeichnet sich selbst als Islamexperte. Als Mehmood ihn konfrontiert, verzieht sich der adelige Spitzenkandidat.
Seine rassistisch motivierte Islamkritik erträgt die Widersprüche nicht.

Am Samstag möchte die #noAfD eben jene rassistischen und antisemitischen Positionen öffentlich vertreten. Es gilt, dagegen aufzustehen und entschieden zu widersprechen.
Zunächst möchte die #noAfD am Würzburger Sternplatz ab 10 Uhr einen Infostand abhalten. Eventuell wird dieser, wie vergangene Woche der Fall, innerhalb der Innenstadt verschoben. Vergangenen Samstag war die #noAfD gegenüber des H&M anzutreffen. twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
#noAfD-Stand blockiert!

Kaum hat die AfD ihren Stand in der Würzburger Innenstadt (Schönbornstr./ggü H&M) aufgebaut, formiert sich Protest. Etliche Antifaschist*innen zeigen den völkischen Rassist*innen, dass in Würzburg kein Platz für rechte Hetze sein soll!
Noch bis 14 Uhr soll der Stand stehen. Unterstützt den Protest!
Auch die @OMASGEGENRECHTS sind dabei.

Engagierte Antifas aus Würzburgs Süden müssen zum Anti-AfD-Protest vielleicht gar nicht so weit fahren. Vergangene Woche errichtete die #noAfD parallel zum Infostand in der City einen Infostand am Heuchelhof.
Wir informieren euch, wenn wir von einem zweiten Infostand mitbekommen. Zudem lädt sich die #noAfD am Samstag zu einer „Informationsveranstaltung“ den AfD-Bundestagsabgeordneten Gerold Otten ein.
Wenn ihr selbst zufällig Kneipenbesitzer*in oder Barbesitzer*in seid, checkt mal, wer bei euch am Samstag reserviert hat.
Beim vergangenen Mal hat es ja super geklappt und sowohl der Hofbräukeller, als auch die Gaststätte des TSV Rottendorf, haben die AfD-Reservierung storniert!
Muzafar Mehmoods sehenswerte Kurzdokumentation über die Islamhetze der #noAfD verlinken wir euch hier: youtube.com/watch?v=1sikQo…

Der Würzburger Hochschulpfarrer @HoseBurkhard schließt sich OB Christian Schuchardt an und stellt ebenfalls Strafanzeige wegen Volksverhetzung. #noAfD

br.de/nachrichten/am…

Josef Schuster, Präsident des @ZentralratJuden und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Würzburg, hat sich nun auch dazu geäußert. Er sieht in den Aussagen den Gegenbeweis zum von der #noAfD gestellten Anspruch, ‘nicht antisemitisch zu sein’.
Der @mainpost zufolge werde der Fall nun auch von der Staatsanwaltschaft geprüft und ein Fachkommissar für Staatsschutzangelegenheiten habe bereits Ermittlungen aufgenommen.

Es gilt ein Mal mehr: wenn die #noAfD am morgigen Samstag wieder in der Stadt steht, müssen wir das auch!
Quelle: m.mainpost.de/regional/wuerz…
twitter.com/nasir_ahmad/…

Nasir Ahmad (@nasir_ahmad):
Nach #Islamhetze: OB von Würzburg, Christian Schuchardt, will die AfD wegen Volksverhetzung anzeigen.

Wisst ihr wie man sowas nennt? #WehrhafteDemokratie und ein wehrhafter Oberbürgermeister. Genau DAS brauchen wir aktuell und zwar in GANZ 🇩🇪.

wuerzburgerleben.de/2020/02/28/kom…

Zu seinem Gespräch hat er folgenden Bericht verfasst:
Ich habe die beiden Kandidaten, über deren antisemitische und islamfeindliche Aussagen vor zwei Wochen MTA Germany Studios und dann auch @mainpost, @BR24 , @WolfgangJung und andere berichtet haben, spontan zur Rede gestellt.
Ich habe sie gefragt, warum sie immer noch für den Stadtrat kandidieren und dagegen laut protestiert. Sie sagten, sie würden weiterhin kandidieren, weil das, was sie gesagt hätten, richtig sei.
Eine Kandidatin legte noch nach und betete mir die üblichen Verschwörungsmythen (Soros, Rothschild) vor.

Ich habe auch ausdrücklich als katholischer Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit gegen die antisemitischen Stereotype protestiert.
Ich gab mich dann auch als Priester zu erkennen.

Der Würzburger Kreisvorsitzende dieser Partei sagte daraufhin, er werde jetzt die Polizei holen, damit die Kinder auf der Straße vor mir geschützt würden, denn ich gehöre ja zu denen, die Kinder missbrauchen.
Dann gab er vor, seine Vorfahren seien im KZ ermordet worden und auch der Kandidatin, die vorher über die “reichen Juden” schwadroniert hatte, sprach jetzt davon, sie sei ja auch Jüdin.
Der Vorsitzende kündigte an, er werde mich jetzt anzeigen, denn ich hätte ihn als Juden beleidigt.

Ich weiß nicht, ob mein Protest sinnvoll war, aber ich konnte nicht anders.
Und ich bin stolz auf die Mitbürger*innen in dieser Stadt, die dazukamen, stehenblieben und mich alle - ohne Ausnahme - unterstützten und stärkten. Ich bin dankbar für die jungen Leute, die um uns herum schweigend Handzettel mit Informationen zu dieser Partei verteilten.#seidlaut

OB Schuchardt und Hochschulpfarrer Hose stellten Strafanzeige wegen Volksverhetzung Auf seiner Facebook-Chronik finden sich zahlreiche Links und Posts rund um das Thema Chemtrails und die Illuminaten (Bilder 2.1 - 2.7). Etwa ein Drittel von Peters-Hartmanns Post wurden von Facebook gelöscht oder als Fehlinformation gekennzeichnet. Er teilt Beiträge von rechten YouTuber*innen, Höcke und Verschwörungstheoretiker*innen und bezweifelt den menschengemachten Klimawandel (Bilder 3.1 - 3.7). Außerdem ist er Fan vom ehemaligen italienischen Innenminister Salvini, Trump, Orban und Höcke (Bilder 4.1 – 4.7). Die Beiträge über Chemtrails sind relativ harmlose Verwirrungen, über die noch geschmunzelt werden könnte, würde Peters-Hartmann nicht auch Videos teilen, in denen von „Rassenvermischung“ (Bild 6) oder „Vermischung zu einer Negriod (sic!) Asiatischen (sic!) Mischrasse mit IQ 90“ die Rede wäre (Bilder 7.1 & 7.2). In einem geteilten Text heißt es über Geflüchtete: „Sie kommen als wilde Eroberer um zu brandschatzen und nicht mal das, ist ihnen bewusst. Sie handeln instinktiv weil sie lebenslang ums Überleben kämpften. Sie handeln aggressiv, weil sie spüren, ahnen und wissen, sie treffen auf eine Gesellschaft, die verlernt hat, sich wehrhaft zu zeigen. Sie wollen Teilhabe ohne Teilnahme. Sie haben leider nicht die kognitiven [intellektuellen] Fähigkeiten, die vorgefundenen wunderbaren Strukturen weiterzuentwickeln. Sie kommen nicht, um aufzubauen, sondern um zu zerstören.“ (Bilder 8.1 – 8.3). Auch ein Video von Jürgen Elsässer, dem Herausgeber des Compact-Magazins, ist auf einer Chronik zu finden (Bild 9). Wie bereits in seinem Interview mit MusilmTvDe zu erkennen ist, glaubt Peters-Hartmann an jüdische Verschwörungsszenarien. Ein Video trägt „Soros-finanzierten EU-Eliten“ bereits im Titel (Bild Nr. 4.1) und ein Kommentar über „Multimillionäre wie Rotschild, Soros u.s.w. und Banken“ bleibt unkommentiert unter einem seiner Beiträge („Nicht sog Flüchtlinge oder Migranten wollen die deutsche Identität zerstören, sondern Deutsche die ihr eigenes Deutschsein hassen!“) stehen. (Bilder 10.1 und 10.2). Unter einem von ihm geteilten Video kommentiert er: „werden bestimmt einige feucht im Schritt, wenn sie dieses Video sehen, wäre für eine gute E–lösung“. (Bild 11) Dies zeigt abschließend: Peters-Hartmann ist alles andere als ein harmloser Spinner. Mit diesem Vorsitzenden, verwundert es nicht, dass der Kreisverband Verschwörungstheorien auch auf seiner Facebook-Seite verbreitet.

Ultra-solidarisch: Würzburger Fußballfans helfen in #Corona-Krise

Wer im Landkreis Würzburg aufgrund der Corona Pandemie auf Hilfe angewiesen ist, kann sich auch an die Fans der Würzburger Kickers wenden. Aus der Fanszene heraus ist ein Hilfsangebot entstanden. Hierzu der Kommentar einer Rothose:

„Universitäten, Schulen und Ausbildungsstätten bleiben geschlossen. Kulturstätten und soziale Treffpunkte stehen auf Grund der aktuellen Lage nicht zur Verfügung. Amateur- und Profisportarten pausieren den Ligabetrieb auf ungewisse Zeit. Das trifft auch den Volkssport Fußball, welchen Menschen aus jeder Klasse, jeder sozialen Schicht Woche für Woche gespannt verfolgen. Das trifft auch den Fußballclub Würzburger Kickers von 1907, der seit Jahren der erfolgreichste Fußballclub in unserer Stadt ist. Auch in Liga 3 rollt seit zwei Wochen kein Ball mehr. Auch wenn der sportliche Erfolg dadurch unterbrochen wird, ist das ausgesprochene Ziel der Vereine das „Wohl und die Gesundheit der Menschen“. Dementsprechend ist der Ligabetrieb solange zu unterbrechen, bis dieser keine Gefahr für Zuschauer:innen und Sportler mehr birgt. Dieses Ziel verfolgt auch die Fanszene des FWK. Da Solidarität in der Fankultur eine große Rolle spielt, liegt das Augenmerk der Fans im Moment besonders auf der Unterstützung der Menschen aus den Risikogruppen. Der Dallenberg Supporters Club und die aktiven Fans haben deswegen schnellstmöglich, wie auch viele Fanszenen Deutschlands, einen Hilfefond eingerichtet und bieten kostenlosen Einkaufsservice für Lebensmittel und Hygieneartikel an. Diese Solidarität ist bedingungslos! Ob jung oder alt, ob Rothosen oder nicht. Das Angebot gilt im ganzen Landkreis Würzburg, und in Supermärkten, in denen der Flyer hängt, darüber hinaus. Ein weiteres sehr positives Statement der Fanszene, die sich erst vor Kurzem aufgrund vereinzelter Vorfälle im deutschen Fußball und bei Spielen der Rothosen antirassistisch und solidarisch zu verstehen gab. Die Aktion ist ein Zeichen der Solidarität weit über die Grenzen des Vereins und dessen Anhängerschaft.

Infos zum Hilfsangebot finden sich unter: b-block-wuerzburg.de/blog/wuerzburg…“ Noch vor wenigen Wochen war das Thema des deutschen Profifußballs die Kritik von Fanszenen und Ultragruppen an Dietmar Hopp. Statt Verständnis für das Kritisieren von Missständen und Dialog mit den aktiven Fans folgten Spielunterbrechungen und weitere Repression. Der DFB zeigte, wie man schon lange auf Rassismus, Homophobie und alle anderen Formen von Diskriminierung im Stadion hätte reagieren können. Tatsächlich werden solche Maßnahmen erst bei teilweise persönlichen Beleidigungen eines der reichsten Deutschen eingesetzt. Der Wortlaut mancher Spruchbänder ist problematisch, die zu Grunde liegende Kritik jedoch gerechtfertigt. Für mehr Hintergründe zur Causa Hopp empfehlen wir Folge 1 des Podcast Linksaußen von @SoerenKohlhuber (podcast.de/episode/437368…). Das gezeichnete Negativbild, vor allem von Ultras, scheint sich seitdem wieder zu wandeln. Gerade die aktiven Fanszenen haben schnell auf die Auswirk. von Corona reagiert und Hilfsangebote eingerichtet, um bspw. Einkäufe für Risikogruppen und Menschen in Quarantäne zu übernehmen. Auf Faszination Fankurve findet sich ein Überblick über diese: faszination-fankurve.de/index.php?head….

Solidarität wird kollektiv gelebt. Aus der Fanszene heraus, auf Initiative der Vereine und in Kooperation miteinander (mainpost.de/sport/badkissi…). Ein Zeit Online Artikel gibt beispielsweise Einblick in die Zusammenarbeit des 1. FC Nürnberg und seiner Fans bei ihrem Unterstützungsangebot (zeit.de/sport/2020-03/…). In der Öffentlichkeit angebr. Spruchbänder drücken Dankbarkeit & Solidarität mit der „Sektion Systemrelevant“ & Helfer:innen aus. Kombiniert wird dies auch mit Forder. nach bess. Löhnen bis zu offener Systemkritik. Eine Bildergalerie findet sich unter: faszination-fankurve.de/index.php?head…. Die interaktive Karte von KickIn, der Beratungsstelle für Inklusion im Fußball, gibt einen Überblick über Unterstützungsangebote aus dem Fußballkontext zur Coronakrise:

google.com/maps/d/viewer?… P.S.: Falls ihr z.B. WFV-Fans seid und das Angebot deshalb nicht annehmen wollt, könnt ihr gerne auch Schwarzlicht anschreiben.

#Cannameleon auf Verschwörungs-Trip!

Im November letzten, bzw. Januar diesen Jahres berichteten wir über die Razzien in den „Cannameleon“-Läden in Schweinfurt und Würzburg und solidarisierten uns im Zuge dessen mit dem Eigentümer (

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Am Dienstag wurden in Würzburg und Schweinfurt drei Geschäfte, wie auch Privaträume von „Cannameleon“ durchsucht. Cannameleon verkauft in Unterfranken sogenanntes CBD-Gras (Cannabis, das wenig THC enthält, stattdessen jedoch eine höhere Anreicherung mit Cannabidiol hat).

Durch den geringen Wert an THC hat CBD-Gras keine psychoaktive Wirkung und wird vermehrt auch in der Medizin eingesetzt, da CBD auf viele Menschen beruhigend wirkt und grade für Schmerzpatient*innen interessant ist.
Der Vorwurf der Polizei und Staatsanwaltschaft lautet, dass in den Shops in Würzburg und Schweinfurt strafbarer Handel mit Betäubungsmitteln betrieben wird.
CBD an sich fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, da es sich nicht um einen psychoaktiven Stoff, also nicht um eine Droge handelt. Dem Betäubungsmittelgesetz nach darf CBD-Gras jedoch nur als solches verkauft werden, wenn es einen THC-Gehalt von weniger als 0,2 % hat.
Da bei Untersuchungen des von Cannameleon verkauften Cannabis jedoch THC-Gehalte von bis zu 0,3% festgestellt wurden, nahmen Polizei und Staatsanwaltschaft das zum Anlass das komplette CBD-Gras der Läden sicherzustellen und es zur Überprüfung weiterzuschicken.
Die Razzien reihen sich ein in eine Serie von Durchsuchungen von Geschäfts- und Privaträumen, mit denen in ganz Deutschland versucht wird, den Handel mit sogenanntem CBD-Gras zu unterbinden. Vor wenigen Monaten erst wurden Räume in München und Hamburg durchsucht.
Die Razzien sind Ausdruck einer repressiven Drogenpolitik, die von Expert*innen seit Jahren kritisiert wird. Durch solche Razzien wird der Blick weggelenkt von den eigentlichen Problemen, unter anderem nämlich dem florierenden Schwarzmarkt, die damit verbundene
Unkontrollierbarkeit der Qualität von Drogen und somit eine große Unsicherheit bei den Konsument*innen, die keinerlei Anhaltspunkte haben, was sie konsumieren.
Grade bei Cannabis sind sich die meisten Expert*innen einig, dass die heute gefahrene Strategie der Bundesregierung völlig nutzlos ist und eine Entkriminalisierung von THC entscheidende Vorteile hätte.
Die Razzia zeigt wieder einmal, dass die CSU in Sachen Drogenpolitik nichts verstanden hat. Alkohol gilt in ihren Rängen immer noch als eine harmlosere Droge als Cannabis, was bei tausenden Toten jährlich nur sehr schwer zu verstehen ist.
Interessant ist auch die Reaktion der örtlichen CSU auf die gestrige Razzia: per Facebook wurde darauf hingewiesen, dass der Betreiber der CBD-Shops erst vor wenigen Wochen an einer von der Würzburger CSU organisierten
Podiumsdiskussion teilnahm, um über die Nutzen von Cannabis zu sprechen. Darauf angesprochen verneinte die CSU, dass es jemals eine solche Veranstaltung gab.

twitter.com/gruen_seb/stat…

Sebastian Hansen (@gruen_seb):
Die #CSU Würzburg so: “Wir haben keine Veranstaltung zu CBD gemacht!!!!!”

