Lexikon & Hilfestellung zu Diskriminierungssensibler Sprache

Diskriminierungssensible Sprache ist ein kompliziertes Feld, das ständig im Wandel ist. Doch Worte können verletzen und Sprache wirkt sich auf Denken und Handeln aus; sich dessen bewusst zu sein ist wichtig. Es ist kaum möglich alles richtig zu machen und um sich halbwegs diskriminierungssensibel auszudrücken, muss man sich vorher lange und intensiv mit der Thematik beschäftigt haben. Wir von „Schwarzlicht Würzburg“ möchten uns hier nicht als Expert:innen aufführen und wir machen definitiv noch nicht alles richtig, denn auch wir lernen stetig. Zusätzlich ist uns aufgefallen, dass wir bei unseren Texten teils unklare Begriffe verwenden und nicht immer allen Leser:innen klar ist, was wir bezwecken wollen.

Dies ist ein Versuch evtl. unklare Begrifflichkeiten zu erklären und eine Hilfestellung für Menschen, die sich noch nicht jahrelang mit dem Thema diskriminierungssensibel Sprache auseinandergesetzt haben, anzubieten. Die folgenden Begriffe und Erklärungen sind keinesfalls fest gesetzt und teils (auch innerhalb unseres Kollektivs) nicht unumstritten. Es kann auch immer sein, dass Eigenbezeichnungen einzelner Personen abweichen, was jedoch nicht heißt, dass andere Betroffene dies nicht als diskriminierend empfinden könnten.

Grundsätzlich gilt, lieber nachfragen, als etwas falsch machen. Dennoch muss Verständnis dafür herrschen, dass betroffene Personen manche Fragen wahrscheinlich schon hundert Mal beantworten mussten und nicht immer Lust haben, das ständig zu wiederholen. Z.B. kann es eine BI_PoC Person satt haben, immer und immer wieder weißen Personen strukturellen Rassismus zu erklären und alles vorzukauen, anstatt, dass weiße Personen sich selbst mal mit dem Thema auseinandersetzen. Nachfragen ist legitim und oft wichtig, aber viel Wissen können sich privilegierte Personen auch selbst aneignen.

Ableismus / Ableism

Das Wort Ableismus hat seinen Ursprung im englischen Begriff „able“, sprich „fähig“ oder „imstande“. Die gängige Art zu schimpfen ist im Deutschen ableistisch. Bezeichnungen wie „dumm“, „blöd“ oder gar „behindert“ werden als Beschimpfungen genutzt. Menschen mit Beeinträchtigung sind jedoch keine Schimpfworte! Sich diskriminierendes Fluchen abzugewöhnen ist ein langer Prozess, doch Reflexion ist stets der erste Schritt.

  • Ablebodied – Personen, die weder geistig noch körperlich eingeschränkt sind und nicht an einer (chronischen) Krankheit leiden

Agender

Kein Geschlecht. Personen, die sich als geschlechtslos identifizieren.

Alternativen zu rassistischen Bezeichnungen

Momentan gängig ist es, jemanden entweder als Schwarze Person/Frau/etc. (Schwarze wird groß geschrieben, da es sich um eine Eigenbezeichnung handelt) zu bezeichnen oder es werden folgende Begriffe benutzt:

  • BI_PoC (BlackIndigenous_PeopleofColor) – universal anwendbar. Kann wie folgt ausgesprochen werden: Black and Indigenous people and people of color.
  • PoC (People of Color) – Menschen, die keine Schwarze Person und nicht weiß sind (weiß wird kursiv geschrieben). Unbedingt vermieden werden diskriminierende und rassistische Begriffe wie das N-Wort.
  • Performative allyshipWeiße, die Schwarzen Personen „helfen“ wollen, die beispielsweise ihr FSJ in einem afrikanischen Land machen, um „armen Schwarzen Kindern in Afrika zu helfen“ - wobei sie weniger helfen als Arbeit machen - und einen white Savior-Komplex haben. Letztlich geht es ihnen um die eigene Profilierung und nicht um die Sache. Anstatt BI_PoC das Reden zu überlassen, stellen sie sich in die erste Reihe, lassen sich medienwirksam mit BI_PoC fotografieren und bestimmen den Diskurs.
  • Race – Auch der rassistische Begriff „Rasse“ sollte auf keinen Fall verwendet werden. Der „racial turn“ nach der Autorin Susan Arndt soll wegführen von dem biologisch falschen und auf der Rassentheorie fußenden Begriff „Rasse“ und hin zur gesellschaftlichen kritischen Analysekategorie und sozialer Kategorie race.

