Am 8. März ist #Frauenkampftag. Ein mal im Jahr stehen Frauen, die Hälfte aller Menschen, medial im Vordergrund. Mit diesem Text beantworten wir die Frage nach der Vereinbarkeit von #Feminismus und #Kapitalismus. Dass dieser Tag irgendwie wichtig ist, das haben auch schon kapitalistische Unternehmen herausgefunden und werden, wie jedes Jahr, besondere Aktionen und Werbespots ‘für die Frau’ liefern. Denn auch für sie ist Feminismus - das ist doch klar - ein sehr wichtiges Thema. Aber ist es das? Oder wird der 8.03., so wie jedes andere Event, für die eigenen kapitalistischen Interessen ausgenutzt? Können Unternehmen feministische Ziele haben? Wenn ja, sind sie reformistisch oder revolutionär? Ist Feminismus und Kapitalismus vereinbar? Eine klassische feministische Forderung ist, primär von Frauen ausgeübte unbezahlte Arbeit, gemeint ist Care-Arbeit, zu entlohnen. Care-Arbeit umfasst nicht nur Hausarbeit, sondern auch die allgemeine Verpflichtung, für alle da zu sein: Partner und Kinder emotional aufzufangen, Angehörige – auch die des Partners – zu pflegen, Kinder großzuziehen. Diese Arbeit zu entlohnen wird wohl nicht im Interesse von Unternehmen sein. Unser kapitalistisches System funktioniert nämlich nur durch Ausbeutung und dazu gehört auch die geschlechtsspezifische Ausbeutung: würden Frauen die unbezahlte Arbeit kollektiv bestreiken, würde das Wirtschaftssystem in direkter Folge kollabieren (1). Es ist schwer vorstellbar, dass sich Unternehmen dies als Ziel setzen. Ihnen ist also daran gelegen, dass sich Frauen nicht organisieren und nicht von ihrer Macht Gebrauch machen. Die Freiheit, neben unbezahlter Arbeit, auch der Lohnarbeit nachzugehen, gibt es für Frauen noch nicht sehr lange. Vor ein paar Jahrzehnten mussten Frauen ihre Ehemänner hierfür um Erlaubnis bitten. Zu dieser Regelung kommt hinzu, dass sich patriarchale Männer weigern, an der unbezahlten Care-Arbeit teilzunehmen oder auch nur das dafür benötigte Wissen zu erlangen. Dadurch sorgen Männer dafür, dass die existierenden Rollen bestehen bleiben. Gleichzeitig aber verhindern diese Rollen eine Unabhängigkeit der Männer von den Frauen, da sie einen funktionierenden Haushalt selbst nicht erreichen können (1). Dass sich diese Rollen überhaupt aufgeweicht haben und Frauen der Lohnarbeit nachgehen, haben wir nicht dem Kapitalismus zu verdanken. In dem Buch “Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben” argumentiert Kristen Ghodsee, dass “die Staatssozialisten in der Sowjetunion und in Osteuropa Frauen derart erfolgreich Möglichkeiten [verschafften], sich außer Haus wirtschaftlich zu betätigen, Lohnarbeit von