Die Plakate der CSU Würzburg so:

#LegalizeIt

Cannabis ist sicherlich nicht die harmlose Droge, als die sie oft dargestellt wird. Auch sie birgt ein Suchtrisiko und es ist wichtig, über die gesundheitlichen Risiken aufzuklären.
Reine Kriminalisierung, wie in diesem Fall auf Grundlage einer groß angelegten Razzia, ist aber sicherlich nicht der richtige Ansatz und lenkt den Blick von den wirklichen Problemen ab.

In den letzten Tagen und Wochen wurden wir jedoch auf Posts zum Thema #Corona aufmerksam, die öffentlich auf der offiziellen Facebook-Seite des Cannameleons geteilt wurden und die wir nicht unkommentiert stehen lassen können und wollen. Bei den Posts handelte es sich jeweils um YouTube-Videos.

Eines dieser Videos ist auf dem Kanal von Robert Franz erschienen ( der unter anderem pseudofeministische Videos postet, … in denen er erklärt, dass Gewalt gegen Frauen angeblich von einem in unserer Gesellschaft gerade unter Männern weitverbreiteten Vitamin B12 Mangel herrührt (youtube.com/watch?v=YTEcY4…). Außerdem ist bereits in den ersten 25 Sekunden das erste Mal von der „geschmierten Presse“ die Rede. Im Laufe des Videos wird unter anderem behauptet, dass viele Medikamente nichts wirken und ein funktionierendes Immunsystem alle Krankheiten aufhalten würde. Den Fakt, dass Tiere keine Handschuhe tragen und im Falle einer Krankheit von ihrer Herde aufgefangen werden oder „von dieser Welt verschwinden“, überträgt er in sozialdarwinistischer Manier eins zu eins auf den Menschen. Narrative wie diese finden sich leider in Beiträgen vieler Menschen wieder, welche sich, meist unter starker Betonung ihrer eigenen ungetrübten Weltsicht, von der sogenannten Schulmedizin bzw. Mainstream-Kultur abgewandt haben und nun „alternative“ Heilkunde o. Medien bevorzugen. Grundsätzlich ist gegen solche Herangehensweisen auch nichts einzuwenden, würden sie nicht zur Reproduktion & Etablierung obskurer Verschwörungstheorien führen, die im Extremfall auch auf antisemitische Denkstrukturen und Argumente zurückgreifen, wie sie vor allem auch durch die sogenannten Protokollen der Weißen von Zion (de.wikipedia.org/wiki/Protokoll…) geprägt wurden. So nimmt Robert Franz in einem anderem Video unter anderem auch Bezug auf den gesellschaftszersetzenden Charakter der bösen Pharmakonzerne, welche hinter den Kulissen in diesem Fall neue Krankheiten erfinden, um damit ihre Profite zu erhöhen (youtube.com/watch?v=0dGG0P…). Konkret geht er in seiner Auffassung davon aus, dass Menschen absichtlich medikamentenabhängig gemacht werden, um diese zu kontrollieren. Krankheiten seien in Wirklichkeit lediglich Mangelerscheinungen, die beispielsweise durch das „Auftanken von Sonne“ therapiert werden können. Des Weiteren suggeriert er mit dem Bezug auf seine bisherigen Strafen und Anwaltskosten ein Komplott, welches ihn und andere zum Schweigen bringen will. An dieser Stelle bleibt festzuhalten, dass Pharmakonzerne natürlich wie alle anderen Unternehmen im Kapitalismus gezwungen sind, ihre Profitrate zu erhöhen.

Ob es eine gute Idee ist, profitorient. Unternehmen unsere Gesundheit anzuvertrauen, sollte daher nat. diskutiert werden. Problematisch wird es, wenn sich die Kritik in Form der Idee manifestiert, dass eine kleine Gruppe sehr einflussreicher & grundsätzlich schlechter Menschen außerhalb der Reichweite der „normalen“ Menschen ihre fiesen Machenschaften gezielt praktizieren, um sich so zum Nachteil aller anderen zu bereichern. Im genannten Video wird dies anhand der Gegenüberstellung seines Vorgehens als Geschäftsmann und des angeblichen Vorgehens der Pharmakonzerne deutlich. Häufig fallen in diesem Kontext entweder keine Namen und es wird nur, wie auch in diesem Fall, von „denen“ oder „die“ gesprochen, oder aber es findet eine Verknüpfung mit Namen wie Rockefeller, Soros, Rothschild usw. statt. Soweit wie andere, als logische Schlussfolgerung die Beseitigung dieser Konzerne oder aber der dahinterstehenden Menschen zu fordern, geht Robert Franz zumindest in diesem Video nicht. Dennoch lenkt er mit solchen Auffassungen von der Tatsache ab, dass nicht einzelne Personen und/oder Konzerne das Problem sind, sondern die diesen Akteuren zugrundeliegende Struktur, welche eben solche Akteure immer wieder hervorbringen wird. Eine der Realität und den Problemen des Kapitalismus angemessene Kritik ist also in keiner Weise zu erkennen. Des Weiteren lassen sich hier auch klassische populistische Elemente wie die Gegenüberstellung zwischen der korrupten & verdorbenen Elite und des moralisch reinen und hart arbeitenden Volkes wiedererkennen.

Auch hier besteht das Problem in der massiven Vereinfachung der Realität. Vor allem die Negierung jeglicher Unterschiede innerhalb dieses Volkes und die Konstruktion eines gemeinsamen Feindes, welcher ausschließlich schlechte menschliche Eigenschaften repräsentiert und welchem daher natürlich jegliche Schuld anzulasten ist, erweist sich als sehr anschlussfähig für rechte Ideen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich gerade unter AfD Wähler_innen viele Menschen mit einem Weltbild befinden, welches durch Verschwörungstheorien geprägt wird (zeit.de/politik/deutsc…). Diese falsche Weltsicht findet sich aber generell in allen politischen Lagern und Gesellschaftsschichten. Ein weiteres geteiltes Video ist auf dem Kanal von „Der Fehlende Part“ erschienen ( Dieser ist ein Format des Auslandssenders der Russischen Regierung, Russia Today. Dieses Video wirkt durch die professionelle Aufmachung und ein Interview mit einem Kieler Virologen sehr viel seriöser als das erste. Der interviewte Arzt gibt Auskunft darüber, mit welchen Medikamenten Corona-Patient_innen therapiert werden. Eine Information, die der medizinische Laie nicht einordnen kann und somit auch keine stichfesten Schlussfolgerungen ziehen kann. Die „Süddeutsche Zeitung“ veröffentlichte am 24. März einen Artikel darüber, wie widersprüchlich die Meinungen von Virolog_innen sind und welche Thesen, die teilweise auch im Interview des Arztes vorkommen, gut zu widerlegen sind (sueddeutsche.de/wissen/coronav…).

Hier stellt sich außerdem klar die Frage, wie viel seriöser Journalismus überhaupt hinter „Der Fehlende Part“ steht. Der befr. Arzt veröffentl. ein Buch mit dem Titel „Der Virus-Wahn – Wie die Medizin-Industrie ständig neue Seuchen erfindet und auf Kosten der Allgemeinheit Milliarden-Profite macht“, welches u. a. von einer Seite für Impfgegner_innen empfohlen wird (tolzin-verlag.com/FBU002). Die hier verwendeten Narrative und Denkstrukturen, welcher sich auch Robert Franz bedient, werden schon im Titel deutlich. Außerdem kommt im Video ein Vertreter sogenannter „alternativer Medien“ zu Wort. Was im Video als „Raus aus der Panik“ angepriesen wird, zeigt sich schließlich auf der Website von NuoViso: In einem Video wird von Verschwörungen gesprochen und es finden sich Begriffe wie „Königin Greta“ sowie Aussagen, dass hinter Fridays for Future Rockefeller und Soros stehen, welche komplett unkommentiert bleiben (nuoviso.tv/steinzeit/stei…). Hier offenbart sich also die zweite, bereits beschriebene Option der Definition von den angeblichen Schuldigen, welche die ausgemachten Probleme ausschließlich einzelnen Personen anhaftet. Wie tief der Cannameleon-Betreiber selbst im Sumpf der Verschwörungstheorien steckt, wird deutlich, wenn man sich die Songs anhört, die er unter seinem Künstlernamen „SCEP“ auf YouTube veröffentlicht hat. Seine angebliche Systemkritik enthält alle bereits im Fall von Robert Franz genannten Narrative, geht aber noch deutlich weiter. Während er in seinem Video zum Song „Sceptrum“ (youtube.com/watch?v=S4fwoW…) bereits Bezug auf zahlreiche gängige Verschwörungstheorien nimmt, werden im Song „2019“ konkrete Narrative verwendet, wie sie sich auch in anderen antisemitischen Kontexten wiederfinden lassen. Der Vorwurf des Antisemitismus begründet sich hier also daher in der Verwendung von Denkstrukturen, wie sie sich bereits anhand des Beispiels Robert Frank finden lassen, sowie weiterer, bereits deutlich älterer genutzter Narrative mit konkr. Bezug auf Jüd_innen, welche sich im Laufe der Geschichte etabliert haben und immer wieder Anwendung gefunden haben. Ein klassisches Beispiel ist das des Kindermörders bzw. -schänders, welches er hier in Form von „Missgestalten, die sich an einem Kind vergreifen“ verwendet. Diese Erzählung wird Jüd_innen bereits seit dem Mittelalters angelastet, um beispielsweise Gewaltverbrechen zu vertuschen (siehe Achim Bühl: „Antisemitismus, Geschichte und Strukturen von der Antike bis 1848“ S. 62). Ein anderes Beispiel ist der Begriff des „Blutgeldes“. Dieses eher modernere Narrativ, welches vor allem durch die Nationalsozialisten gebraucht wurde, suggeriert einen Unterschied zwischen der „ehrlichen“ Arbeit „einfacher“ Leute („schaffendes Kapital“) und einem diesem entgegenstehenden, auf hinterhältige oder „unehrliche“ Art erworbenem Kapital, welches auch häufiger als „raffendes Kapital“ bezeichnet wird (rainertrampert.de/artikel/katego…). So knüpft er auch an die eingangs erwähnte populistische Unterscheidung an. Des Weiteren lenkt es wiederum davon ab, dass kapitalistische Wertschöpfung immer über Ausbeutung funktioniert. Eine Einteilung in „gute“ und „böse“ Wertschöpfung ist daher ebenfalls keineswegs der Realität angemessen. Von einer Systemkritik kann also keine Rede sein. So können wir abschließend festhalten, dass wir gerade in Zeiten der Corona-Krise ein besonderes Augenmerk auf jegliche Formen von Verschwörungstheorien haben sollten. Gerade jetzt, da die allgemeine Verunsicherung groß ist und sich die Menschen nach Antworten für die Entstehung dieser Situation sehnen, fallen solche Realitätsverdrehungen auf fruchtbaren Boden. Auf der Facebook-Seite des Cannameleons sind die genannten Postings mit Überschriften wie „Denkt dran, denkt selbst“ versehen. Es wird darauf hingewiesen, dass zwar die freie Meinungsäußerung auf der Seite gewährleistet wird, jedoch nur für Menschen, die sich unkritisch hinter die Positionen der Seiten-Betreiber_innen stellen. Dies war die Reaktion, nachdem sich eine Person im Kommentarbereich aufgrund des Löschens von Kommentaren beschwerte. Hinsichtlich der Meinungsfreiheit sollte nochmal hervorgehoben werden, dass diese keinen Freifahrtschein dafür darstellt, schlicht unwahre Thesen zu verbreiten, ohne dafür Kritik ernten zu können. Wer so etwas behauptet, sollte sich genau mit dieser Kritik auseinandersetzen, statt ein globales Komplott zu konstruieren.

„Was die Welt zusammenhält“ – Gastbeitrag der Würzburger Punkband „Heavy Holes”

Die #Corona-Krise ist noch immer eine junge Krise. Aktuelle Zahlen des @rki_de sprechen von ca. 37 000 bestätigten Infizierten, also nicht einmal jede 1000te Person in #Deutschland. Und trotzdem fühlt es sich an, als würde die ganze Welt aus den Angeln gehoben: Es ist von einem drohenden Kollaps des Gesundheitssystems die Rede, die Börsenmärkte brechen ein und Unternehmen fangen bereits an Stellen auf Kosten von Arbeiter*innen zu streichen. Unternehmen aller Größen und verschiedenster Art sind existenziell bedroht und auf finanzielle Hilfe des Staates angewiesen. In solchen Extremsituationen zeigt sich das fragile Fundament, auf dem die Gesellschaft gebaut ist, besonders deutlich: Die vom Konsum abhängige, kapitalistische Marktwirtschaft. Ein System, zum Vorteil von Wenigen, ertragen von Einigen und zum Leiden von Vielen. Eine Konstruktion, die tief im Denken und Handeln aller Menschen verankert ist. Bereits in der Schule lernen wir uns als Konkurrent*innen zu sehen, werden nach kürzester Zeit nach Leistungen sortiert und sollen möglichst gut auf das Arbeitsleben vorbereitet werden. Wer gute Noten und Erfolg will, muss eine angepasste, produktive Arbeitsmaschine sein. Das zeigt nicht nur den autoritären Charakter, den das Bildungswesen in sich trägt, sondern auch die Dominanz des Leistungsprinzips gegenüber allen anderen für das gesellschaftliche Zusammenleben elementaren Fähigkeiten. Die eindimensionale Kategorisierung von Menschen ist überall präsent und führt schließlich auch dazu, wie unterschiedliche Berufsgruppen bewertet werden. Paradoxerweise wird seit Kurzem täglich dankbar für die Krankenpleger*innen applaudiert, die seit Jahrzehnten mit Zustimmung der Mehrheitsgesellschaft ausgebeutet werden und deren Hilfe „jetzt“ so dringend gebraucht wird. Die von der „sozialen Marktwirtschaft“ suggerierte solidarische, freie Gesellschaft bleibt weiterhin eine Illusion und Utopie. Zum einen, weil dieses „sozial“ (wenn überhaupt) nur für die Glücklichen gilt, die zufälligerweise innerhalb der Landesgrenzen geboren wurden. Zum anderen, weil dieses “sozial” vollständig an die Wirtschaftssituation gekoppelt ist und die soziale Sicherheit nicht von der solidarischen Gesellschaft an sich getragen wird. Wäre die Gesellschaft solidarisch, hätten nicht tausende unabhängige Kleinunternehmer*innen Armutsangst und Existenznot. Der anerzogene, tief verankerte Egoismus und der Einzelkämpfergeist waren schon vor den Hamsterkäufen deutlich sichtbar. Sie spiegeln sich täglich in allgemeiner Akzeptanz von Ausbeutung, Hierarchie und sämtlicher anderer Ungerechtigkeiten wider. Wie in der Finanzkrise von 2008 wird die jetzige Wirtschaftskrise erneut zu einer Welle von Arbeitslosigkeit führen, die gravierenden soziale Probleme mit ans Ufer spült: Einschneidungen im Gesundheitssystem, Kürzung der öffentlichen Gelder, Schließung von sozialen und kulturellen Einrichtungen, um nur einige davon zu nennen.