Antisemitismus / Antijudaismus / Antizionismus

Antisemitische Stereotype und Narrative sind allgegenwärtig. Zwielichtige Antagonist:innen mit überzeichneten Hakennasen in Kindersendungen, Karikaturen von Kraken, die im Hintergrund die Welt bestimmen, „Judensau“-Reliefs an Kirchen, „Du Jude“ als Beschimpfung und sämtliche Verschwörungstheorien. Letztere beinhalten fast immer eine zionistische Weltverschwörung, George Soros oder die Rothschilds.

  • Antijudaismus – Historischer – oft christlicher – Vorläufer des Antisemitismus (ab dem 20. Jhd.) aus religiösen Motiven. Berühmtes Beispiel: Martin Luther.
  • Antiimperialisten „Antiipms“ - linke Strömung, die sich gegen Imperialismus einsetzt. Ist außerhalb Deutschlands die gängigste linke Strömung. Antiimps zeichnen sich oft durch Solidarität mit Souveränitäsbestrebungen einzelner Bevölkerungsgruppen aus, beispielsweise Rojava, Katalanien – aber auch Palästina. Leider kippen einige Antiimps oft in Richtung Antizionismus und Antisemitismus, womit häufig auch das Existenzrecht Israels angezweifelt wird.
  • Antideutsche „AntiDs“ - linke Strömung, die sich v.a. gegen Deutschland und für Israel einsetzt. Die Strömung ist eigentlich nur in Deutschland verbreitet und in anderen Ländern nicht wirklich existent – was historisch begründet liegt. Die Deutsche Schuld und das Gedenken an die Shoa werden hochgehalten und Israel verteidigt. AntiDs sind immer israelsolidarisch und häufig auch Solidarisch den USA gegenüber.

Antiziganismus / Sinti:zze / Sinte:zze / Rom:nja

Sinti:zze/Sinte:zze und Rom:nja – Die korrekt gegenderte Form von Sinti und Roma. Begriffe wie „Zigeuner“ oder „Zigeunerschnitzel“ sind rassistisch!

Aromantik / Aro

Kein Interesse an oder kein Verspüren von romantischer Anziehung oder romantischen Beziehungen. Das aromantische Spektrum umfasst mehrere Unterformen, wie beispielsweise Gray-/Grauromantik oder Lithromantik.

Bigender

Gleichzeitige Zugehörigkeit zu mehreren Geschlechtern. Auch mehr als zwei Geschlechtsidentitäten sind möglich.

Body-Shaming / Body-Positivity

Menschen aufgrund ihres Körpers herabzuwürdigen, zu beleidigen oder zu beschimpfen nennt man bodyshaming. Personen seien zu dick, zu dünn, nicht muskulös genug, etc. Besonders weiblich gelesene Personen leiden unter falschen Schönheitsidealen und werden anhand ihres Aussehens beurteilt. Dem Body-Shaming steht die Body-Positivity entgegen.

Cis

Adjektiv. Beschreibt Menschen, die sich mit ihrem bei der Geburt zugewiesenem Geschlecht vollständig identifizieren können

Cissexismus

Abwertung von trans Personen durch cis Personen. Der Begriff soll die sytemische Ablehnung, das Verschweigen und nicht beachten im binären System betonen. Cisseximus soll besonders Verhaltensweisen benennen, die die Existenz von trans Personen schlicht ignorieren und/oder vergessen.

Dyadisch / Endosexuell

Personen, die nicht inter* sind.

Dyadismus

Bezeichnung für Interfeindlichkeit.

Fragile Männlichkeit

Stereotypisches männliches Verhalten und Aussehen werden hart verteidigt. Doch dieses falsche Bild ist zerbrechlich, es wird nur von den Wenigsten erfüllt. Die Schmach, dieses Idealbild nicht zu erfüllen, entlädt sich bei manchen in Misogynie oder Abwertung anderer Männer, die nicht dem toxischen Männlichkeitsbild entsprechen. Besonders bei Kritik oder vermeintlichen Beleidigungen durch Frauen wandelt sich fragile Männlichkeit schnell in Misogynie/misogyne Gewalt.

Genderfluid

Person mit wechselnder Geschlechtsidentität: Personen, die z.B. einen Tag oder auch ein paar Jahre weiblich, dann männlich und vielleicht danach agender sind.

