„Genug geklatscht!“ – Azubis der Uniklinik im Streik

„Heute ist kein Arbeitstag – Heute ist Streiktag!“, riefen die 150 Auszubildenden der Würzburger Uniklinik, die von Kolleg*innen aus dem Klinikum Erlangen unterstützt wurden. Aktuell finden Tarifverhandlungen zwischen den Gewerkschaften und den Verhandlungsführer*innen der Bundesländer statt. Bisher gibt es kein ordentliches Angebot, keines, dass die Auszubildenden in der Pflege auch nur annähernd zufrieden stellen würde.

„Wir fordern 100 Euro mehr für Azubis, wollen kostenlos den ÖPNV nutzen und dass Pfleger*innen endlich entlastet werden“, so lauten die Forderungen, die immer wieder laut kundgetan wurden. Bei nebligem Wetter versammelten sich nach einem Aufruf der verdi-Jugend Würzburg-Aschaffenburg und verdi Würzburg-Aschaffenburg etwa 150 Auszubildende an der Würzburger Uniklinik. Pünktlich zum Demobeginn strahlte die Sonne, Musik dröhnte aus den fetten Boxen und die Stimmung unter den Azubis stieg weiter an.

Im Uniklinikstadtteil Grombühl grüßten viele aus ihren Fenstern. Die bunte Demo trug Schilder: „Ich kann gar nicht so schlecht arbeiten, wie ich bezahlt werde“ oder „Pflegt euch ins Knie“. Über die Grombühlbrücke, Berliner Ring und Semmelstraße zog die Demo in die Innenstadt. Am Barbarossaplatz bildeten die Demonstrant*innen binnen 5 Sekunden eine Rettungsgasse für vorbeifahrende Kolleg*innen. „STREIK!“, buchstabierten die jungen Beschäftigen der Kliniken. Alle hatten sichtlich Spaß am Arbeitskampf. Deswegen lief die Demo noch einmal über die Juliuspromenade, wo sie von Applaus aus den Fenstern begrüßt wurde. In der Innenstadt zog die Demo die ganze Aufmerksamkeit der Passant*innen auf sich. Solidarische Gewerkschafter*innen und @kleinnizzawue unterstützten die ver.di-Demonstrant*innen. Das bayerische Kultusministerium sieht Rügen für Schüler*innen, die sich am Arbeitskampf beteiligen vor. „Wie findet ihr das Kultusministerium?“ – „SCHEIßE!“, dröhnte es aus den Kehlen der Pfleger*innen.

Am Hauptbahnhof fand nach über zwei Stunden Demo die Abschlusskundgebung statt. Leider störte ein stadtbekannter Nazi, der einen Geflüchteten am Bahnhof anpöbelte, die Polizei schritt sehr zaghaft ein und die Demonstrant*innen brüllten: „Nazis raus!“.

Eine junge Pflegerin sprach anschließend von der Bühne zu den Protestierenden: „Eure Anwesenheit zeigt, wie unzufrieden wir sind“. „Wir fordern 100 Euro mehr, die Übernahme aller Azubis und eine angemessene Wertschätzung. Die Arbeitgeberseite hat unsere Forderungen unter den Tisch gekehrt“, so die Pflegerin. „Wir sind es, die den Personalmangel in der Pflege heilen sollen. Doch was machen die Arbeitgeber? Sie ignorieren den Pflegenotstand!“, protestierte sie.

Im Anschluss grüßte der DGB-Jugendsekretär: „Der Streik ist unser wichtigstes gewerkschaftliches Mittel im Arbeitskampf!“. Er bestärkte die Azubis in ihren Forderungen: „Echte Solidarität muss wehtun können – und zwar in diesem Falle mal nicht euch, sondern den Geldbeuteln der Arbeitgeber!“. Die Jugend der @IGBAUFranken richtete ebenfalls solidarische Grüße an ihre jungen streikenden Kolleg*innen aus der Pflege.

„Pfleg dich ins Knie, lieber Arbeitgeber“, meinte der nächste Redner. Der junge Pfleger beschwerte sich über Piazolo, der den Azubis den Streiktag nicht bezahlen will: „Er sollte nicht vergessen, dass Azubis da sind um zu lernen.“ 2020 hätten alle auf die Pflege geschaut. Doch außer Klatschen sei nichts passiert. Der ver.di-Jugendsekretär rief seine Kolleg*innen auf: „Geht nicht zur Arbeit! Euer Streik geht noch bis 23 Uhr! Wir waren heute mit etwa 150 Kolleg*innen auf der Straße und nächstes Mal werden wir noch mehr!“.