Dabei ist der Beton, auf den benachteiligte Menschen fallen besonders hart. Das geschieht großteils, weil dazu angehalten ist zu Hause zu bleiben und damit der Konsum massiv eingedämmt wird - damit ist nicht der Konsum der Grundbedürfnisse gemeint, sondern der alltäglich von Werbung und sozialen Medien induzierte Konsum, der das kapitalistische Rad Jahr für Jahr weiter beschleunigt. Derselbe Konsum, der, wenn er mal nicht vorhanden ist, in der Lage ist die komplette Weltwirtschaft lahmzulegen. Die heutige Gesellschaft muss sich die Frage stellen, ob sie auch in Zukunft weiterhin ein Zusammenleben will, das nur für einen Teil der Menschen Sicherheit garantiert und das nur solange, bis in der Wirtschaft Schwierigkeiten auftreten. Ein Wirtschaftssystem, das permanent Ungleichheit produziert, von Ausbeutung lebt und durch die Konsumabhängigkeit außerdem nicht nachhaltig sein kann, sollte nicht das Fundament einer Gesellschaft sein. Es ist Zeit, in das hässliche Gesicht zu blicken, dass uns der Spiegel der Krise zeigt und neue Ideen zu entwickeln. Wie kann eine solidarische und gewaltfreie Gesellschaft erreicht werden, die keine Menschen ausschließt? Wie kann ein Wirtschaftssystem aussehen, das weder Mensch noch Natur ausbeutet? Wie kann sich die autoritäre, materialistische Konsum- und Leistungsgesellschaft hin zu einer freien, selbstbestimmten Solidargemeinschaft emanzipieren? Es geht dabei nicht darum, die Mehrheitsgesellschaft möglichst gut vor Krisen zu schützen, sondern darum, größtmögliche Sicherheit,Gerechtigkeit und Freiheit für alle und permanent herzustellen. Die Ideen dazu sind da, aber sie müssen im Kontext der modernen Technologiegesellschaften neu gedacht werden. Dann ist es vielleicht irgendwann nicht mehr der Markt, sondern eine grenzenlose Solidarität, die die Gesellschaft zusammenhält. Das Foto stammt aus dem Booklet des kommenden Albums der Heavy Holes.

Erst vor ein paar Wochen kritisierte das UN-Menschenrechtskommissariat Deutschland heftig für den §218, der Schwangerschaftsabbrüche regelt (taz.de/Blauer-Brief-v…).

Diese sind in der BRD nicht legal & bleiben nur nach einem Beratungsgespräch und 3 Tagen Bedenkzeit straffrei. Danach müssen Menschen mit Uterus teilweise weite Strecken bis zur nächsten Praxis oder Klinik fahren, die Abbrüche vornimmt, denn diese werden kaum noch durchgeführt. Doch anstatt die Situation für ungewollt Schwangere zu verbessern, wird es ihnen, zu Zeiten von Corona, noch schwerer gemacht abzutreiben. @profa_bayern berichtet auf Twitter, dass Krankenkassen sich weigern würden, die Formulare zur Kostenübernahme digital zur Verfügung zu stellen. Ein Abbruch kostet jedoch – je nach Methode – bis zu 600€. Eine hohe Summe, die sich sehr viele Menschen nicht leisten können. Durch #Corona stehen Einkommensverluste und Kündigungen leider an der Tagesordnung. Existenzängste nehmen zu. Gerade jetzt ist es also umso wichtiger, dass Kosten vom Staat oder von Krankenkassen übernommen werden. Stattdessen werden Menschen mit Uterus bevormundet und erneut versucht ihnen das Recht über ihren eigenen Körper und ihre reproduktiven Fähigkeiten streitig zu machen. Profitgier und patriarchale Unterdrückung äußern sich in purer Schikane von hilfesuchenden Menschen, die nicht anderes tun, als das Recht auf körperliche Selbstbestimmung einzufordern. Tweet von @profa_bayern: twitter.com/profa_bayern/s…

PM der @Docs4Choice: twitter.com/Docs4Choice/st…

Doctors for Choice Germany e.V. (@Docs4Choice):
Nun auch die offizielle Pressemitteilung: der Zugang zu einem sicheren #Schwangerschaftsabbruch ist in Zeiten der Corona-Pandemie akut gefährdet durch

  • Einschränkungen der Beratungsstellen

  • Einschränkungen in Praxen und Kliniken

  • Ausgangssperre

doctorsforchoice.de/2020/03/pm-sch…

Unsere aktuell täglich erscheinende Reihe „Wir sind #systemkritisch“ auf einen Blick:

Folge 1:

twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind systemkritisch“ - Folge 1: Betreuerin für Menschen mit mehrfacher Behinderung

Aktuell zeigt sich, wer die fundamentale Leistung in unserer Gesellschaft erbringt. Aufgrund der Corona-Krise haben viele Menschen frei oder können im Home-Office arbeiten, während viele andere Menschen in sog. „systemkritischen“ Berufen weiter täglich mit Menschen in Kontakt sind und oft unter noch stressigeren Bedingungen arbeiten müssen.
Wir stellen euch nun täglich einen dieser Menschen vor. Zum Schutz der Menschen vor eventuellen arbeitsrechtlichen Konsequenzen verwenden wir lediglich ihre Initialien. Die Realnamen und Arbeitsstellen sind uns bekannt.
Im ersten Bericht geht es um D.. Neben ihrem Job als Betreuerin in einer Einrichtung für Menschen mit mehrfacher Behinderung, gehört sie auch zum Schwarzlicht Würzburg-Team.
Die 24-Jährige muss unter den aktuellen Bedingungen ständig darauf achten „den Virus von unserem Institut und der Wohngruppe fernzuhalten“. Außerdem schätze sie, dass es durch Personalausfälle zu vielen Überstunden kommen werde. „Die eingeschränkte medizinische Versorgung bekommen wir häufig zu spüren“, sagt D.. Für die Zeit nach Corona wünsche sie sich „mehr Anerkennung für Berufe, für die man kein Studium oder Abi braucht“ und Solidarität im Kampf um „bessere Arbeitsbedingungen“.
Die Gesellschaft solle hinter allen Berufsgruppen stehen, die „uns durch die Krise gebracht haben“. Corona zeige auf, wie „gefährlich und unfair unser kapitalistisches System ist“.
Sie wünsche sich, dass sich das die „breite Gesellschaft bewusst macht“.

Da sie in einer WG lebt und einen sparsamen Lebensstil führt, reiche ihr Lohn und sie wird besser bezahlt als „in anderen Einrichtungen“.
Dennoch fragt sie sich, wie sie in Zukunft eine Familie finanzieren solle. Zudem mache sie sich Sorgen für „immer in einem Mietverhältnis gefangen zu sein, welches einen großen Teil des Lohnes schluckt.“
An die Politik hat sie klare Forderungen: „Löhne erhöhen, Betreuungsschlüssel erhöhen, mehr Verständnis bei psychischer Belastung (Burnout).

Folge 2:

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Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind systemkritisch“ - Folge 2: Krankenpfleger auf pulmologischer intensiv- und Weaning Station

Aktuell zeigt sich, wer die fundamentale Leistung in unserer Gesellschaft erbringt.
Aufgrund der #Corona-Krise haben viele Menschen frei oder können im Home-Office arbeiten, während viele andere Menschen in sog. „systemkritischen“ Berufen weiter täglich mit Menschen in Kontakt sind und oft unter noch stressigeren Bedingungen arbeiten müssen.
Wir stellen euch nun täglich einen dieser Menschen vor. Zum Schutz der Menschen vor eventuellen arbeitsrechtlichen Konsequenzen verwenden wir lediglich ihre Initialen. Die Realnamen und Arbeitsstellen sind uns bekannt.
Im zweiten Teil unserer Reihe „Wir sind systemkritisch“ geht es um J.. Der Krankenpfleger arbeitet auf einer pulmologischen intensiv- und Weaning-Station. Pulmologie bedeutet „Lungenheilkunde“ (lat. Pulmo = Lunge).
Weaning (Entwöhnung) bezeichnet die Entwöhnung von medizinischer Beatmung. In Zeiten der Lungenkrankheit Covid19 ist sein Beruf in aller Munde. J. höre nun überall „Die Pflegenden sind unsere Helden“ oder „sie stehen an vorderster Front und wir sind stolz auf sie“.
In einem Facebook-Statement (m.facebook.com/story.php?stor…) machte sich der 25-Jährige bereits Luft über die ansonsten mangelnde gesellschaftliche Anerkennung („danach sind wir wieder nur die Arschabwischer“).
Aktuell gebe es noch keine Fälle von Covid19 auf seiner Station. „Wir haben aber schon mit der aktuellen Belegung und Krankheitsausfällen genug zu tun und schieben alle Überstunden“, berichtet er uns.
Der Pflegenotstand sei kein neues Problem. Der Politik sei es schon lange bekannt, dass Personal fehle.

„Von der Gesellschaft wünsche ich mir, dass sie die Schutzmaßnahmen einhält“, so J.
Über seine Bezahlung sagt er: „Ich will nicht sagen, dass ich schlecht verdiene, allerdings bin ich direkt für Menschenleben verantwortlich“. Würde er in der Industrie Motoren schrauben, würde J. wohl 1.000 Euro monatlich mehr verdienen.
Für die Zeit nach dem Corona-Virus wünscht sich J. „mehr Anreize für einen Beruf in der Pflege zu schaffen“. Konkret fordert er: „Bessere Bezahlung und flexiblere Dienstpläne“.

Folge 3:

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Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind systemkritisch“ - Folge 3: Sozialarbeiterin für Geflüchtete/„Integrationsmanagerin“

B. ist Sozialarbeiterin für Geflüchtete. Ob B. wirklich in einem „systemkritischen“ Beruf arbeitet, ist schwer zu sagen. Sie kann uns aber definitiv viel erzählen über die Situation …
der Geflüchteten in Zeiten des #Corona-Virus. In dieser Reihe stellen wir euch täglich einen Menschen und ihren*/seinen Beruf vor. Zum Schutz der Menschen vor evtl. arbeitsrechtlichen Konsequenzen verwenden wir ldgl. ihre Initialen. Die Namen & Arbeitsstellen sind uns bekannt.
„Ob meine Arbeit systemrelevant ist, ist nicht genau definiert“, meint B. Die Sozialarbeiterin hat jahrelang Gemeinschaftsunterkünfte (GU) für Geflüchtete betreut. Als der Bedarf gesunken ist, wurde sie für ein neues Projekt engagiert & darf sich nun Integrationsmanagerin nennen.
Die Berufsbezeichnung „Integrationsmanagement“ kritisiert B., da das Wort „Integration“ suggeriere, dass sich Zugezogene zu 100% einfügen müssen und dadurch eigene Lebensweisen nicht mitgebracht werden können.
„Eine Unterbringung in Sammelunterkünften ist nicht zielführend“, so die 28-Jährige. Schon vor der Corona-Krise sei jahrelang hingewiesen worden, dass die großen Gemeinschaftsunterkünfte niemandem nutzen.
„Ich arbeite zusammen mit Kolleg*innen, die die Grundversorgung in Gemeinschaftsunterkünften sicherstellen müssen und dazu täglich vor Ort sind, mitten in großen Menschengruppen“, erklärt B.
Durch die gemeinsame Nutzung der Küchen- und Sanitärbereiche sei es unvermeidlich, sich gegenseitig anzustecken. „Seit langem kämpfen wir für eine dezentrale Unterbringung“, sagt sie. Es fehle allerdings an bezahlbarem Wohnraum.
Zusätzlich sollen große Sammelunterkünfte, wie die ANKER-Zentren nach bayrischem Vorbild, bundesweit eingeführt werden.
B. betreut auch „Sammelunterkünfte, die nicht mehr in Besitz des Landkreises, sondern der Kommune sind“. Da viele Geflüchteten nach Ablauf der 24 Monate im Heim oder der Anerkennung keine Wohnung finden, fallen sie als Obdachlose in die Zuständigkeit der Kommunen.
Um Obdachlosigkeit zu vermeiden werden Anschlussunterbringungen geschaffen. Diese seien oftmals sogar die selben Gebäude, „rechtlich aber ganz anders zu behandeln“.
„Ich darf diese Unterkünfte nur in nicht aufschiebbaren, dringenden Angelegenheiten betreten, weshalb ich seit einer Woche nur Telefon- und E-Mail-Beratung anbiete“, erzählt uns B.
Ihre Kolleg*innen in den Gemeinschaftsunterkünften leisten weiterhin täglich die Beratung und die Versorgung der Bewohner*innen mit der Post und Krankenbehandlungsscheinen.
In der Krise zeige sich noch deutlicher die Problematik gr. Unterkünfte und der Ungleichbeh. der Geflüchteten: „Würden alle Menschen dezentral untergebracht werden & hätten Anspruch auf eine Krankenversicherung, so könnten auch meine Kolleg*innen vor übertragbaren Krankheiten
geschützt werden“. Sie fordert, „dass man sich endlich um sozialen Wohnungsbau kümmert“.
Sie kritis. die Bürokratie, die „mittlerw. eine Perversion angenommen hat“, die „Ressourcen verpulvert, die in Krisenzeiten eigentlich benötigt werden“. Ihr Job bestehe zum gr. Teil aus Tätigk., die sie nur übernehmen muss, „da andere Behörden ihre Arbeit nicht richtig machen“.
Eigentlich müsste sie als Sozialarbeiterin an der „sozialen Einbettung der Klient*innen in unsere Gesellschaft arbeiten“.

Überraschenderweise bringt die Corona-Krise B. aber auch einige Vorteile.
„Einige von mir verrichtete Arbeit hatte eigentlich gar keinen Sinn und war lediglich Bürokratie“. Geflüchtete werden häufig von Behörden vorgeladen zu „Kontrollterminen“, wie B. diese Besuche nennt.
Dabei werden die Geflüchteten häufig weggeschickt, obwohl sie Rechtsansprüche besitzen. „Erst wenn ich mich als Mitarbeiterin im öffentlichen Dienst zu erkennen gebe, werden die Formulare ausgehändigt“.
In Zeiten der Pandemie sei dies einfacher. Die „Kontrolltermine“ werden einheitlich abgesagt. Anträge können nun formlos gestellt werden.
„Das, was eigentlich schon vorher gesetzlich geregelt war – auch ein mündlicher Antrag muss angenommen und die Person muss bei der richtigen schriftlichen Formulierung ihres Anliegens unterstützt werden – scheint jetzt endlich umgesetzt zu werden.
Deshalb hoffe ich, dass dies Politiker*innen nach der Krise bewusst wird: ein bedingungsloses Grundeinkommen würde unendlich viele Ressourcen freisetzen, die man im Gesundheitsbereich benötigen würde“, fordert die 28-Jährige.
Die Sozialarbeiterin, die mit ihrer Bezahlung „zufrieden ist“, fordert ein Nachdenken über eine „Reduktion der Vollzeit-Arbeitszeit bei gleicher Entlohnung, dadurch wären die Menschen produktiver und gesünder.“
Sie hofft auf einen Abbau der Bürokratie, so dass sie „endlich richtige Sozialarbeit machen kann“. Eine Abschaffung der Sammelunterkünfte würde aktuell „Infektionsherde“ verhindern und auf Dauer „psychische Erkrankungen, Auseinandersetzungen, Exklusion und Rassismus“ verringern.
Dazu bräuchte es allerdings mehr sozialen Wohnungsbau, sagt B..