Gendern

Sprache ist der erste Schritt und Sprache beeinflusst Handlung und Denken. Das generische Maskulinum behauptet, es würde Frauen und nicht binäre Personen mitmeinen, doch Studien beweisen, dass sich hauptsächlich Männer angesprochen fühlen. Schon vor Jahren zeigten Studien: auf eine Stellenausschreibung, die nach m/w sucht, bewerben sich signifikant mehr Frauen als auf eine, die sich auf dem Generischen Maskulinum ausruht.

Sprache darf keinen Menschen exkludieren, doch auch das mittlerweile gängige „Schülerinnen und Schüler“ oder „Kolleginnen und Kollegen“ ist diskriminierend. Denn auch hier werden nicht alle Menschen genannt. Mitgemeint reicht eben nicht.

Richtig gendern lässt sich auf verschiedene Arten. Manche Wörter lassen sich neutral ausdrücken, die „Lehrende“, „Studierende“, „Referierende“. Oft lässt sich auch einfach das Wort „Person“ anfügen, wie „malende Person“. Üblich und universal anwendbar sind jedoch die Schreibweisen mit Gendersternchen (*) oder Unterstrich (_), z.B. Schüler*innen und Lehrer_innen.

Wir von „Schwarzlicht Würzburg“ sind dazu übergegangen einen Doppelpunkt (:) zu verwenden. Dieser wird von standardmäßigen Readern wie TalkBack als übliche Pause gelesen und stört dadurch nicht den Redefluss – im Gegensatz zu Sternchen und Unterstrich, die voll ausgelesen werden. So wollen wir unsere Texte für Menschen, die sie aus verschiedensten Gründen nicht lesen können, leichter zugänglich machen. Doch nicht jeder Reader ist gleich, weshalb diese Leitlinie nicht absolut gilt.

Nicht nur Nomen müssen gegendert werden, sondern alle Wörter, z.B. jede:r, er/sie/x, eine:r.

Die genaue Umsetzung des Genderns bleibt jeder Person selbst überlassen, jedoch muss es stringent sein. Entweder es wird konstant mit Unterstrich, mit Doppelpunkt oder konstant mit Sternchen gegendert.

Als Hilfe für das Verfassen von Texten bietet sich das Gender-Wörterbuch geschicktgendern.de an.

Genderqueer

Eigenes Geschlecht, weder männlich noch weiblich. Außerhalb des binären Systems und den hier beispielhaft aufgezählten Geschlechtsidentitäten, gibt es noch zahlreiche andere genauer und weniger genau definierte Geschlechter.

Genderzuweisung / Geschlechtzuweisung

Anhand des Aussehens, lässt sich höchstens ein männlich/weiblich gelesen ableiten. Zuschreibungen sollten daher besser vermieden werden. Deshalb ist es wichtig, nicht nur nach dem Namen einer Person, sondern auch nach dem Pronomen (er/sie/x/keines/anderes) zu fragen.

Frau*/Mann* klingt zunächst sehr political correct, da das nachgesetzte Sternchen quasi inkludieren soll. Jedoch ist eher das Gegenteil der Fall. Das Sternchen suggeriert, dass z.B. trans Frauen eben keine „richtigen“ Frauen sind, sondern Frauen*, etwas „Anderes“. Deshalb kann es besser sein, von Frauen und Männern zu sprechen, wobei auch hier nicht binäre und genderlose Personen exkludiert wären.

Das binäre Geschlechterbild ist natürlich falsch. Deswegen ist es wichtig, bei Genderbezeichnungen zu differenzieren. Spreche ich gerade explizit von Frauen? Oder spreche ich über Schwangerschaft und Menstruation? Dann sollte nämlich von „Personen mit Uterus“ oder „Menstruierende Person“ / „Personen, die menstruieren“ gesprochen werden, denn auch Männer und nicht binäre Personen (Enbys) können einen Uterus haben. Das gleiche gilt allgemein, wenn von Geschlechtsorganen, Biologie, etc. die Rede ist. Im gesellschaftlichen Kontext wird dagegen meist von Frauen und Männern oder männlich/weiblich gelesenen Personen gesprochen. Beispiel: Catcalling, also verbale Belästigung durch hinterherrufen auf der Straße, trifft meist weiblich gelesene Personen, Menschen mit Uterus menstruieren und Frauen werden strukturell marginalisiert.

