„Masken für alle und zwar umsonst“ – Zweite #LockDownCapitalism-Demonstration in #Würzburg

Trotz Winterwetter versammelten sich am Samstag, 30.01.2021, erneut über 100 Menschen am Würzburger Hauptbahnhof, um für eine menschenwürdige Pandemiebekämpfung zu demonstrieren.

[Thread] Die Demonstrant:innen fordern mit Sprechchören „Masken für alle und zwar umsonst“ und „Mehr als Applaus für die Pflege – den Konzernen an die Knete“. In den Reden kritisierten die Protestierenden die kapitalistische Impfpolitik, die Situation in der Pflege und die harten Einschränkungen im Freizeitbereich, während weiter gearbeitet werden muss. Zudem warnten die Redner:innen davor, dem Faschismus die Straßen zu überlassen und kritisierten den Umgang mit geflüchteten Menschen. Bei der Auftaktkundgebung grenzte die @antifa_wue die „LockDownCapitalism“-Demonstration klar von den „#Querdenken“-Demos, die in Würzburg unter dem Label „Eltern stehen auf“ stattfinden, ab. Alle Teilnehmer:innen trugen durchgehend FFP2-Masken und hielten sich an die Abstände. Die Antifa kritisierte die Narrative der „Querdenker:innen“: „Zu behaupten, es würde einem ergehen wie George Floyd oder Sophie Scholl und Anne Frank, von einem Holocaust 2.0 zu reden, diese Aussagen auch noch zu verteidigen, ist menschenverachtend und kann durch nichts beschönigt oder gar entschuldigt werden!“ Anlässlich des Holocaustgedenktages rief die Rednerin auf, konsequent gegen jeden Antisemitismus vorzugehen.

In der nächsten Rede verhandelte „eine Genossin“ die Schwierigkeit antifaschistischer Intervention während der Coronakrise: „Der antifaschistische Widerstand ist gefangen im Dilemma zwischen der Gefährdung von Leben, die mit dem Schritt auf die Straße stattfindet, und der Gefährdung von Leben, die mit dem ungehinderten Marschieren des Faschismus durch die Straßen stattfindet.“ Weiter kritisierte sie, dass Menschen aus dem globalen Süden größtenteils die Risiken der Impfstoffentwicklung austragen. Erst wenn der Impfstoff in ärmeren Ländern getestet sei, gehe das Produkt in den globalen Norden.

Danach stellte sich die Demo hinter dem „LockDownCapitalism“-Banner auf, das schon in der vergangenen Woche verwendet worden war. Mittlerweile waren gut 150 Menschen zusammengekommen, die unter lauten „Anticapitalista“ und „Impfstoff für alle – sonst gibt’s Krawalle“ die Aufmerksamkeit der Passant:innen auf sich zogen. Erneut gab es viel Zuspruch von außen und vor allem jüngere Leute reihten sich in die Demonstration ein.

Wie in der vergangenen Woche lief die Demo durch die Kaiserstr., Eichhornstr., Schönbornstr., Juliuspromenade, Karmelitenstr., Domstr. und Oberen Markt zum Unteren Markt. In der Eichhornstr. rief die Demo „Nicklas Bruder Nazischwein – Lass das tätowieren sein“. Die Polizei sicherte den Tattooladen von Nicklas Bruder. Die Eröffnung führte bereits im Oktober zu großen Protesten, da Bruder am faschistischen „Angriff auf Connewitz“ beteiligt war. Ein Demonstrant wurde beschuldigt, Sticker mit dem Zusatz „*innen“ auf ein Straßenschild mit der Aufschrift „Bewohner“ angebracht zu haben. Die Polizei drängt ihn, den Sticker abzukratzen, weitere „*innen“-Sticker wurden von den eingesetzten Polizist:innen konfisziert. Angekommen am Unteren Markt, kritisierte die neue Gruppe @kleinnizzawue die schleppend anlaufenden Impfungen. Schuld sei die Abhängigkeit von den Entscheidungen der Impfstoffproduzenten. Klein-Nizza forderte in ihrer Rede: „Die Patentrechte müssen sofort ausgesetzt werden, damit alle möglichen Produktionskapazitäten sofort unter öffentlicher Hand in Betrieb genommen werden können, weltweit! Gleichzeitig muss dafür gesorgt werden, dass auch in ärmeren Ländern die Voraussetzungen geschaffen werden, um die in Herstellung und Lagerung aufwendigeren mRNA-Impfstoffe zugänglich zu machen.“