B. wünscht sich, „dass wir endlich verstehen, dass wir alle gleichwertig sind. Ein Virus erwischt uns alle – egal, wo wir herkommen, wie reich und privilegiert wir sind, ob wir privat, gesetzlich oder …
gar nicht versichert sind, egal welches Geschlecht oder welche Sexualität – wir wollen alle frei, gesund und in Sicherheit leben. Und es gibt keine*n, der/die darauf weniger Anrecht hätte.“

Folge 4:

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Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind systemkritisch“ - Folge 4: Ex-Krankenpfleger / Student der Pflegepädagogik / Lehrtätigkeit an einer Krankenpflegeschule

Die #Corona-Krise zeigt, welche Menschen, die fundamentale Leistung unserer Gesellschaft bringen.
Es sind nicht die Besitzenden, sondern die Arbeitenden die unsere Grundversorgung am Leben halten. Wir wollen den Menschen aus den sog. „systemkritischen“ Berufen eine Plattform bieten, um auf die ihre aktuelle Situation und Missstände aufmerksam zu machen.
Zum Schutz der Menschen vor eventuellen arbeitsrechtlichen Konsequenzen verwenden wir lediglich ihre Initialen. Die Realnamen und Arbeitsstellen sind uns bekannt.

Heute stellen wir euch C. vor.
Sechs Jahre lang hat der 30-Jährige auf einer pulmologischen Intensivstation einer Lungenfachklinik gearbeitet. „Das Thema Beatmung ist mir sehr gut vertraut.
Eigentlich dürfte ich kaum Zeit finden diese Zeilen zu schreiben, wo es doch aktuell im Krankenhaus genug Arbeit geben sollte“, schreibt er.
Der frischgebackene Papa geht seit einiger Zeit seiner Tätigkeit als Pflegekraft auf einer Intensivstation nicht mehr nach und erklärt euch wieso.

Im „Großen und Ganzen“ habe C. die Arbeit als Krankenpfleger „sehr viel Spaß gemacht und erfüllt“.
Verzweifelt sei er an den „Umständen und Arbeitsbedingungen“.
Ihm gehe es dabei „nicht mal um eine bessere Bezahlung, die zwar gemessen an der Verantwortung und Relevanz meiner Tätigkeit lächerlich gering ist, sich aber im Vergleich mit anderen Berufsgruppen noch sehen lassen kann, sondern um andere grundlegende Faktoren.“
Der chronische Zeitmangel auf der Station habe ihn grundsätzlich daran gehindert, Menschen so zu pflegen, wie er es gelernt habe.
Es sei schlimm gewesen „Tag für Tag zu wissen, dass man Patienten hätte besser versorgen können, wenn einfach nur mehr Zeit zur Verfügung stehen würde“.
„Mit diesem Zeitmangel ist der Personalmangel untrennbar verbunden, mehr Personal bedeutet mehr Zeit und bessere Versorgung“, schreibt C. Zusätzlich habe ihm der „menschenfeindliche Dienstplan Energie und Motivation geraubt“.
„Sieben Tage Arbeit mit drei Frühdiensten, zwei Spätdiensten und zwei Nachtschichten vertragen sich einfach eher weniger gut mit unserem Biorhythmus“, kritisiert der 30-Jährige. Auch in der Freizeit, habe er nicht abschalten können.
Jederzeit hätte ihn „sein Chef anrufen können, wenn ein Kollege aufgrund einer Krankheit ausfällt“. Ihn habe das schlechte Gewissen geplagt, wäre er nicht ans Telefon gegangen, obwohl er nach sieben Tagen Arbeit keine Kraft mehr hatte, noch eine weitere Schicht dran zu hängen.
Anders hätte er aber „Patienten oder Personal im Stich gelassen“. An Wochenenden und Feiertagen musste er Freunden und Familie häufig absagen, da er Dienst hatte.
„Es ist vor allem unser völlig amoralisches und profitorientiertes Gesundheitssystem und unsere Krankenhäuser, die den Aktionären gehören und Gewinne abwerfen müssen, was den Grundgedanken der Krankenpflege ad absurdum führt“, kritisiert C.
Außerdem sei auch das Ansehen in der Bevölkerung niedrig. Im Freundeskreis habe er sich Fragen anhören müssen, was er außer „Arsch abwischen eigentlich noch auf Station mache“.
„Hätte ich da jemals angefangen mit Interpretation der Blutgasanalyse oder Optimierung von Beatmungsparametern wären verwirrte Blicke die Folge gewesen“, erklärt C.

All diese Faktoren haben C. „mürbe gemacht“ und dazu geführt, dass er sich umorientierte.
Durch eine Weiterbildung zum Praxisanleiter habe er „den Spaß an der Ausbildung neuer Mitarbeiter und Schüler entdeckt“.
Vor einem halben Jahr begann er ein Studium der Pflegepädagogik und habe nun „das Glück noch ohne Abschluss bereits die Lehrtätigkeit an einer lokalen Krankenpflegeschule aufnehmen zu dürfen.“ Damit sei er nun „sehr zufrieden“.
Er könne weiterhin der Pflege tätig sein, sei nun jedoch nicht mehr „am Bett“ und habe „geregelte Arbeitszeiten“.
„Hätte ich diesen Schritt bei besseren Arbeitsbedingungen, höherer Entlohnung und allgemein bei Beseitigung oder Verbesserung oben genannter Faktoren unternommen? Ich denke nicht“, sagt der Ex-Pfleger. Der Pflegeberuf sei einer der Berufe mit den höchsten Abbruchraten.
Die wenigsten Menschen würden bis zum Ende in diesem Job bleiben. „Meinen allergrößten Respekt zolle ich den Pflegekräften, die diesen Knochenjob bis zur Rente ausführen (können)“, erklärt der 30-Jährige.
Der Corona-Virus sei für die Pflege vielleicht eine Chance auf die Missstände aufmerksam zu machen. Diese Missstände seien allerdings seit Jahren, auch ohne Pandemie, „bekannt und existent“.
C. fordert, dass sich etwas ändert: „Ich kann nur hoffen, dass nach der Krise ein Umdenken stattfindet, denn von Applaus und Beifall kann leider keiner seine Rechnungen bezahlen.“

Folge 5:

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Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind #systemkritisch“ – Folge 5: Verkäuferin im Lebensmittelhandel Täglich stellen wir euch Menschen vor, die in „systemkritischen“ Berufen arbeiten. Oft sind es Menschen, die hart arbeiten, trotz #Corona-Krise unter Menschen sind und deren Arbeit nur mäßig entlohnt wird.
L. arbeitet als Verkäuferin in einem Bio-Lebensmittelmarkt. Dass ihr Job lebensnotwendig ist, „wusste sie auch schon vor der Krise“. Aktuell macht L. eine Ausbildung zur Einzelhändlerin und muss viele Dinge gleichzeitig beachten.
Sie muss körperlich fit sein, „mal schnell was holen“ und schwer tragen können. Gerade in verkaufsstarken Zeiten, wie diesen, mehrt sich der Arbeitsaufwand.

L. kassiert, muss auf die Sauberkeit im Laden achten und koordinieren, was nachbestellt werden muss.
Gleichzeitig ist sie immer mit den Kund*innen im Kontakt, muss dabei „ein Lächeln parat haben“ und auch in stressigen Situationen „freundlich und kompetent auf spontane Fragen der Kund*innen antworten müssen“.
Schwierig finde sie in der Corona-Krise, dass „ein Großteil Luxuseinkäufe, also keine lebensnotwendigen Einkäufe sind“. Es gebe viele Menschen, die auch aktuell „fast jeden Tag wenige Dinge einkaufen gehen“. Damit gefährdeten sie sich selbst und andere.
„Grundsätzlich freue ich mich über jeden Kunden“, so L.. Doch es sei nun eben wichtig, die sozialen Kontakte zu minimieren. „Ich finde es aktuell sehr unverantwortlich wegen einer Tüte Gummibären shoppen zu gehen“, sagt die Verkäuferin.
Sie selbst sei ebenfalls ein potenzieller Multiplikator der Viren und trage ein höheres Risiko andere anzustecken, da sie in einem guten körperlichen Zustand ist. Dadurch sei die Chance hoch, „dass ich es nicht oder erst spät bemerke“.
Testen lassen könne sie sich nur, wenn es einen akuten Verdacht gebe. Sicherheit beim Einkaufen könne sie nur gewährleisten, wenn möglichst wenige und gesunde Menschen einkaufen.
Kauft gern ein, ich versuche, das alles da ist, was ihr braucht“, erklärt L., „aber kauft doch mehr ein, so dass ihr seltener in den Laden müsst“.
Für die Zukunft wünscht sich die Auszubildende „dass mehr Menschen darauf achten, was sie kaufen, wo sie kaufen & wie hoch der Aufwand ist dies zu produzieren“. Abschließend sagt L: „Ich gebe mir jeden Tag viel Mühe, die Lebensmittel für Euch zusammen zu stellen & anzubieten
und habe ein Lächeln für euch parat - auch in stressigen Situationen.“

Folge 6:

twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind #systemkritisch“ – Folge 6: Pfleger in einer Reha-Einrichtung

Täglich stellen wir euch Menschen vor, die in „systemkritischen“ Berufen arbeiten. Oft sind es Menschen, die hart arbeiten, trotz #Corona-Krise unter Menschen sind und deren Arbeit nur mäßig entlohnt wird.
Unsere Reihe zeigt: Nicht die Besitzenden halten die Gesellschaft am Laufen, sondern die Lohnabhängigen.
M. arbeitet als Pfleger in einer Reha-Einrichtung. Er beschreibt die Bezahlungen für Pfleger*innen als „sehr unterschiedlich - von sehr schlecht bis in Ordnung ist alles dabei“.
Doch gerade in „klassischen Altenheimen“ seien die Leute eher unzufrieden mit der Bezahlung. Schlimmer finde er, dass generell „zu wenige Stellen in Einrichtungen veranschlagt sind“.
„Das schlimmste ist wirklich die Überforderung. Kommt es zu einem Krankheitsfall oder nimmt jemand Urlaub, entsteht sofort ein Riesenchaos“, berichtet M.. Auf seiner Arbeit habe er das Gefühl, „es fehlen zwei besetzte Stellen“.
Über die Jahre überfordere dies die Pfleger*innen. Durch die ständige Überforderung, werden die Pfleger*innen selbst krank, was wiederum für noch mehr Überforderung sorge.
Corona werde seiner Einschätzung nach, nicht der letzte weltweite Virus bleiben. Der 30-Jährige meint, wenn so etwas häufiger vorkomme, könne man nicht jedes mal die Gesellschaft lahmlegen.
Dennoch finde er die politischen Entscheidungen zur Eindämmung des Virus „erst einmal ok“. Allerdings verstehe er nicht, wieso bei anderen Themen, wie dem Klimawandel, nicht ebenso schnell gehandelt werde.
„Unsere Gesellschaft ist zu egoistisch“, meint M.. Er finde es auch schade, „dass unsere Gesellschaft jetzt wieder nur mit ihrem eigenen Unglück beschäftigt ist und alles andere, wie z. B. humanitäre Hilfe an unseren Grenzen vergisst“.
Nun werden Milliarden für die Wirtschaft locker gemacht. „Mit einem Bruchteil des Geldes könnten wir seit Jahren Menschenleben retten“.
Der 30-jährige Pfleger fordert ein gesamtgesellschaftliches Umdenken („weg vom Egoismus“). Für sein Arbeitsleben wünscht er sich, dass die Gesellschaft die Pflegeberufe „mehr wahrnimmt“.

Folge 7:

twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind #systemkritisch“, Folge 7: Auszubildender in der Krankenpflege

Unsere Reihe „wir sind systemkritisch“ geht weiter. Täglich erreichen uns Berichte von Menschen aus sogenannten „systemkritischen“ Berufen.
An den Balkonen wird für sie geklatscht und Politiker*innen betonen seit dem Ausbruch von #Corona permanent ihre wichtige Arbeit. Wir versuchen mit unserer Reihe, die Menschen selbst sprechen zu lassen.
Aus Schutz vor eventuellen arbeitsrechtlichen Konsequenzen verwenden wir lediglich ihre Initialen. Die Klarnamen und Arbeitsstellen sind uns bekannt.

In Folge sieben lassen wir L. sprechen.
Der 21-Jährige arbeitet im zweiten Ausbildungsjahr im Bereich Krankenpflege und ist „vor allem in einer Würzburger Klinik“ tätig. Angesichts der Corona-Pandemie betont er, „dass die Lage sehr gefährlich für jeden Menschen ist“.
Es sei egal, ob man zur Risikogruppe gehöre oder nicht. Vor allem junge Leute sollten die Maßnahmen einhalten und „nicht mit dem Argument kommen: ‘Ach, bei mir ist das ja nur wie eine harmlose Grippe’.“
Man könnte, ohne selbst Symptome zu spüren, „alle anderen anstecken, wodurch der Virus sich weiter verbreitet“. Jede*r solle sich Gedanken machen, dass dieser Virus „sehr gefährlich für unsere Gesellschaft und Demokratie ist“.
Neben den enormen gesundheitlichen Gefahren sorgt sich L., „dass gerade jetzt Terrorzellen des rechten Spektrums diese Gelegenheit nutzen, um im scheinbar Verdeckten zu handeln.“
Angesichts der jüngsten rechten Anschläge von Hanau, Halle & Kassel scheinen weitere rechte Attentate leider mehr als wahrscheinlich.

Neben der Einhaltung der Beschränkungen wünscht sich L., dass die Menschen nicht durch ihre Hamsterkäufe die notwendigen Lebensmittel aufkaufen.
„Immer, aber vor allem in dieser Zeit, soll Solidarität und Empathie an erster Stelle stehen“, fordert der 21-Jährige.
„Natürlich sind die vielen Danksagungen und die plakative Unterstützung nett, aber ändert das nichts am Gehalt des*r Pfleger*in. Die Arbeit, die jeden Tag geleistet wird, die Gefahr, die man jeden Tag eingeht, um kranken Menschen zu helfen, wird leider zu wenig geschätzt bzw.
vergütet“, schreibt der Auszubildende. Die Bezahlung der Pflege sei „miserabel“.
Für die Zeit nach Corona wünsche sich L., „dass die Leute weiterhin achtsam sind und dass sich Firmen mit dem Thema Outsourcing und Globalisierung eng auseinandersetzen sollten, da Covid_19, denke ich, auch durch die stetig wachsende Globalisierung schneller verbreitet wurde.“
Zudem fordert er mehr gesellschaftliches Interesse für die Pflege - „da wir mehr machen, als nur Waschen und die Ärsche anderer abwischen“. Insgesamt sollten sich die Arbeitsbedingungen verbessern, so L.
Neben einem deutlich höheren Gehalt fordert er, „weniger Spät-Früh-Schicht-Wechsel und mehr Personal, da in der Nachtschicht häufig eine Pflegefachkraft für 30 Patient*innen zuständig ist“.

