#noAfD-Kundgebung am Würzburger Marktplatz zum Jahrestag der Novemberpogrome - großer Gegenprotest!

„Ganz #Würzburg hasst die AfD“, riefen die etwa 250 Gegendemonstrierenden dem kleinen Häufchen von 15 AfD-Anhänger:innen zu. Die Polizei sperrte schon Stunden vor Beginn der AfD-Veranstaltung um 15 Uhr einen größeren Bereich am Unteren Markt ab.

Der AfD Kreisverband Würzburg, wohl motiviert von den sog. „Querdenken“-Demonstrationen, rechnete mit einem großen Publikum. Der Kreisverband um den umtriebigen Vorsitzenden Silvio Kante lud extra den in Würzburg aufgewachsenen „Flügel“-Bundestagsabgeordneten Hansjörg Müller und den Bundestagsabgeordneten Dirk Spaniel ein. Viel Geld investierte die AfD in die gefloppte Kundgebung. Ein lokales Security-Unternehmen stellte zwei Ordner:innen, angemietet wurden eine Bühne und Boxen, die wohl gegen jede Dezibel-Auflage verstoßen haben dürften. Die Polizei, die mit einem Großaufgebot vor Ort war, schien dies ebenso wenig zu interessieren, wie das Missachten der Maskenpflicht durch die meisten AfD-Zuhörer:innen. Der breite Gegenprotest aus Gewerkschaften und Antifas formierte sich weit vor Kundgebungsbeginn an den Absperrungen. Ein Mann zeigte mehrfach eine abgewandelte Form des Hitlergrußes, was die Polizei zum Filmen veranlasste. Eine Aufforderung dies zu Unterlassen erfolgte durch die eingesetzten Kräfte nicht. Auf twitter schrieb die Polizei Unterfranken der Vorfall sei bekannt und werde “entsprechend bearbeitet”. Allerdings wurde auch der absolut gewaltlose Gegenprotest ohne Anlass abgefilmt.

Erst nach einer Viertelstunde konnte die AfD beginnen, da die Marienkapelle mit ihrem lauten Glockenläuten den Kundgebungsbeginn sabotierte. Es sprach zunächst Hansjörg Müller, der in Würzburg aufgewachsen ist. Seine Rede war eine einzige Gleichsetzung der aktuellen Corona-Politik mit dem Nationalsozialismus. Erhofft war wohl ein Anknüpfen an die verschwörungsideologische „Querdenken“-Bewegung. Die Rede enthielt keinerlei konkrete Forderungen, die Gefahr durch das Virus wurde permanent negiert. Die Boxen dröhnten so laut, dass sich selbst AfD-Zuhörer:innen die Ohren zu halten mussten.

Zudem wurde die Rede durch Rufe wie „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“ gestört. Auf allen Seiten hatten sich Gegenprotestierende eingefunden. Diese wurden von der Polizei via Lautsprecherwagen aufgefordert, sich zu verteilen. Die Gegendemo kam dem nach, da immer mehr Menschen zum Gegenprotest strömten. Die Einhaltung der Auflagen war der Polizei wohl doch nicht komplett egal.

Man merkte, wie wenig Spaß die AfD-Anhänger:innen bei der Veranstaltung hatten. Auch die nächste Rede war inhaltlich extrem dünn. Bundestagsabgeordneter Dirk Spaniel kritisierte die Klimapolitik und betrauerte die Lage in der Automobilindustrie. Lösungsansätze kamen von ihm nicht. Er zitierte die IG Metall, die eine soziale Lösung für die Beschäftigten der Autoindustrie fordert und warf den Gewerkschaften vor, sich von der AfD abzugrenzen. Die Konstruktion gemeinsamer politischer Grundlagen misslang komplett, denn Spaniel hatte, wie gesagt, inhaltlich absolut nichts anzubieten.

Die Heuchelei, sich um die Arbeiter:innenklasse zu kümmern, war zu offensichtlich. Die Partei war und ist ein neoliberales Eliten-Projekt. Der völkische Flügel versucht allerdings soziale Themen zu bespielen. Das Ziel ist die Konstruktion einer NS-ähnlichen Volksgemeinschaft. Eine Kritik an den tatsächlichen Strukturen des kapitalistischen Systems erfolgte in keinster Weise. Die Gegendemonstrant:innen antworteten mit „Faschistisch, rassistisch, neoliberal - AfD - Partei fürs Kapital!“ und sangen „A-Anti-Anticapitalista“.

Eigentlich waren auch Mario Cerdini, stellvertretender Vorsitzender der WÜ-AfD und Titus Hay, Schatzmeister der hiesigen AfD, als Redner:innen angekündigt. Silvio Kante hielt sich zurück und moderierte lediglich. Vielleicht ist es eine Schutzmaßnahme der AfD, denn Kante war im März so blöd, seinen offenen Antisemitismus vor einer Kamera bei MuslimTvDe auszubreiten. Angekündigt war die AfD-Kundgebung bis 18 Uhr. Doch nach der Rede von Spaniel baute die AfD bereits ab. Die Gegendemonstrierenden freuten sich über das frühe Ende und verabschiedeten die rechtsextreme Partei mit „Haut ab“-Rufen. Angesichts des Jahrestages der #Novemberpogrome am 9. November, bleibt es eine Schande für die Stadt Würzburg, dass FaschistInnen auf dem Würzburger Marktplatz den Nationalsozialismus in derartiger Weise verharmlosen konnten. Positiv: Ab 18 Uhr rief die @antifa_wue am Oberen Markt zu einer Gedenkkundgebung und zum Stolpersteine putzen auf.