Ein Redner der asylpolitischen Gruppe @mehrals16a machte auf die Situation der Geflüchteten in Massenunterkünften aufmerksam. Sobald eine Person in einer Gemeinschaftsunterkunft positiv auf Corona getestet werde, mussten in Vergangenheit oft alle Bewohner:innen in Massenquarantäne, selbst wenn sie in ganz anderen Häusern untergebracht waren. Unter anderem seien kürzlich ca. 400 Menschen in Würzburg und 70 Menschen in Ochsenfurt davon betroffen gewesen. Er kritisierte die Unterbringung von Geflüchteten in Massenunterkünften generell. Es gebe dort zu wenig Raum und keine Privatsphäre. „Daher sind Geflüchtete einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt.

Um Geflüchteten während und nach der Pandemie ein würdiges Leben zu ermöglichen, muss möglichst schnell auf eine dezentrale Unterbringung umstrukturiert werden“, forderte @mehrals16a.

Zudem kritisierte der Redner Abschiebungen, die auch während der Pandemie weitergehen: „Ab und zu, wie im Fall von Mimi T., die trotz psychischer Erkrankung abgeschoben wurde, kommt es zu kleinen Wellen der Aufregung. Doch die meisten Abschiebungen bleiben unentdeckt, früh morgens, wenn niemand hinschaut. Wir von Mehrals16a erhalten regelmäßig Nachrichten wie: ‚Ein*e Freund*in soll abgeschoben werden, was können wir tun?‘ Das Kirchenasyl ist wegen der Pandemie ausgesetzt. Wer sich versteckt, dem/der droht die Abschiebehaft“. Abschließend forderte er: „Keine weiteren Abschiebungen, keine rassistische Ausgrenzung und Solidarität, die alle berücksichtigt.“

Anschließend sprach eine Aktivistin: „Ich bin hier, um mich aufzuregen, weil alles scheiße ist! Täglich müsse sie weiter auf der Baustelle arbeiten und gleichzeitig sei das ganze freizeitliche Sozialleben verboten. Die Milliarden bekämen Großkonzerne, wie die Lufthansa, die dann dennoch ihre Arbeiter:innen entlassen. „Enteignet die ganze Scheiße einfach“, rief sie wütend. Währenddessen seien erst 8 Prozent der Corona-Hilfen, die die Regierung im Herbst beschlossen hat, ausgezahlt. Die Regierung mache Politik fürs Kapital, dennoch sehe sie einen Lockdown in der Industrie kritisch. Zu viele hätten eh schon Angst, um ihre Arbeitsplätze. Anknüpfend an die vorherige Rede forderte sie: „Es darf keine Abschiebungen geben“ und sprach sich deutlich gegen die „Querdenken“-Bewegung aus. „Den ganzen Tag muss ich arbeiten für eine scheiß Mietwohnung. Ich fordere das Recht auf Faulheit“, so die Rednerin, die sich deutlich Luft machte über die kapitalistischen Zustände. Am Ende der Kundgebung wurde auf die nächste Demo hingewiesen. Am Samstag, 06.02.2021 will die „LockDownCapitalism“-Bewegung in Würzburg ab 20 Uhr gegen Ausgangssperren und für den Erhalt der Kultur nach #Corona demonstrieren.