Folge 8:

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Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind #systemkritisch“ - Folge 8: Erzieher im Kinderheim

Täglich stellen wir euch Menschen vor, die in sogenannten „systemkritischen“ Berufen arbeiten. Angesichts der #Corona-Pandemie werden sie von der Bevölkerung beklatscht & von Politiker*innen mit warmen Worten bedacht.
Doch über die eigentlichen Probleme wird zu wenig gesprochen. Handlungen und Verbesserungen bleiben vor allem in sozialen Berufen aus. Heute stellen wir euch D. vor. Aus Schutz vor eventuell arbeitsrechtlichen Konsequenzen, verwenden wir bei allen Berichten Initialen.
Die Namen und Arbeitsstellen sind uns bekannt.

Ihre Geschichten zeigen: Unsere Gesellschaft wird nicht durch Besitz, sondern die Leistung der Lohnabhängigen am Leben gehalten.
„Ich arbeite öfter mal zwölf Tage am Stück, habe dann einen freien Tag, worauf weitere sechs Tage Arbeit folgen“, erzählt D.. Der 28-Jährige arbeitet in einem Kinderheim im Raum Würzburg.
„Wir kümmern uns um Kinder mit Behinderung, Kinder aus armen Familien und sogenannte ‚schwererziehbare‘ Kinder“, erklärt uns D.. Die 40 Stunden pro Woche, die im Arbeitsvertrag stehen, werden so gut wie nie eingehalten.
D. habe ausgerechnet, dass er 43 bis 44 Stunden pro Wochen arbeite und freut sich, „gerade einmal zwei Tage frei zu haben“.
Seine Einrichtung selbst sei nicht verantwortlich. „Es gibt einen großen Mangel an Personal“, sagt er. Das Heim kann nichts dafür, dass sich niemand finde, der bereit sei, an Feiertagen, im Schichtdienst und über Nacht zu arbeiten.
Er arbeite sehr gerne in seinem Beruf. Vor allem gefalle ihm die ländliche Umgebung seiner Einrichtung. „Die Kinder gehen zu einer Privatschule. Diese wird trotz Corona weiter betrieben“, berichtet D..

Wäre die Schule zu, wäre dies ein weiteres Problem, da es an Personal mangele.
Das mache es D. schwer, bei Krankheit zu Hause zu bleiben.

Aktuell sei es den Kindern wegen Corona nicht möglich, nach Hause zu ihren Eltern zu fahren. Deswegen geht es „einigen natürlich nicht so gut“. Viele seien verständlicherweise frustriert.
„Gestern hat ein Kind geweint“, sagt D.. Man merkt, wie sehr D. das Wohl der Kinder am Herzen liegt, wenn er von der schwierigen aktuellen Situation erzählt.
Er erklärt auch immer wieder: „Generell bin ich wirklich zufrieden, mit dem was ich hier tue“. Auch das Gehalt sei nicht das primäre Problem. „500 Euro Netto mehr wären sicherlich schön“, aber an sich sei die Bezahlung „soweit in Ordnung“.
„Das Hauptproblem: Die sogenannte ‚work-life-balance‘ stimmt nicht“, kritisiert D.. Er habe „selten einmal Zeit abzuschalten“. Am Wochenende könne er nicht „mit Freunden feiern, zum Angeln oder Fußball schauen“.
Der Fußballfan muss sich sogar „frei nehmen, nur um mal am Mittwochabend ein Champions-League-Spiel schauen zu können“. Zeit für seine Partnerin bleibe dem 28-Jährigen ebenfalls wenig. Es sei eben schwierig, die Arbeitszeiten miteinander zu koordinieren.
„Ich habe am Wochenende eigentlich immer Einzeldienst, weil wir es personell nicht hinbekommen, zu zweit zu sein“, bedauert D.. Wären zwei Personen gleichzeitig in der Einrichtung, hätte er „nur ein Wochenende im Monat frei“.
„Wer leidet darunter, dass wir alleine den Dienst schieben?“, fragt D. und antwortet: „Die Kinder – weil wir keinerlei Ausflüge oder ähnliches machen können“.
Er ist der Meinung, „dass sich sowohl personell, als auch finanziell einiges tun muss in seinem systemrelevanten Beruf“. Das geschnürte Milliardenhilfspaket fließe wohl in Unternehmen. Hoffnung habe er wenig, dass das Geld den sozialen Berufen zugute kommt.
Erst jetzt in der „extremen Situation“ sei eine Wahrnehmung der Gesellschaft vorhanden. „Leider stellen wir keine Teile her, die irgendjemanden noch reicher machen, weil er sie irgendwo auf der Welt vertickt.
Wir begleiten Menschen, die der Wirtschaft leider niemals Ertrag in Form von Geld liefern können“, so D. Deswegen gelte der soziale Bereich wohl auch „als nicht wichtig“.
Abschließend sagt D. lächelnd: „Du weißt was Arbeit ist, wenn du 24 Stunden Dienst hast, mit neun schwererziehbaren Kindern“.

Folge 9

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Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind #systemkritisch“ - Folge 9: Kassiererin

Täglich berichten wir über die Menschen, in sogenannten „systemrelevanten“ oder „systemkritischen“ Berufen. Durch sie wird unsere Gesellschaft am Laufen gehalten.
Ihre Geschichten zeigen: Unser Reichtum entsteht durch reale Arbeit und nicht an Aktienmärkten.

J. arbeitet in als Kassiererin und kritisiert die fehlenden Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz: „Nicht einmal Handschuhe bekommen wir zur Verfügung gestellt.
Ich finde das unverantwortlich. Wir können den nötigen Abstand zu den Kunden gar nicht einhalten, da der Thekenbereich gerade einmal 50cm breit ist.“
Die 24-jährige arbeitet in Teilzeit bei einer großen Supermarktkette. Sie findet, dass viele Menschen mit der #Corona-Situation „sehr vernünftig umgehen“ und kritisiert Menschen, die die Situation nicht ernst nehmen und sich unvorsichtig verhalten.
„Man muss es ja nicht mega übertreiben“, meint J., aber es schade keinem „eine bestimmte Zeit mal etwas vorsichtiger und nachsichtiger mit seinen Mitmenschen umzugehen“.
Nach der Pandemie hofft sie, dass „die Menschen ihre selbstverständlichen Dinge wertschätzen“ & dass Menschen geholfen wird, deren Unternehmen um „die Existenz fürchten“. Während der Corona-Krise fände sie gut, mehr Geld zu bekommen, da die Gefahren zu dieser Zeit größer seien.
Dennoch betont sie in erster Linie die Leistung des medizinischen Personals: „Also wenn man mich fragt, sollten Ärzte, Krankenschwestern und Sanitäter definitiv mehr bekommen als sonst. Wenn nicht sogar den doppelten Lohn, da sie die eigentlichen Helden der Zeit sind.“

Folge 10

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Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind #systemkritisch“ - Folge 10: Landwirt

„Die aktuelle #Corona-Lage macht vielen Menschen deutlich, dass es systemrelevante Berufe und Tätigkeitsfelder gibt“, erklärt S. zunächst. Der Landwirt erklärt sich bereit, in unserer Reihe über seinen Beruf zu sprechen.
Dies ist bereits der zehnte Text unserer Reihe. Wir werden euch weiterhin täglich eine Person vorstellen, die in einem systemkritischen Beruf arbeitet. Aus Schutz vor evtl. arbeitsrechtlichen Konsequenzen, verwenden wir lediglich die Initialen. Die Realnamen sind uns bekannt.
In der Landwirtschaft merke S. nun, dass viele Menschen, die auf Kurzarbeit oder im Zwangsurlaub sind, ihre Hilfe anbieten. Schon vor Corona sei der „Bedeutungsverlust der Landwirtschaft ein Thema geworden“.
Durch die Bauernproteste und die grünen Kreuze auf den Feldern, sei es gelungen die Anliegen der Landwirt*innen auf die öffentliche Agenda zu bringen.
„Es braucht aber nicht ein wenig mehr Sympathie für die Bauern, sondern einen grundsätzlich anderen Umgang mit Lebensmitteln und deren Produktion“. Die Landwirtschaft müsse sich verändern - „von einem rein unternehmerischen Konzept hin zu einer gesellschaftlichen Verantwortung.“
Die meisten Landwirte seien selbstständig. Es sei daher schwierig, Aussagen über die Bezahlung in der Landwirtschaft zu treffen. Es gebe „reiche Bauern und Bauern, die an der Armutsgrenze leben“.
S. sagt: „Der Beruf des Landwirts ist eine Lebenseinstellung“. Geregelte Arbeitszeiten oder Stundenlöhne seien für ihn deshalb kein Thema.
Der Landwirt wünscht sich für die Zukunft „einen engeren Kontakt zwischen Landwirtschaft und dem Rest der Bevölkerung.“ Nur so könne die Arbeit der systemrelevanten Berufe gewürdigt werden.

Folge 11

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Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind #systemkritisch“ - Folge 11: Angestellte in der Drogerie

In der Reihe „Wir sind systemkritisch“ stellen wir euch täglich Menschen vor, die gesellschaftlich wichtige – also „systemrelevante“ - Arbeit leisten.
Ihre Arbeit zeigt, unsere Gesellschaft wird durch Arbeit und nicht durch Besitz am Leben gehalten. Aus Schutz vor eventuellen arbeitsrechtlichen Konsequenzen verwenden wir lediglich ihre Initialen. Die Realnamen sind uns bekannt.

M. arbeitet beim Marktführer der Drogeriemärkte.
„Jeder Mitarbeiter muss bei uns alles können – vom Verräumen der Ware über die Kundenberatung bis zum Kassieren“, erklärt uns M.. Die aktuelle Situation sei schwierig: „Der Fluss ist durch die Hamsterkäufe immer noch gestört und dementsprechend viel ausverkauft“.
Sie wünsche sich mehr „Rücksichtnahme“ von den Kunden. „Wenn wir sagen, bitte Abstand halten oder dass gewisse Artikel nur einmal erworben werden können, hoffe ich auf Verständnis“, so M.. Die Bezahlung könne „besser sein, ist aber ok“.
Für die Zeit nach #Corona wünsche sie sich, „einfach meine Familie außerhalb des Haushalts gesund in den Arm nehmen zu können“.

Folge 12

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Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind #systemkritisch“ Folge 12: Bestatter

Unsere Gesellschaft wird durch die Leistung der Arbeitenden am Laufen gehalten, nicht durch Besitz. Täglich stellen wir euch einen der Menschen vor, die in einem „systemkritischen“ Beruf arbeiten.
Heute stellen wir euch den Bestatter C. vor. „Noch betrifft uns die Krise nicht so stark, wie die Kolleg*innen in Italien oder Spanien, wir hoffen natürlich auch als Arbeitnehmer*innen in den Bestattungsinstituten, dass dies in Deutschland so bleibt“, schreibt C..
Seit einigen Tagen seien Plexiglasscheiben als Spukschutz zu den trauernden Angehörigen angebracht. „Außerdem versuchen wir unsere Vorräte an Desinfektionsmittel, Handschuhen, FFP-Masken und Einwegkitteln wieder aufzufüllen“, so C..
Diese seien zur Neige gegangen, da der Freistaat Bayern Bestatter*innen bis vor wenigen Tagen nicht als „systemrelevante“ Berufsgruppe angesehen hatte. Somit seien sie bei Bestellungen gleichgestellt gewesen zur „hamsternden Beate von nebenan“.
„Zum Glück hat sich das jetzt geändert“, sagt C.. Er und seine Kolleg*innen versuchen, die „Krankenhäuser und Ärzt*innen zu sensibilisieren, denn es kommt häufig vor, dass Verstorbene die Positiv auf Corona getestet wurden, nicht als solche gekennzeichnet sind, …,
und somit das Ansteckungsrisiko für uns Bestatter*innen natürlich höher ist.“ Im Alltag werde sein Beruf „leider immer noch mit vielen negativen Klischees assoziiert“. Es gebe aber vor allem im persönlichen Umfeld positive Reaktionen auf seinen Beruf.
Von „Abzocker“ über ein abfälliges “Das muss ja auch irgendwer machen”, bis hin zu “Das könnte ich niemals! Toll, dass es Menschen wie euch gibt” seien die unterschiedlichsten Reaktionen und Vorurteile zu hören.
Die Bezahlung „könnte besser sein“. Es gebe Firmen die ausgebildeten Fachkräften den Mindestlohn zahlen. Reich werde man in dieser Branche als Angestellte*r nicht. C. erzählt uns: „Im Durchschnitt bekommt man wohl zwischen 2000€ und 2400€ Bruttolohn.“
Für die Zeit nach der #Corona-Pandemie hofft er, gesund zu bleiben und, dass der Beruf „vielleicht mit einem besseren Ansehen in der Gesellschaft aus der Krise kommt“. C. hofft, „nicht mehr zu tun bekommen als üblich. Das wäre schön“.

Folge 13

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Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind #systemkritisch“ Folge 13: Freiberufliche Ergotherapeutin

In unserer Serie stellen wir euch täglich Menschen vor, die in sog. „systemkritischen“ Berufen arbeiten. Zu wenig wird über die Sorgen und Nöte der arbeitenden Bevölkerung geredet.
Durch #Corona wird klar: unsere Gesellschaft wird nicht an Aktienmärkten oder durch Besitz am „Laufen gehalten“, sondern durch die Arbeit der Vielen.
Aus Schutz vor eventuellen arbeitsrechtlichen Konsequenzen und der Einheitlichkeit halber, verwenden wir lediglich die Initialen der vorgestellten Menschen.

Heute stellen wir euch die freiberufliche Ergotherapeutin F. vor.
„Die letzten Wochen waren heikel, es hat sich nicht gut angefühlt zu arbeiten, aber es hätte sich auch nicht gut angefühlt nicht zu arbeiten“, erzählt uns die 25-Jährige. Ständig habe sie der Gedanke geplagt, Patient*innen, trotz aller getroffenen Hygienemaßnahmen,
eventuell zu infizieren oder die Patient*innen zu schädigen, wenn sie nicht weiter therapiere.

F. arbeitet hauptsächlich im pädiatrischen, psychiatrischen und handtherapeutischen Bereich. Sie macht Hausbesuche und arbeitet in zwei verschiedenen Praxen.
„Zum Schutz und Wohl aller“ sei es nun das vernünftigste nicht zu arbeiten. Doch sie habe viele Patient*innen, „die dringend Hilfe benötigen“. Kopfzerbrechen bereite ihr, „zum Beispiel stark depressive suizidale Patient*innen, die eine regelmäßige Therapie benötigen oder
frisch operierte Handpatient*innen“, nicht mehr therapieren zu können. Neuerdings gebe es wohl die Möglichkeit „Notfall-Patient*innen“ therapieren zu dürfen. Das müsse allerdings der Arzt entscheiden.

F. habe nun Soforthilfe beantragt.
Dabei hat sie schon tausende in ihre Ausbildung zur Ergotherapeutin investieren müssen. Die schulische und kostenpflichtige Ausbildung habe ca. 16.000 Euro Schulgeld für drei Ausbildungsjahre gekostet. Dabei habe sie keinen Cent verdient.
Mittlerweile ist die Ausbildung zum Glück kostenfrei in Bayern.

