Erfahrungsbericht: Ein Wochenende im Dannenröder Wald

Vergangenes Wochenende sind mehrere Menschen aus #Würzburg in den “Danni” gefahren. Zuvor gab es unter anderem auch von @Ende__Gelaende einen Aufruf, die Aktivisti vor Ort zu unterstützen. Dieser Text wurde uns zugeschickt. Aktuell werden Rodungen durchgeführt, um den Bau der A49 von Kassel nach Marburg umzusetzen. Mit massiver Polizeipräsenz wird das in den 60er Jahren beschlossene Projekt durch die schwarz-grüne Landesregierung in #Hessen aktuell wortwörtlich durchgeboxt. So begegnen einem bereits Kilometer vor dem beschaulichen 150-Seelendorf Dannenrod zahlreiche Streifenwagen. Unterwegs ist man von Würzburg aus etwa 2 Stunden. Vor Ort selbst hat das ganze ein bisschen Festivalcharakter. Die Aktivisti von @keinea49 haben sich unter anderem am lokalen Sportplatz niedergelassen und dort ein Camp mit umfangreicher Infrastruktur aufgebaut. Gerade bei Angelegenheiten wie der Versorgung und Stellplätzen wird auch mit der lokalen Bevölkerung zusammengearbeitet. Es fällt insgesamt auf, wie stark die lokale Bevölkerung hinter den Protesten steht. Neben Demonstrationen und Kundgebungen werden in Zusammenarbeit mit lokalen Forstbeamt:innen auch Führungen durch den Wald organisiert. Hier wurde uns auch erst das Ausmaß der ganzen Situation bewusst. Durch die Roderungen und den Bau der Autobahn gehen nämlich nicht nur die zum Teil sehr alten Bäume verloren, sondern auch der Boden, welcher über Jahrhunderte gewachsen ist. Dabei muss man wissen, dass über diesen Zeitraum ein weitläufiges Netz entstanden ist, das auf Grundlage von Symbiose die verschiedenen Bäume und anderen Lebenswesen miteinander verbindet. So wird eine ideal abgestimmte gegenseitige Versorgung möglich, die dem ganzen Wald zugute kommt. Ein natürliches Beispiel für hierarchiefreies Wirtschaften. Gerade solche Zusammenhänge spielen eine zentrale Rolle beim Kampf gegen die globale Erwärmung. Die beschlossenen Entlastungs- und Ausgleichsmaßnahmen sind daher in keinster Weise in der Lage, diese Strukturen zu ersetzen. Umso schockierender war für uns daher der Anblick der Wasserwerfer und Räumpanzer neben den zahlreichen Hundertschaften der Polizei, die die Räumungsmaßnahmen ermöglichen. Die Schneise der Verwüstung hatte sich da schon zu einem weiteren Barrio der Besetzer:innen gezogen, die wiederrum Barrikaden zur Vorbereitung auf die nächste Auseinandersetzung errichteten. Die Aktivisti, die zum Teil selbst im Wald leben, tun alles um dem Wald so wenig wie möglich zu schaden. Die Baumhäuser sind daher nur mit Seilen an den Bäumen festgeknotet, damit diese nicht durch Nägel oder Ähnliches geschädigt werden. Zudem wurden Wege angelegt, damit Menschen die im Wald unterwegs sind, nicht einfach querfeldein laufen und damit den natürlichen Lebensraum von vielen Lebewesen bedrohen. Außerdem ist uns aufgefallen, wie reibungslos die Entscheidungsfindungen erfolgten und wie herzlich miteinander umgegangen wird. Von daher ist der Danni auch eine ideale Gelegenheit zu erleben, wie eine alternative Gesellschaft aussehen könnte. Erst vor wenigen Tagen wurde die Begründung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichtes bekannt, dem zu entnehmen ist, dass die schwarz-grüne Landesregierung sehr wohl die Mittel an der Hand hätte, die Rodungen zu stoppen. Das Hauptargument gegen den Rodungsstopp ist nach wie vor, dass das Projekt eben beschlossen wurde und rechtlich keine Möglichkeit bestehe, den Ausbau der Autobahn zu verhindern. Das Urteil entkräftet dieses Argument dahingehend, dass der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir sehr wohl einschreiten könnte, da bei der Planung der Autobahn rechtliche Fehler gemacht worden sind. Die Waldbesetzung im Dannenröder Forst ist aber auch ein weiteres Beispiel dafür, dass die Grünen gänzlich versagen, wenn es um konkrete Maßnahmen für das Klima und die Umwelt geht. Die Aktivisti haben im letzten Jahr mehr für die Erhaltung des Waldes getan. Es ist ein sehr beeindruckendes Projekt, das versucht, radikalen Klimaschutz mit einem alternativen Gesellschaftsentwurf zu verbinden. Wer die Zeit und die Mittel hat, sei daher aufgerufen die Menschen vor Ort zu unterstützen. Diese freuen sich nämlich schon bereits darüber, wenn Menschen die Arbeit der Polizei beobachten, um weitere Übergriffe zu verhindern oder auch einfach nur beim Kochen und Abwaschen helfen. Denn die Rodungen werden in den kommenden Wochen unvermindert weitergehen.

#DanniBleibt