Kein Vergeben, kein Vergessen: neue Denkmäler in #Würzburg

Im Juni wurde der DenkOrt Deportation am Würzburger Hauptbahnhof eingeweiht. Das Koffer-Denkmal soll an die 2100 deportierten unterfränkischen Jüd:innen erinnern (wir berichteten:

Schwarzlicht Würzburg (@schwarzlichtwue):
Der neue „Gedenkort Deportation“ am Würzburger Hauptbahnhof wurde am Mittwoch offiziell eröffnet.
Er zeigt verschiedene Koffer, Rucksäcke, Decken, darunter auch ein Teddybär neben einem Hut aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Stein und Metall – alles Symbole für die 2068 Erwachsenen und Kinder, die aus dem Würzburger Umland verschleppt wurden, um ermordet zu werden.
Dabei blieben beschriftete Gepäckstücke an den Bahnhöfen zurück, ohne jemals an ihre Besitzer:innen nachgesendet zu werden. Die „Koffer“ repräsentieren mit kleinen Schildern die unterfränkischen Gemeinden, die 1933 jüdische Bewohner:innen hatten o. Sitz jüdischer Gemeinden waren.
Das größte Menscheitsverbrechen, die Shoa (Das hebräische Wort für „die Katastrophe“) überlebten lediglich 60 von 2068 deportierten Menschen aus der Region. Die erste Deportation begann am 27. November 1941 aus Würzburg und betraf 202 Jüd:innen.
Sie wurden zunächst in Nürnberg auf dem Reichparteitagsgelände gesammelt und zwei Tage später nach Lettland deportiert. Den Kalten Winter und die Massenerschießungen im KZ Außenlager Jungfernhof überlebten wenige.
Mit dem Anrücken der Roten Armee wurden sie nach Westen verlegt, so dass 16 von ihnen überlebten.
Die zweite Deportation am 24. März 1942 verschleppte 208 Menschen aus dem Raum Kitzingen. Von ihnen überlebte keine einzige Person. Sie wurden in die Vernichtungslager in der Region Lublin deportiert.
Alleine im Lager in Sobibor ermordeten die Nazis über 250.000 jüdische Menschen in Gaskammern.
Die dritte Deportation am 25. April betraf 852 jüdischen Menschen, die auch noch für ihre eigene Fahrt in den Raum Lublin bezahlen mussten - nicht nur mit dem Leben, sondern zynischerweise auch mit 80 Reichsmark. Auch von dieser Deportation überlebte kein einziger Mensch.
Die Bedingungen in den Lagern waren katastrophal. Das Vernichtungslager in Sobibor leistete seinen schrecklichen Beitrag bei der Ermordung von Frauen, Männern und Kindern.
In der vierten von acht Deportationen am 10.9. wurden 177 Personen darunter „die Alten und Kranken“ in das Konzentrationslager Theresienstadt gebracht. 13 Tage später wurden 563 weitere Menschen nach Theresienstadt verschleppt.
Die ersten Wochen dort überlebten die wenigsten. Im Anschluss wurden die meisten von dort in das berühmte Vernichtungslager Auschwitz gebracht. Dort wurden sie mit bis zu 1,5 Millionen Menschen in Gaskammern ermordet.
Insgesamt überlebten aus beiden Transporten nach Theresienstadt nur 43 Menschen den #Holocaust.
In der sechsten und siebten Deportation haben sie die letzten 64 Menschen verschleppt, die bis dahin die Funktion der jüdischen Gemeinschaft aufrechterhalten hatten. So kamen 7 Menschen nach Theresienstadt, von der eine Person überlebte und 57 nach Ausschwitz-Birkenau.
Die letzte Deportation am 17. Januar 1944 betraf zwei Männer, die aufgrund ihrer Ehe mit nichtjüdischen Frauen zunächst geschützt waren. Doch auch sie überlebten den Holocaust nicht.
Auch wenn der Hauptbahnhof nicht der Ort ist, von dem die meisten Menschen deportiert wurden, sondern der damalige Güterbahnhof in der Aumühle, ist die Entscheidung, einen Ort zu nehmen, der wahrgenommen wird, eine richtige.
Denn wir müssen erinnern, damit nie wieder passieren kann, was schon einmal passiert ist.

Darum sagen wir als Schwarzlicht Kollektiv: Kein Vergeben, Kein Vergessen!

Die momentan 47 Koffer stehen für die unterfränkischen Gemeinden, aus denen die Opfer stammten. In jeder Gemeinde steht ein identisches Gegenstück.

Zahlreiche weitere DenkOrte sollen folgen. In letzter Zeit wurden gleich zwei neue Mahnmäler in Würzburg eingeweiht:

Ein Koffer steht an dem Ort, an dem früher die Heidingsfelder Synagoge stand, die während der Reichspogromnacht am 9. November 1938 niederbrannte. In der Spiegelstraße steht nun ein weiterer Koffer, der an 202 deportierte Würzburger Jüd:innen erinnern soll

(mainpost.de/regional/wuerz…). Von Schüler:innen des Matthias-Grünewald-Gymnasium gestaltet, ist der Koffer außen aus Beton und mittig durch eine Scheibe transparent. Innen befinden sich ein Teddybär mit einer Zahnbürste und ein Tagebuch mit Sätzen des damals zwölfjährigen Helmut Mai. Der Griff des Koffers ist ebenfalls transparent gestaltet, wodurch Stacheldraht sichtbar wird. Dieser soll die Konzentrationslager symbolisieren. In #Thüringen erinnert außerdem seit kurzem eine Stele am Grab von Ernst Ruschkewitz, der in einem Außenlager des KZ Buchenwald starb, an den aus einer bekannten jüdischen Würzburger Familie stammenden Geschäftsmann (mainpost.de/regional/wuerz…) Weitere Infos unter:

denkort-deportationen.de

stolpersteine-wuerzburg.de

johanna-stahl-zentrum.de/das-zentrum/sh…

museumshalomeuropa.de

#KeinVergebenKeinVergessen