Ergotherapie ist ein sehr vielseitiger und wichtiger Beruf mit vielen verschiedene Bereichen wie Pädiatrie, Neurologie, Orthopädie, Gerontologie, Psychiatrie und Arbeitstherapie.
Die Ergotherapie „unterstützt und begleitet Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind, bei für sie bedeutungsvollen Betätigungen mit dem Ziel, sie in der Durchführung dieser Betätigungen in den Bereichen
Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken“, so die Definition des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten. Durch „spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung“ soll den Menschen Handlungsfähigkeit
im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung der Lebensqualität ermöglicht werden.

Für die Zeit nach der Pandemie wünscht sich F., „dass alle Therapeuten sowohl Ergos, Physios und Logos eine bessere Bezahlung bekämen, dass „Ergotherapie“ in seiner
Vielfältigkeit und Wichtigkeit gesehen wird, dass es kostenfreie/kostengünstigere Fortbildungsmöglichkeiten oder Unterstützungsmodelle und auch, dass es anerkannt wird wenn man sich weiterbildet und dieses sich im Lohn widerspiegelt.“

Folge 14

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Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind #systemkritisch“ Folge 14: Gesundheits- & Krankenpflegerin

Von CDU bis Grüne sind sich nun alle einig - Die wahren Helden arbeiten im Gesundheitsbereich.
Die gleichen Parteien die unser Gesundheitssystem durchprivatisiert haben, stellen sich nun als pol. Vertreter*innen der Pflege dar. Durch die #Corona-Krise wird eben deutlich, wessen Arbeitsleistung für uns alle unverzichtbar ist.
M. meint, die aktuelle Situation um die Corona-Pandemie stelle ein „marodes Gesundheitssystem“ auf die Probe. Seit Jahren sei das Personal überlastet, die Fluktuation hoch und es gebe „andauernden Fachkräftemangel“.
Die Pflegefachkräfte müssten dies kompensieren, was zu weiterem Druck führe und somit die Situation weiter verschärfe.

„Jetzt muss das Personal sich auf eine anrollende Infektionswelle einrichten, die gefährliche Situationen mit sich bringen wird“, schreibt uns M..
Die Zimmer der COVID-19 Patient*innen weisen keine Schleusen auf, da das nur Empfehlungen des RKI seien, das Krankenhaus müsse sich also nicht daran halten. Unter dem Hashtag #keinisomaterialfürcorona könne man sehen, welchen Situationen das Personal ausgesetzt ist.
Die Pflegenden hätten teilweise kein Material, um sich selbst und andere zu schützen.

„Pflegekräfte werden emotional unter Druck gesetzt, trotzdem Hilfe zu leisten, da das das Gebot der Menschlichkeit erfordere.
Das macht mich zutiefst betrübt“, schreibt M., die mittlerweile den „Pflegxit“ gewagt hat. Bereits in der Ausbildung habe sie erkannt, dass sie den Beruf „nicht lange ausführen“ könne. Sie arbeite nebenbei als Krankenpflegerin in verschiedenen Bereichen.
„Vollzeit wäre es mir nicht möglich diesen Beruf auszuüben“, sagt sie. Momentan warte sie auf einen Anruf für einen Sondereinsatz in der Pflege.

Sie habe lange für eine Verbesserung der Situation in der Pflege gekämpft.
„Ich habe bereits drei Demonstrationen für Pflege organisiert. Leider stößt die Problematik auf keine Resonanz in der Gesellschaft“, sagt sie uns frustriert.
Sie wünsche sich, „ein Bewusstsein in Bezug auf die Privatisierung und der daraus resultierenden Probleme, die auch zu der mangelhaften Vorbereitung auf eine Situation, wie die aktuelle, geführt haben“.

M. fordert, dass Pflegende eine Gefahrenzulage bezahlt bekommen und
der Verdienst um ein Drittel nach oben geschraubt wird. Dies fordert sie auch für Altenpfleger*innen und im ambulanten Pflegedienst. Das Gesundheitssystem benötige „umfassende und grundlegende Reformen“.
Aktuell werde versucht, mit kleinen Schritten die Situation zu verbessern. „Das reicht nicht aus!“, so M..

Die Privatisierungen müssten überdacht werden. „Momentan sieht es so aus, dass die Verluste weiterhin in staatlicher Hand sind und die Gewinne privatisiert“, meint M..
Auch pflegende Angehörige sollten besser unterstützt werden und „die Abhängigkeiten in Bezug auf die Medikamentenproduktion drastisch verringert werden“.
M. Wird sich auch weiterhin für die Pflege und eine grundlegende Reform des Gesundheitswesens einsetzen: „Denn Pflege geht uns alle an. Wir werden und waren bereits alle von Pflegebedürftigkeit betroffen.“

Folge 15

Mit dieser Folge beenden wir unsere Reihe „Wir sind systemkritisch“ vorerst. Einen großen Dank allen, die uns ihre Geschichten zugetragen und diese Reihe dadurch erst ermöglicht haben!

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Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
„Wir sind #systemkritisch“ Folge 15: Gesundheits- und Krankenpfleger in Psychiatrie

Täglich stellen wir euch Menschen vor, die während der #Corona-Krise das System am Laufen halten.
Sie sind oft weiterhin mit vielen Menschen täglich in Kontakt und arbeiten zu niedrigen Löhnen und unter hohem Stress. Aus Schutz vor eventuellen arbeitsrechtlichen Konsequenzen verwenden wir lediglich die Initialen. Die Namen und Arbeitsstellen sind uns bekannt.
A. arbeitet als Gesundheits- und Krankenpfleger in einer Klinik für Psychiatrie und sieht die aktuelle Situation mit großer Sorge: „Ich halte das Ausmaß dieser Pandemie für kaum abschätzbar und eventuell so noch nie dagewesen“.
Normalerweise besteht seine Aufgabe in der Pflege psychisch kranker Patient*innen. Durch seine allgemein gehaltene Ausbildung, sei er sich „der Problematik der aktuellen Lage bewusst.“
Er schätze, dass die Pandemie, bei der Nicht-Anwendung von geeigneten Gegenmaßnahmen, weltweit sehr viele Menschenleben fordert. Besonders sorge sich A. um „diejenigen, welche nicht in der Lage sind, sich selbst zu helfen, bzw. welche sowieso durch Vorerkrankungen schon
geschwächt sind und auf gesamtgesellschaftliche Fürsorge angewiesen sind“.

Der 27-Jährige wünscht sich von der Gesellschaft eine „bedingungslose Solidarität, unabhängig von ethnischen, politischen und geographischen Grenzen.“
Er meint: „Ein Virus unterscheidet hier nicht, was wir ebenfalls nicht sollten. Persönlicher oder nationaler Egoismus schadet hierbei nur und birgt das Potenzial deutlich mehr Chaos anzurichten, als das irgendjemanden geholfen wird.“
Seinen Beruf selbst finde er „nicht extrem unterbezahlt“. Jedoch habe nicht jede*r Krankenpfleger*in das Glück, im öffentlichen Dienst mit dementsprechendem Tarifvertrag zu arbeiten.
In der aktuellen Lage halte er es für unangebracht für eine bessere Bezahlung zu streiten, da er die Begrenzung des nun angerichteten Schadens für deutlich wichtiger erachte.
Seiner Meinung nach wäre es perspektivisch hilfreich „die personelle Besetzung zu verbessern, die Wochenarbeitszeit zu reduzieren und die Häufigkeit von Wechselschichten zu minimieren.“
Für die Zeit nach Corona wünscht sich A. „die Beibehaltung des momentan guten Zusammenhalts unserer Gesellschaft“. Dies könne eventuell sogar helfen, andere Konflikte, seien sie „ethnisch, politisch oder sozial“ zu überwinden.
Er würde gerne die soziale Lage seiner Patient*innen verbessern. Diese seien durch ihre psychische Erkrankung meist massiv gesellschaftlich stigmatisiert. Außerdem sei die Betreuung in den Pflegeheimen „oft nicht optimal, da es zu wenige geeignete Plätze gibt, welche noch
durch zu geringe Bezahlung und schlechtere Arbeitsbedingungen meist unterbesetzt sind“. „Eine Erhöhung der Zulagen für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit sind notwendig, da diese vor allem im Vergleich zu denen in der Industrie nicht zu rechtfertigen sind“, fordert A..
Zusammenfassend wünscht sich der 27-Jährige „eine bessere Versorgung des Gesundheitssystems generell und vor allem den Beruf als Gesundheits- und Krankenpfleger /in attraktiver zu gestalten, um der immer stärker werdenden Personalnot entgegenzuwirken.“

„Wir sind systemkritisch“ - Folge 3: Sozialarbeiterin für Geflüchtete/„Integrationsmanagerin“

B. ist Sozialarbeiterin für Geflüchtete. Ob B. wirklich in einem „systemkritischen“ Beruf arbeitet, ist schwer zu sagen. Sie kann uns aber definitiv viel erzählen über die Situation … der Geflüchteten in Zeiten des #Corona-Virus. In dieser Reihe stellen wir euch täglich einen Menschen und ihren*/seinen Beruf vor. Zum Schutz der Menschen vor evtl. arbeitsrechtlichen Konsequenzen verwenden wir ldgl. ihre Initialen. Die Namen & Arbeitsstellen sind uns bekannt. „Ob meine Arbeit systemrelevant ist, ist nicht genau definiert“, meint B. Die Sozialarbeiterin hat jahrelang Gemeinschaftsunterkünfte (GU) für Geflüchtete betreut. Als der Bedarf gesunken ist, wurde sie für ein neues Projekt engagiert & darf sich nun Integrationsmanagerin nennen. Die Berufsbezeichnung „Integrationsmanagement“ kritisiert B., da das Wort „Integration“ suggeriere, dass sich Zugezogene zu 100% einfügen müssen und dadurch eigene Lebensweisen nicht mitgebracht werden können. „Eine Unterbringung in Sammelunterkünften ist nicht zielführend“, so die 28-Jährige. Schon vor der Corona-Krise sei jahrelang hingewiesen worden, dass die großen Gemeinschaftsunterkünfte niemandem nutzen. „Ich arbeite zusammen mit Kolleg*innen, die die Grundversorgung in Gemeinschaftsunterkünften sicherstellen müssen und dazu täglich vor Ort sind, mitten in großen Menschengruppen“, erklärt B. Durch die gemeinsame Nutzung der Küchen- und Sanitärbereiche sei es unvermeidlich, sich gegenseitig anzustecken. „Seit langem kämpfen wir für eine dezentrale Unterbringung“, sagt sie. Es fehle allerdings an bezahlbarem Wohnraum. Zusätzlich sollen große Sammelunterkünfte, wie die ANKER-Zentren nach bayrischem Vorbild, bundesweit eingeführt werden. B. betreut auch „Sammelunterkünfte, die nicht mehr in Besitz des Landkreises, sondern der Kommune sind“. Da viele Geflüchteten nach Ablauf der 24 Monate im Heim oder der Anerkennung keine Wohnung finden, fallen sie als Obdachlose in die Zuständigkeit der Kommunen. Um Obdachlosigkeit zu vermeiden werden Anschlussunterbringungen geschaffen. Diese seien oftmals sogar die selben Gebäude, „rechtlich aber ganz anders zu behandeln“. „Ich darf diese Unterkünfte nur in nicht aufschiebbaren, dringenden Angelegenheiten betreten, weshalb ich seit einer Woche nur Telefon- und E-Mail-Beratung anbiete“, erzählt uns B. Ihre Kolleg*innen in den Gemeinschaftsunterkünften leisten weiterhin täglich die Beratung und die Versorgung der Bewohner*innen mit der Post und Krankenbehandlungsscheinen. In der Krise zeige sich noch deutlicher die Problematik gr. Unterkünfte und der Ungleichbeh. der Geflüchteten: „Würden alle Menschen dezentral untergebracht werden & hätten Anspruch auf eine Krankenversicherung, so könnten auch meine Kolleg*innen vor übertragbaren Krankheiten geschützt werden“. Sie fordert, „dass man sich endlich um sozialen Wohnungsbau kümmert“. Sie kritis. die Bürokratie, die „mittlerw. eine Perversion angenommen hat“, die „Ressourcen verpulvert, die in Krisenzeiten eigentlich benötigt werden“. Ihr Job bestehe zum gr. Teil aus Tätigk., die sie nur übernehmen muss, „da andere Behörden ihre Arbeit nicht richtig machen“. Eigentlich müsste sie als Sozialarbeiterin an der „sozialen Einbettung der Klient*innen in unsere Gesellschaft arbeiten“.

Überraschenderweise bringt die Corona-Krise B. aber auch einige Vorteile. „Einige von mir verrichtete Arbeit hatte eigentlich gar keinen Sinn und war lediglich Bürokratie“. Geflüchtete werden häufig von Behörden vorgeladen zu „Kontrollterminen“, wie B. diese Besuche nennt. Dabei werden die Geflüchteten häufig weggeschickt, obwohl sie Rechtsansprüche besitzen. „Erst wenn ich mich als Mitarbeiterin im öffentlichen Dienst zu erkennen gebe, werden die Formulare ausgehändigt“. In Zeiten der Pandemie sei dies einfacher. Die „Kontrolltermine“ werden einheitlich abgesagt. Anträge können nun formlos gestellt werden. „Das, was eigentlich schon vorher gesetzlich geregelt war – auch ein mündlicher Antrag muss angenommen und die Person muss bei der richtigen schriftlichen Formulierung ihres Anliegens unterstützt werden – scheint jetzt endlich umgesetzt zu werden. Deshalb hoffe ich, dass dies Politiker*innen nach der Krise bewusst wird: ein bedingungsloses Grundeinkommen würde unendlich viele Ressourcen freisetzen, die man im Gesundheitsbereich benötigen würde“, fordert die 28-Jährige. Die Sozialarbeiterin, die mit ihrer Bezahlung „zufrieden ist“, fordert ein Nachdenken über eine „Reduktion der Vollzeit-Arbeitszeit bei gleicher Entlohnung, dadurch wären die Menschen produktiver und gesünder.“ Sie hofft auf einen Abbau der Bürokratie, so dass sie „endlich richtige Sozialarbeit machen kann“. Eine Abschaffung der Sammelunterkünfte würde aktuell „Infektionsherde“ verhindern und auf Dauer „psychische Erkrankungen, Auseinandersetzungen, Exklusion und Rassismus“ verringern. Dazu bräuchte es allerdings mehr sozialen Wohnungsbau, sagt B..

B. wünscht sich, „dass wir endlich verstehen, dass wir alle gleichwertig sind. Ein Virus erwischt uns alle – egal, wo wir herkommen, wie reich und privilegiert wir sind, ob wir privat, gesetzlich oder … gar nicht versichert sind, egal welches Geschlecht oder welche Sexualität – wir wollen alle frei, gesund und in Sicherheit leben. Und es gibt keine*n, der/die darauf weniger Anrecht hätte.“

Während Grundrechte eingeschränkt werden, läuft die Industrieproduktion weiter. @Markus_Soeder inszeniert sich in der #Corona-Krise als zupackender Politiker und bekommt medialen Support. Seine Maßnahmen zeigen nur zu gut, welche Prioritäten der CSU-Politik zugrunde liegen: Profit vor Grundrechten und Gesundheit der Lohnabhängigen. Die Krise radikalisiert sich immer weiter. Die heute verkündeten Massentlassungen beim Rottendorfer Modekonzern @soliver_wue werden nicht die letzten sein. Dass von der #CSU keine ernsthafte Unterstützung für arme Menschen zu erwarten ist, ist leider nur logisch. In Italien soll die Aufrechterhaltung der Industrie, die vor allem im Norden angesiedelt ist, für die eskalative Ausbreitung von Covid19 mitverantwortlich sein. Stefan Dietl schreibt darüber in der @Jungle_World und kritisiert auch @HubertAiwanger, der statt für soziale Unterstützung zu sorgen, Arbeitnehmer*innen auffordert, Spargel zu stechen, da die schlecht bezahlten Arbeiter*innen aus dem Ausland nun fehlen.

jungle.world/artikel/2020/1… Fight the system!

s.Oliver entlässt 170 Arbeiter*innen

@soliver_wue aus Rottendorf (Vorort von Würzburg) kündigt 170 Mitarbeiter*innen. Die #Corona-Krise zeige dem Konzernchef, wie notwendig diese Entscheidung sei. Schon vorher sei allerdings die Entlassung beschlossen worden, um die Profitraten des Modekonzerns noch weiter zu steigern. In den Jahren zuvor war der Konzerngewinn auf hunderte Millionen jährlich gestiegen.