Frauen anfangs […] geradezu als Synonym für die Übel des Kommunismus galt.” (2) Weil aber die Erfolge der Sowjets, darunter vor allem in der Raumfahrt, dem Westen vor Augen führte, “mit welchen Kosten die Aufrechterhaltung der […] Geschlechterrollen verbunden war” und “man fürchtete, dass die Staatssozialisten bei der Entwicklung neuer Technologien im Vorteil waren, weil sie über doppelt so viele kluge Köpfe verfügten” – Frauen erhielten wie Männer hohe Bildung – wurden in Amerika der National Defense Education Act verabschiedet und eine “Kommission zur Stellung der Frau” gegründet. Diese Schritte hatten das Ziel, die Bildung für Frauen zu verbessern und “schufen das Fundament für die spätere Frauenrechtsbewegung” (2). Der Wandel der Stellung der Frau im westlichen Kapitalismus wurde also vor allem durch die Erfolge der damaligen sozialistischen Staaten vorangetrieben. Dies führte so weit, dass “die kapitalistischen Länder im Westen [versuchten], die osteuropäischen Länder bei den Frauenrechten zu überflügeln” (2). Die Möglichkeit, als Frau der Lohnarbeit nachzugehen, ist also nicht mit dem kapitalistischen System an sich zu begründen. Nun leben wir also in einem kapitalistischen System, welches Frauen die Lohnarbeit erlaubt. Unternehmen können nicht wollen, dass die unbezahlte Arbeit entlohnt wird. Es bleiben also nur reformistische Ideen, welche die Nutzung des 8. März durch Unternehmen erklären können. Der patriarchale Kapitalismus vertritt “die Auffassung, die Arbeit einer Frau sei weniger wert als die eines Mannes” (2). Der Preis (Lohn) der Arbeitskraft wird auf dem Arbeitsmarkt durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Weil aber “Arbeitgeber und Kunden der Auffassung sind, [Männer] seien mehr wert,” (2) werden Frauen systemisch benachteiligt. Diese falsche Wertverteilung wird durch das Vorurteil, Frauen seien weniger kompetent, aufrechterhalten. Ihre Fähigkeiten werden ständig angezweifelt und sie lieber sexualisiert. Für den Arbeitgeber bedeutet die Wertungleichheit, dass er für die faktisch gleiche Arbeitskraft einen geringeren Preis zahlen muss. In Kombination mit dem in manchen Berufsfeldern starken Gefälle im Geschlechterverhältnis kommt es dazu, dass ‘typische Frauenberufe’ konsequent unterbezahlt sind. Unternehmen haben kein Interesse, mehr als nötig zu bezahlen. Solange es ein Überangebot gibt, muss die Entlohnung nicht erhöht werden.

Es wäre revolutionär, unbezahlte Care-Arbeit zu entlohnen. Es wäre eine dringend benötigte Reform, die Arbeitskraft vom Geschlecht unabhängig zu machen. Doch beide Forderungen stehen im Gegensatz zum kapitalistischen Interesse. Kein Unternehmen kann diese Ziele verfolgen. Die Forderung nach gleicher Entlohnung, unabhängig vom Geschlecht, lässt sich außerdem intersektionell erweitern.

Während der Preis für die Arbeitskraft von Frauen geringer ist als für Männer, wird er für BI_PoC, LGBTIQA* und Menschen mit Behinderung noch weiter gedrückt. Unternehmen profitieren also von den antifeministischen Zuständen. Der Kapitalismus funktioniert nur durch Ausbeutung und Unterdrückung, was komplementär zu feministischen Grundsätzen steht. Feminismus heißt immer Antikapitalismus. Kein Mensch sollte aus kapitalistischen Zwängen zu ungewollter Arbeit gedrängt werden. Feminist*innen müssen sich deshalb organisieren, ihre Macht erkennen und dieses System absetzen. Schon während den Versuchen, sich zu organisieren, wird sich herausstellen, auf welcher Seite diejenigen Unternehmen, welche jetzt noch den Frauenkampftag für die eigenen Zwecke missbrauchen, wirklich stehen. Sie werden zurückschlagen und jede Form der Organisation unterbinden. Deshalb müssen sich Frauen wieder und wieder in Erinnerung rufen, von wem die Macht ausgeht! Bemerkung: Dieser Text nutzt ein klassisches und überholtes Rollenbild, welches klare Grenzen zwischen Männern und Frauen impliziert und sowohl nicht binäre als auch intersexuelle Menschen ignoriert. Dieses Rollenbild wird herbeigezogen, da es die durchschnittlichen Verhältnisse dieser Gesellschaft widerspiegelt und der Text genau diejenigen Menschen ansprechen soll, welche dieses Rollenbild ausleben. Quellen:

(1): Penny, L.: Fleischmarkt

(2): Ghodsee, K. R.: Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben @Shell möchte ein weiteres Beispiel für unsere Argumente liefern:

twitter.com/wheelswordsmit…

wheels (@wheelswordsmith):
wait for it..

Auch @hm meint, den #Frauenkampftag für Werbezwecke ausnutzen zu müssen.

@Buchkolumne: „Der Frauentag ist ein Kampftag zur Veränderung, nicht des Marketings.“

twitter.com/Buchkolumne/st…

Karla Paul (@Buchkolumne):
Ihr schädigt mit Fast Fashion die Umwelt, die Gesellschaft u redet bereits jungen Frauen den Massenkonsum ein, von den prekären Arbeitsbedingungen ganz zu schweigen. Behaltet Eure Werbekampagne auf unsere Kosten. 🤷🏻‍♀️ Der Frauentag ist ein Kampftag zur Veränderung, kein Marketing! twitter.com/hm/status/1235…