Demonstration und Kundgebung gegen rassistische Abschottung Europas und für Evakuierung griech. Lager in #Würzburg

Gegen 16 Uhr formierte sich gestern am Bahnhofsvorplatz eine Demonstration, um auf die sich aktuell stark verschlimmernde Lage Geflüchteter aufmerksam zu machen Etwa 75 Menschen folgten dem Aufruf der @SeebrueckeWue und zogen mit Parolen wie “Bleiberecht überall, kein Mensch ist illegal” und “Grenzen auf überall, Stacheldraht zu Altmetall” zum oberen Markt. Dort wurde anschließend eine Kundgebung abgehalten, bei der die Menschenmenge auf über 100 Personen anwuchs. Immer wieder blieben Menschen stehen und hörten den Reden auch außerhalb des Kundgebungsareals zu. Alle Teilnehmer:innen trugen Mund- und Nasenschutz. Die vorgebrachten Reden wurden zum Teil auf Deutsch und auf Englisch gehalten. Inhaltlich bezogen sich die Reden vor allem auf die sich massiv verschlechternde Situation der Geflüchteten. Diese leiden in den überfüllten Lagern neben Ausgangssperren und Quarantäne auch unter dem nun einsetzenden Winter. Vor allem in den Agäis ist die Lage katastrophal. So gibt es keinen Schutz vor Wind und Regen sowie kaum Elektrizität. Die Menschen sind daher gezwungen, ihr Essen an Lagerfeuern zuzubereiten. Das Corona-Virus ist längst auch dort angekommen. Die von den Regierungen verhängten Maßnahmen können aber aufgrund der Überfüllung nicht eingehalten werden. Eine angemessene medizinische Versorgung ist für viele Menschen aktuell nicht verfügbar, da die Lager bei einem Ausbruch durch die Polizei abgeriegelt werden. Daher forderten die Rednerinnen, dass die Lager sofort evakuiert werden müssen, da es sonst zu einer weiteren humanitären Katastrophe kommen wird. So gibt es laut einer anderen Rednerin in Deutschland nun bereits zahlreiche Städte und Gemeinden, die mehr Geflüchtete aufnehmen würden, als der Verteilungsschlüssel angibt. Doch diese Initiative, die vor allem durch die Zivilgesellschaft getragen wird, scheitert am Veto Seehofers und des Bundesministeriums für Inneres. Stattdessen wird weiterhin abgeschoben. So steht am 17.11 die nächste Sammelabschiebung nach Afghanistan an, wo ein Anschlag auf eine Universität in Kabul mindestens 20 Menschen tötete. Damit unterstrichen die Veranstalter:innen, die Verantwortlichkeit und Schuld der politischen Institutionen für die Geschehnisse. Dieser Auffassung schloss sich auch eine weitere Rede an, die auf die vor kurzem erfolgte Schließung des selbstverwalteten Camps Pikpa auf #Lesbos Bezug nahm. Dieses Lager war eines der wenigen gewesen, in denen Geflüchteten Menschenwürde und angemessene Lebensumstände zu Teil wurden. Das Camp selbst erhielt dabei keinerlei finanzielle Unterstützung durch europäische Staaten. Dennoch konnten hier seit 2012 über 30.000 Menschen versorgt werden. Nun wurde es gewaltsam von der Polizei geräumt, da es in den Augen der griechischen Behörden eine illegale Besetzung darstellte und die Flüchtenden in die für sie vorgesehenen Lager gebracht werden sollten. So richtete sich diese Kritik aber auch an die Verantwortlichen in Würzburg. Denn auch die hiesige Sammelunterkunft wurde wegen Coronafällen unter Quarantäne gestellt und wird aktuell nur noch mit dem Nötigsten versorgt. Die Stimmung in der Unterkunft verschlechtert sich mit jedem Tag, da viele Menschen beispielsweise ihre Arbeitsplätze und damit ihre Lebensgrundlage verlieren. Diese Situation ist mittlerweile so schlimm, dass einige Personen suizidgefährdet sind. Bis etwa 18 Uhr hielten dann noch etwa 40 Leute trotz zunehmender Kälte durch. Es folgte eine Gegenüberstellung von Aussagen von Politiker:innen und Geflüchteten, welche die gewaltigen Unterschiede hinsichtlich der Realitätsauffassung bei Thema Migration verdeutlichte. Abgeschlossen wurde die Veranstaltung mit einer Gedenkminute für alle in dem vergangenen Jahren auf der Flucht Verstorbenen. Den Anwesenden gaben die Veranstalter:innen mit auf den Weg, dass der Protest solange weitergeht, bis sich endlich etwas ändert!

#LeaveNoOneBehind