Der Kapitalismus ist so pervers, Zeit ihm den Kampf anzusagen. Quelle: m.mainpost.de/ueberregional/…

#Corona birgt neben der Erkrankung an sich viele weitere Gefahren. Menschen werden durch neue Ausgangsbeschränkungen isoliert und der Zugang zu ärztlicher Hilfe erschwert. Für an #Depression erkrankte Menschen kann sich diese Situation negativ auf die Krankheit auswirken. Die Deutsche Depressionshilfe macht deshalb ihr Online-Programm iFightDepression für 6 Wochen frei zugänglich. Weitere Informationen: deutsche-depressionshilfe.de/news/details/c…

Wir wollen allen Betroffenen dazu raten, die Hilfe einzuholen. Nehmt die Krankheit ernst! An dieser Stelle wollen wir auch erneut auf Hilfsmöglichkeiten im Rahmen von häuslicher Gewalt verweisen:

twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Gewalt in der Partnerschaft macht nicht vor #Corona halt.

Soziale Distanzierung und Quarantäne zusammen mit dem*der Partner*in kann für viele die Hölle bedeuten.

Das hilfetelefon.de steht auch jetzt für alle bereit: 08000 116 016
Auch auch folgende Nummern wollen wir hinweisen:

twitter.com/LeaGronenberg/…

Lea (@LeaGronenberg):
Für viele Menschen bringt #SocialDistancing weitere Probleme mit sich. Teilt deshalb bitte:

  • Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen” 08000 116 016 

-Telefonseelsorge 0800 11 10 111 oder 0800 11 10 222

  • Kinder- und Jugendtelefon

0800 11 10 333

-Sucht- und Drogenhotline 01805 31 30 31

Im Zuge der #Corona-Krise planen große Telekommunikationsunternehmen wie Telekom und Telefonica (hierzu gehört beispielsweise O2) anonymiserte Handydaten bzgl Bewegungsprofile ans @rki_de und Behörden weiterzugeben. Es muss beim Netzbetreiber aktiv abgelehnt werden, damit die Daten nicht weitergegeben werden. Damit ihr selbst entscheiden könnt, inwieweit eure Daten vor dem Hintergrund der zunehmenden Überwachung und Auslesung verwendet werden, hier die Links zur Einreichung einer Ablehnung. Der Vorgang geht ganz schnell, sollte aber vom Laptop aus vorgenommen werden, da es mit dem Handybrowser scheinbar häufiger nicht funktioniert hat.

Telekom: optout-service.telekom-dienste.de/public/anmeldu…

O2: telefonica.de/dap/selbst-ent…

Quelle:

netzpolitik.org/2020/unverhoff…

„Wir sind systemkritisch“ - Folge 2: Krankenpfleger auf pulmologischer intensiv- und Weaning Station

Aktuell zeigt sich, wer die fundamentale Leistung in unserer Gesellschaft erbringt. Aufgrund der #Corona-Krise haben viele Menschen frei oder können im Home-Office arbeiten, während viele andere Menschen in sog. „systemkritischen“ Berufen weiter täglich mit Menschen in Kontakt sind und oft unter noch stressigeren Bedingungen arbeiten müssen. Wir stellen euch nun täglich einen dieser Menschen vor. Zum Schutz der Menschen vor eventuellen arbeitsrechtlichen Konsequenzen verwenden wir lediglich ihre Initialen. Die Realnamen und Arbeitsstellen sind uns bekannt. Im zweiten Teil unserer Reihe „Wir sind systemkritisch“ geht es um J.. Der Krankenpfleger arbeitet auf einer pulmologischen intensiv- und Weaning-Station. Pulmologie bedeutet „Lungenheilkunde“ (lat. Pulmo = Lunge). Weaning (Entwöhnung) bezeichnet die Entwöhnung von medizinischer Beatmung. In Zeiten der Lungenkrankheit Covid19 ist sein Beruf in aller Munde. J. höre nun überall „Die Pflegenden sind unsere Helden“ oder „sie stehen an vorderster Front und wir sind stolz auf sie“. In einem Facebook-Statement (m.facebook.com/story.php?stor…) machte sich der 25-Jährige bereits Luft über die ansonsten mangelnde gesellschaftliche Anerkennung („danach sind wir wieder nur die Arschabwischer“). Aktuell gebe es noch keine Fälle von Covid19 auf seiner Station. „Wir haben aber schon mit der aktuellen Belegung und Krankheitsausfällen genug zu tun und schieben alle Überstunden“, berichtet er uns. Der Pflegenotstand sei kein neues Problem. Der Politik sei es schon lange bekannt, dass Personal fehle.

„Von der Gesellschaft wünsche ich mir, dass sie die Schutzmaßnahmen einhält“, so J. Über seine Bezahlung sagt er: „Ich will nicht sagen, dass ich schlecht verdiene, allerdings bin ich direkt für Menschenleben verantwortlich“. Würde er in der Industrie Motoren schrauben, würde J. wohl 1.000 Euro monatlich mehr verdienen. Für die Zeit nach dem Corona-Virus wünscht sich J. „mehr Anreize für einen Beruf in der Pflege zu schaffen“. Konkret fordert er: „Bessere Bezahlung und flexiblere Dienstpläne“.

#Grundeinkommen jetzt!

Nachdem die Debatte über ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) in den letzten Jahren, zumindest von Teilen der Bevölkerung entfacht, Finanzierungsvorschläge erstellt (in Deutschland gab es bereits 2012 zahlr. Modelle: grundeinkommen.de/grundeinkommen…) und Pilotprojekte durchgeführt wurden, befinden wir uns mit der aktuellen Situation durch #Corona in einer kritischen Lage der Arbeitswelt, in der das #BGE für Betroffene existenziell notwendig sein kann. Auf einmal fehlen breiten Bevölkerungsschichten die Einkommen, laufende Kosten belasten sie dennoch weiter. Statt dass die Bundesregierung in verschiedenen Schritten milliardenschwere Kreditprogramme zur Rettung von Subgruppen schnürt, brauchen wir nun eine flächendeckende finanzielle Hilfe für alle. Nicht nur die Existenzsicherung kann hiermit ermöglicht werden, sondern auch das minimale Ankurbeln der Wirtschaft und der Erhalt verschiedener Kleinbetriebe. Gestern teilte die NATO mit, dass Deutschland seine Militärausgaben im vergangenen Jahr massiv erhöht hat. Deutschland erhöhte seine Militärausgaben um fünf Milliarden Dollar auf 54,8 Milliarden. Der Anteil der Militärausgaben am BIP beträgt nun 1,38 % (2018: 1,24%). Angestrebt wird entsprechend der NATO-Vorgaben ein Anstieg auf 2% des BIP (rp-online.de/politik/auslan…). Beim BGE hingegen wird mit zu hohen Kosten argumentiert. Covid 19 stellt nicht nur eine Zerreißprobe für das Gesundheitssystem dar, sondern gefährdet die soziale Existenz Millionen Lohnabhängiger. Die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens für 6 Monate wäre eine Maßnahme, die bei allen Menschen ankommt. Ökonomische Frustration & mangelnde Solidarität untereinander, bereiten den Nährboden für einfach Feindbilder. Beispielsweise grassieren bereits hunderte Theorien im Internet, die eine jüdische Weltverschwörung wittern o. Illuminaten hinter dem Ausbr. der Pandemie wissen wollen. Eine Existenzsicherung aller könnte ermöglicht und dadurch auch ein solidarischer Umgang der Menschen untereinander unterstützt werden.

Wir wollen nicht, dass das Geld in die Rettung großer Banken, Großunternehmen und Waffen für mehr Kriege gesteckt wird. Das Geld den Menschen! Unterstützt daher die Petition für das Bedingungslose Grundeinkommen!

change.org/p/finanzminist…

Bio-Müll ab jetzt in den Restmüll! #Corona

“Wichtige Information der „Stadtreiniger“ - Nur noch Leerung der Restmülltonnen

Aufgrund der aktuellen Situation werden im Stadtgebiet auf unbestimmte Zeit nur noch die Leerungen der Restmülltonnen gemäß dem Abfallkalender stattfinden. Die Bevölkerung ist aufgerufen, ab sofort den anfallenden Biomüll über die Restmülltonne zu entsorgen.

Bereits befüllte Biomüllgefäße werden letzmalig nach und nach geleert.

Die Leerung der blauen Gefäße für Papier wird ab sofort ebenf. auf unbestimmte Zeit nicht stattfinden. Weiterhin teilen wir mit, dass die Wertstoffhöfe sowie die Umweltstation in Würzburg geschlossen sind.

Sperrmüllsammlungen und die Grüngutafuhr sind ebenfalls auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Die Straßenreinigung wird nur noch punktuell durchgeführt. Wir bitten in dieser Zeit um Verständnis.”

Quelle: wuerzburg.de/themen/umwelt-…

Die Bundesregierung kündigte heute an das Resettlement Verfahren mit der #Türkei und die Resettlement-Verfahren des Bundes für Menschen in humanitären Notlagen „bis auf Weiteres auszusetzen“. Begründet werden die Maßnahmen mit der Ausbreitung der #Covid19-Pandemie. Konkret bedeutet dies, die Menschen in absoluter humanitärer Notlage werden alleine gelassen. Anstatt jetzt freigewordene Hotelkapazitäten zu nutzen, um einreisende Geflüchtete quarantieren zu können, werden die Menschen an der Ägäis im Stich gelassen. „Moria (Anmerkung: Das völlig überfüllte Flüchtlingslager auf #Lesbos) hat gestern gebrannt, schrecklich!“, schreibt uns am gestrigen Dienstag unser Kontakt (H.) auf der griechischen Insel Lesbos. Drei Container hätten gebrannt. „Ich habe mitbekommen, dass zwei Kinder gestorben sind“, so H..

„Mittlerweile ist auch #Corona hier ein großes Thema und wir sind halb in Quarantäne“, berichtet H. Sie berichtet von dramatischen Zuständen: „Alle haben richtig Angst, dass der Virus in #Moria ausbricht – Es gibt keine Möglichkeiten sich ordentlich die Hände zu waschen und nicht einmal Zugang zu ausreichender Gesundheitsversorgung“, schreibt sie uns. Gestern schrieb die @taz pessimistisch: „Die anderen EU-Länder streiten sich immer noch darüber, wer wie viele unbegleitete Kinder aufnehmen soll und was das für Konsequenzen haben könnte. Als würden nur Kinder ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben in Sicherheit haben. Für allein reisende Geflüchtete und die vielen Familien in Moria ist anscheinend nirgendwo Platz.“ Unter dem #LeaveNoOneBehind haben in wenigen Tagen bereits über 40.000 Menschen unterschrieben, die Corona-Katastrophe auch an den Außengrenzen endlich ernst zu nehmen. Die Petition fordert die Evakuierung der überfüllten Lager, notwendige Schutzmaßnahmen vor Corona (auch in Flüchtlingslagern), den Zugang zu medizinischer Versorgung für Obdachlose und Geflüchtete und den Zugang zum Asylverfahren. Unterzeichnen könnt ihr hier:

change.org/p/alle-mensche…

Es ist der Tag gekommen, an dem wir mit einem unserer Prinzipien brechen: dies ist ein dringender #SPENDENAUFRUF für uns selbst – Schwarzlicht! Denn: von andauernder Kapitalismuskritik können wir uns auch nicht ernähren.

Vorneweg: wir wollen Schwarzlicht nicht als Einkommensquelle nutzen. Allerdings wollen wir uns hiermit einem in finanzieller Not befindlichen Genossen gegenüber solidarisch zeigen. Seit vielen Jahren täglich für Schwarzlicht aktiv, zwingt ihn die aktuelle Lage, auch bedingt durch Corona, zu einer Entscheidung: Würzburg verlassen, oder vorübergehend Spenden annehmen. Wir, das Schwarzlicht Kollektiv, wollen Ersteres unbedingt vermeiden! Ohne ihn würde nicht nur ein toller Genosse fehlen, auch Schwarzlicht selbst stünde vor ungewissem Ausgang. Unsere Solidarität muss also finanziell sein. Deshalb freuen wir uns über jeden Cent, welcher uns bei PayPal (paypal.com/pools/c/8nsCI5…) erreicht und hundertprozentig dem Genossen weitergeleitet wird. Bitte lest selbst die Worte unseres Genossen:

Mich freut, dass meine Genoss*innen des Schwarzlicht Würzburg Kollektivs so solidarisch mit mir sind und mir die Möglichkeit geben, euch um Hilfe zu bitten. Diesen Text schreibe ich (Schnack) aus Verzweiflung. Gerade sah es aus als könne ich meine Finanzen in nächster Zeit in den Griff bekommen. Doch die Kulturstätte, in der ich arbeite ist nun geschlossen. Meine Haupteinnahmequelle fällt weg. Derzeit bin ich mit ein paar hundert Euro bei Freund*innen und Geschwistern (DANKE! <3) verschuldet. Meinen letzten Ferienjob musste ich aufgrund einer Krankheit abbrechen und bin nun pleite, da mir kein Krankengeld oder Lohnfortzahlung zustand. Meine Eltern arbeiten in der Reisebranche, doch derzeit wird eben nicht gereist.

Meine eigentliche (aber komplett unbezahlte) Arbeit ist allerdings Schwarzlicht Würzburg. Seit Anfang an berichte ich hier über Demonstrationen, Nazis und Geschichten, die anderswo keinen Platz finden. Seit vielen Jahren bin ich politisch aktiv. Mein Ziel war es, durch Schwarzlicht Würzburg, das ganze Engagement der basispolitischen, parteiunabhängigen Szene Würzburgs abzubilden. Mir war es wichtig, die verschiedenen Themen zusammenzubringen, da für mich der Kampf für eine soziale Gesellschaft zusammenhängt mit dem Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus, Sexismus, Trans- und Homofeindlichkeit. Mittlerweile sind wir ein tolles Kollektiv, das die breite Unterstützung der linken Szene Würzburgs genießt. Wir motivieren uns gegenseitig und stecken alle sehr viel Zeit in Schwarzlicht Würzburg. Bei mir sind es täglich zwei bis teilweise zehn Stunden. Hinter den Postings steckt viel Zeit für Recherche, Fotografieren, Filmen, Mitschreiben, Schreiben, Posten, eure Nachrichten beantworten, Kommentare moderieren und die intensiven internen Diskussionen über die Texte.

Alleine meine Miete frisst einen großen Teil der Einnahmen. Zusätzlich hat mir die Krankenkasse einen Brief geschrieben, dass ich mehrere hundert Euro nachzahlen muss, da mein Arbeitgeber dies seit Januar nicht mehr übernimmt. Nun weiß ich nicht weiter, bin verzweifelt und überlege meine Wohnung aufzugeben.

Doch ich möchte hier bleiben. Ich kann nicht anders. Ich will in Würzburg vor Ort sein, wenn Leute auf die Straße gehen, Vorträge stattfinden und sich Nazis herumtreiben. Bestimmt würden mir Freund*innen weiter Geld leihen, allerdings fühle ich mich dabei nicht länger wohl, da ich eh schon Schulden habe. Deshalb bitte ich Euch um Unterstützung, falls ihr unsere Arbeit wertschätzt und ein paar Euro abgeben könnt. Diese werde ich ausschließlich verwenden, um Krankenkassenrechnung, Miete und Schulden zu bezahlen. Und bitte spendet nur, wenn ihr das auch in Anbetracht der kommenden Krise könnt. Ich versuche nebenbei natürlich möglichst jeden Job zu bekommen. Falls ich „zu viel“ Geld bekomme, teile ich dies mit Menschen und Organisationen, die ebenfalls bedingt durch die #Corona-Krise in finanziellen Schwierigkeiten sind.

Schnack

Hier spenden: paypal.com/pools/c/8nsCI5…

Wahlanalyse zur Würzburger

Über Wochen grinsten uns auf tausenden Wahlplakaten die Kandidat*innen zur #Kommunalwahl 2020 an. Politiker*innen jeder Partei wollen auf einmal auf unseren Demonstrationen sprechen. Trotz der von uns berichteten höheren Inklusionshindernisse durch die #Corona-Pandemie fanden die Wahlen statt. Am Montagnachmittag stand endlich das vorläufige Ergebnis der Stadtratswahl fest, nachdem es „bei der Eingabe der letzten drei Briefwahlbezirke technische Probleme“ gegeben hatte. Christian Schuchardt bleibt Oberbürgermeister von Würzburg. Schuchardt gewinnt mit 28.404 Stimmen (51,95 %) vor Martin Heilig, der mit 32,18 % hinter den Erwartungen zurückblieb. Trotz deutlich grünerem Stadtrat und Verlusten der #CSU, kann Schuchardt 3 Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2014 zulegen (2014: 48,67 %). Die ehemalige Europaabgeordnete und SPD-Kandidatin Kerstin Westphal verliert drastisch (4,89 Prozent). Für Sebastian Roth (LINKE) ist das Ergebnis durchaus solide (3,84 %). Dewald (ÖDP) fiel im Wahlkampf durch fragwürdige Statements auf, wie etwa, dass sie die #noAfD in den Diskurs einbeziehen möchte und vereint nur 2,05 % der Stimmen auf sich. Ohmert (FWG) konnte, trotz/wegen seiner polemischen Kritik an #FFF und Forderungen nach mehr #Videoüberwachung, 5,09 % der Würzburger Wähler*innen überzeugen. Im Stadtrat gewinnen die Grünen.

Mit 32,48 Prozent der Stimmen (2014: 17,49 %) werden sie stärkste Fraktion mit 16 Sitzen. Die CSU büßt mit 29,25 % (2014: 33,04 %) deutlich ein und verliert nun 3 Sitze (2014: 17; 2020: 14). Die SPD sackt auch im Stadtrat katastrophal ab.

Mit 9,22 % (2014: 19,49 %) können sie nur 4 der 10 Sitze halten. Ein deutlicher Erfolg ist es für die Linken. Sebastian Roth sitzt nun nicht mehr alleine als Stadtrat. Durch die 5,26 % für die Linke schaffen es auch Anna-Maria Dürr und Barbara Meyer ins höchste städtische Gremium. „Zukunft für Würzburg“ verliert beide Sitze und ist nun nicht mehr im Stadtrat vertreten. ÖDP, FWG und FDP stagnieren. Die Würzburger Liste und das Bürgerforum verlieren jeweils einen Sitz. Das Bürgerforum hatte nur einen und ist somit raus. Es sitzen nun auch zwei extreme Rechte im Würzburger Stadtrat. Die beiden #noAfD.ler Wolfgang Freiherr von Eyb und Ludwig Mechler wurden durch tausende Würzburger*innen gewählt. Obwohl die bürgerliche Maske der Würzburger #noAfD im Vorfeld der Wahl komplett gefallen war, gaben 3,82 % der Würzburger*innen ihre Stimme.

Sie wählten offenen Antisemitismus und Rassismus.

Dennoch zeigt sich: Konservative können profitieren, wenn sie sich klar gegen die #noAfD positionieren. In den vergangenen sechs Jahren sprach sich Christian Schuchardt deutlich gegen PEGIDA, den „Dritten Weg“ und die #noAfD aus. Letztere zeigte er sogar aufgrund der Aussagen in der YouTube-Doku (youtube.com/watch?v=1sikQo…) an. Während des Sommers der Migration 2015 fuhr er die Linie von Parteikollegin Angela Merkel. Tausenden ehrenamtlichen Helfer*innen ist zu danken, dass viele Menschen hier nun halbwegs in Sicherheit leben können. Schuchardt stellte sich hinter die Helfer*innen und sprach sich in den letzten Jahren für einen „Sicheren Hafen“ Würzburg aus. Bisher ist daraus jedoch nichts resultiert, während die Lage an der türkisch-griechischen Grenze immer bedrohlicher wird und uns täglich Schreckensnachrichten von ertrunkenen Menschen im Mittelmeer erreichen. Dass er so deutlich gegen Heilig gewinnen konnte, liegt auch daran, dass sich Menschen in der aktuellen Corona-Krise nach Stabilität sehnen. Schuchardt inszenierte sich selbst als Finanzpolitiker und Moderator zwischen den verschiedenen Interessen. Zudem sorgte er nicht für große Skandale. Als das Bündnis Verkehrswende 2019 einen Radentscheid durchsetzen wollte, um endlich die katastrophale Situation für Fahrradfahrer zu ändern, übernahm Schuchardt deren Forderungen einfach. Erst wenn ihm Druck gemacht wird, sieht er sich gezwungen verkehrspolitisch zu handeln. Während sich Schuchardt für Projekte wie das Hubland, das Mainfrankentheater oder das Nautiland feiert, leiden immer mehr Würzburger*innen unter steigenden #Mieten und höheren Kosten für den #ÖPNV. Zudem trifft die Klimakrise Würzburg hart. Die Sommer werden immer heißer, worunter v. a. alte Menschen leiden, zudem sterben die Bäume zu tausenden ab, was das Stadtklima weiter verschlechtert. Trotzdem verfehlt Würzburg 2020 sein Ziel, die Emissionen im Vergleich zu 1990 zu halbieren. Seit Jahren wird die Straßenbahnlinie 6 (Barbarossplatz – Residenz – Frauenland – Hubland) geplant und seit Jahren passiert nichts. Dabei wird immer deutlicher: Nur mit einem günstigen und attraktiven ÖPNV lässt sich das Auto aus der Stadt drängen. Zudem verliert Würzburg mit der #Posthalle am Hauptbahnhof einen der wichtigsten Kulturorte der Region. Wo aktuell dutzende Projekte (Immerhin <3) ihren Platz haben, soll bald nur noch Platz für reiche Pendler*innen sein. Die Beethoven-Gruppe möchte dort Wohnungen bauen. Die Initiative für ein Soziokulturelles Zentrum fordert seit Jahren ein selbstverwaltetes, kulturelles Zentrum in Würzburg. Der OB zeigte sich zwar gesprächsbereit, doch passiert ist nichts. Im Stadtrat wird die #noAfD wohl trotz der beiden Sitze keine Rolle spielen.

Die ÖDP sollte sich schleunigst mal überlegen, ihre gesprächsbereite Haltung gegenüber der #noAfD aufzugeben. In Sachen Klimaschutz und ÖPNV müssen endlich Handlungen her.

Außer der Einführung eines Nachtbusses hat sich nichts verbessert. Die völlig überzogenen Preise stellen das größte Problem dar. Die soziale Situation muss sich sofort verbessern. Die Mietpreise explodieren seit Jahren und immer mehr ärmere Menschen werden aus der Stadt gedrängt. Quelle: wuerzburgwiki.de/wiki/Kommunalw… wuerzburg.de/wahlen/Wahl-20… Wie @wue_reporter bereits angemerkt hat, sind uns in diesem Text leider gleich zwei Fehler unterlaufen. Wir bitten diese zu entschuldigen.

Richtigstellung: das “Bürgerforum” und “Zukunft für Würzburg” sind je mit einem Sitz vertreten. In den letzten Tagen sind unserem Kollektiv leider verstärkt Fehler unterlaufen. Dies tut uns wirklich leid. Dennoch ist es nicht zu entschuldigen. Es wir unserem Anspruch an uns selbst und und eurem an uns nicht gerecht. Wir sind ein DIY-Kollektiv, das aus einer Handvoll unbezahlter Aktivist*innen besteht, die ihre Freizeit sowohl für politische Arbeit als auch für Schwarzlicht opfern. Nebenzu laufen Studium und/oder Job. Da können Fehler natürlich passieren – was aber nicht heißt, dass es passieren sollte.

Sollten uns trotzdem welche unterlaufen, dann weist uns bitte darauf hin, damit wir das richtigstellen können. Wir sind auch nur Menschen, die hin und wieder auch nur „Korrektur-überfliegen“.

Die Korrektheit unserer Texte steht für uns jedoch an erster Stelle.

Wir hoffen auf euer Verständnis.

Plenum? Oder kein Plenum? Das ist aktuell die Frage in vielen aktivistischen Kreisen angesichts der #Corona-Pandemie. Wir raten zu jeder möglichen Kontaktvermeidung und schlagen eine Verlagerung von physischen Treffen in den virtuellen Raum vor. Wir müssen das Internet als Werkzeug begreifen, nicht als bloßes Unterhaltungsmedium. @systemli hat ein paar Tools zusammengetragen, welche virtuelle Plena ermöglichen können:

systemli.org/de/2020/03/15/…

Gewalt in der Partnerschaft macht nicht vor #Corona halt.

Soziale Distanzierung und Quarantäne zusammen mit dem*der Partner*in kann für viele die Hölle bedeuten.

Das hilfetelefon.de steht auch jetzt für alle bereit: 08000 116 016 Auch auch folgende Nummern wollen wir hinweisen:

twitter.com/LeaGronenberg/…

Lea (@LeaGronenberg):
Für viele Menschen bringt #SocialDistancing weitere Probleme mit sich. Teilt deshalb bitte:

  • Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen” 08000 116 016 

-Telefonseelsorge 0800 11 10 111 oder 0800 11 10 222

  • Kinder- und Jugendtelefon

0800 11 10 333

-Sucht- und Drogenhotline 01805 31 30 31

#Corona

Wichtiger Hinweis für Arbeitnehmer*innen: Bitte keine Aufhebungs- oder Änderungsverträge zum Arbeitsvertrag unterschreiben, die der Arbeitgeber wegen der Corona-Krise vorlegt. Zurst beim Betriebsrat oder der zuständigen Gewerkschaft beraten lassen!

dgb.de/themen/++co++f… Zu Terminen beim Arbeitsamt:

„Alle persönlichen Gesprächstermine entfallen ohne Rechtsfolgen. Sie müssen diese Termine *nicht* absagen, Sie müssen diesbezüglich auch nicht anrufen.“

arbeitsagentur.de/corona-virus-a…

Die @antifa_wue pausiert bis mindestens 01.04 die wöchentlich stattfindende Antifa-Kneipe wegen #Corona:

twitter.com/antifa_wue/sta…

Antifa Würzburg (@antifa_wue):
+++ Antifa-Kneipe bis 01.04. in Corona-Pause! +++

Die immer Mittwochs in der MiezeKoze stattfindende Antifa-Kneipe wird mindestens(!) bis zum 1. April ausgesetzt! Um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, empfehlen wir eine möglichst hohe soziale Distanzierung.

#WATU sagt aufgrund des #Corona-Virus die kommenden Circles of Truth ab und ruft dazu auf, sich für #FlattenTheCurve einzusetzen: twitter.com/WATU_Wuerzburg…

WATU (@WATU_Wuerzburg):
Aufgrund dieser Entscheidung werden die Circles am 21.03. und 04.04. nicht stattfinden können.

Weitere Infos, wie ihr helfen könnt findet ihr unter den Hashtag #FlattenTheCurve und speziell auf Würzburg bezogen in der Facebookgruppe “Corona-Hilfe Würzburg und Umgebung”

„Und wenn wir das alles durchgestanden haben, dann sollten wir mal ein paar ernste Veränderungen im globalen Gesellschaftssystem anstreben.“ - Über #Corona-Pandemie, Kapitalismus und was wir dagegen tun können!

m.facebook.com/story.php?stor… Der Würzburger Medizinstudent Ole Nickel hat sich mit Debatten um die Corona-Pandemie befasst. In seinem Text beantw. er Fragen, wie gefährlich die Pandemie ist, warum d. Vergleich zur Grippe hinkt, wie wir d. Ausbreitung verringern können & was der Kapitalismus damit zu tun hat Prädikat: Informativ und lesenswert!

Die #noAfD hat ihren Infostand am Sternplatz in Würzburg aufgebaut. Bis 15 Uhr wollen die Faschisten (die allesamt der #Corona-Risikogruppe angehören) ihre widerliche Propaganda verbreiten. twitter.com/schwarzlichtwu…

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Die #noAfD baut jetzt ihren Stand am Sternplatz in Würzburg auf.

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
+++ Infostand der #noAfD! Morgen, 14.03 ab 10 Uhr am Sternplatz in Würzburg! +++

Die mittlerweile zu weiten Teilen vom VS beobachtete rechtsradikale und antisemitische Partei AfD will es kurz vor der Kommunalwahl nochmal wissen!
Trotz des grassierenden #Coronavirus ruft die rechtsradikale Würzburger AfD zum Wahlkampfstand auf. Es zeigt sich wieder einmal, wie scheißegal der AfD Solidarität ist. Während @F4F_wuerzburg die heutige Fahrraddemo abgesagt hat und
die Kundgebung zum Internationalen Tag gegen Polizeigewalt verschoben wurde, erstellte die AfD-Seite des Kreisverbandes Würzburg am heutigen Freitagabend um 17 Uhr die Facebook-Veranstaltung zum morgigen Infostand.
Die gesunden und Nicht-#Corona-Risiko-Antifaschist*innen sind eingeladen mit Regenschirmen am Samstag um 10 Uhr am Sternplatz zu erscheinen. #NoNazis #NoAfD

Viele Antifaschist*innen werden heute sicherlich wegen #flatthecurve zuhause bleiben, aber wenn ihr euch gesund fühlt und nicht zur Risikogruppe gehört, schließt euch an! Die ersten Anti-AfD-Aktivist*innen sind schon da.

Denkt an Regenschirme! Alerta!

Die für diesen Freitag geplante #FFF-Demo wurde zu einer Fahrrad-Demo umgemeldet. Sie startet um 11 Uhr am Hauptbahnhof in Würzburg.

Grund für die Ummeldung ist u.a. die durch den höheren Abstand der Fahrräder verringerte Gefahr einer #Corona-Ansteckung. twitter.com/F4F_wuerzburg/…

FridaysForFuture Würzburg (@F4F_wuerzburg):
❗️ Aufgepasst❗️ DEMO AM 13.3. umgemeldet zur #FAHRRADDEMO 🚴🏽‍♀️

Am Freitag findet wie angekündigt um 11 Uhr am Hauptbahnhof unsere Demo zu den #Kommunalwahlen unter dem Motto #Klimawahl statt.

🌳Es gibt nun eine sehr wichtige Änderung: Es ist eine #Fahrraddemo! 🚴🏽‍♀️

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