Hegemoniale Männlichkeit

Verbrüderung unter Männern, um Frauen oder Männer, die nicht „männlich“ genug sind zu unterdrücken und klein zu halten und andere – ein männliches Ideal erfüllende – Männer zu unterstützen. Frauen können hierfür mit misogynen Mitteln diskriminiert und marginalisiert werden.

Heterosexismus

Heteronormative Diskriminierungsform, die z.B. Homo- oder Bisexualität abwertet und angreift, da Heterosexualität die einzig wahre oder „natürliche“ Form sei. Er ist tief kulturell, religiös und institutionell verwurzelt.

Homofeindlichkeit

Einstellung, die gegen Homosexualität spricht. Da es sich um Feindseligkeit, Diskriminierung und Hass handelt, nicht aber um Ängste oder Phobien, ist Homophobie ein nicht mehr zu verwendender Begriff.

Incels / Involuntary Celibacy / Unfreiwilliges Zölibat

Kurz für „Involuntary Celibacy“, also unfreiwillig zölibatär lebend. Incels sind eine Internetbewegung von Männern, die ihre Jungfräulichkeit oder Sexlosigkeit auf die Bösartigkeit von Frauen schieben. Der Kult – besonders auf Foren wie 4chan aktiv - erniedrigt sich gegenseitig, Incels bezeichnen sich gegenseitig als zu hässlich, um jemals eine Frau abzubekommen und ermutigen sich gegenseitig zum (erweiterten) Suizid. Selbstmord – und am besten dabei noch so viele Frauen wie möglich töten – scheint ihnen die einzige Lösung. Ihr Menschenbild unterteilt sich in Chads (maskuline Männer, die alle Frauen abkriegen), Stacies (attraktive Frauen, die nur mit Chads Sex haben), Beckies (durchschnittliche Frauen, die nur mit Chads oder durchschnittlichen Männern Sex haben) und Incels. Ihre Lösung erscheint eine Versklavung von Frauen. Jeder Mann soll eine Ehefrau erhalten, die ihm treu sein muss. Feministinnen sollen zu Zwangsprostituierten werden und allen Männern zur Verfügung stehen. Misogynie, Bodyshaming, Rassismus, Ableismus sind Hauptbestandteil von Incel-Foren.

Intersektionalität

Beschreibt das Phänomen, dass Menschen gleichzeitig auf verschiedenste Weisen benachteiligt sein können, und dies zusammenspielt. Z.B. wird eine Schwarze Frau rassistisch UND misogyn diskriminiert, doch die Art, wie sie diskriminiert wird, hängt zusätzlich auch z.B. von ihrer Klasse, Sexualität oder potenziellen Beeinträchtigungen ab. Adj.: intersektionell

Intersexualität / Inter

Biologisches Geschlecht (sex), z.B. Geschlechtsorgane oder Chromosomen, sind nicht „eindeutig“ im binären Geschlechtssystem einzuordnen.

Klassismus

Marginalisierungsform, die durch die gesellschaftliche Klasse und die finanziellen Verhältnisse bestimmt wird. Auch Herkunft, Wohnort/-situation (z.B. „Brennpunkt“ Viertel oder Villenviertel) und Bildung spielen eine Rolle.

Konversionstherapie

Versuch, die Sexualität oder das Geschlecht von Menschen „umzupolen“, um dem Normativ oder religiösen/moralischen Vorstellungen zu entsprechen. Konversionstherapien können massive psychische Probleme verursachen und sind deshalb seit kurzem in Deutschland bei Minderjährigen verboten. Auch die Werbung dafür ist mittlerweile strafbar.

LGBTIQA*

Lesbian/Gay/Bi/Trans/Inter/Queer/Asexual*. Sammelbegriff, der sämtliche Personen, die nicht dem dya-cis Heteronormativ entsprechen, umfassen will.

Misogynie

Hass auf Frauen nur auf Grund der Tatsache, dass sie Frauen sind. Das heißt nicht, dass eine misogyne Person ihre Mutter/Schwester/Freundin nicht lieben kann. Vielmehr kann Misogynie jede Frau jederzeit treffen, sobald sie gegen patriarchale Normen verstößt oder ein männliches Ego ankratzt – egal wie vorbildlich sie sich vorher ins Patriarchat eingefügt hat. Diese Schwelle kann so gering sein, dass es reichen kann, befördert zu werden oder als Frau nachts allein auf die Straße zu gehen.

Beispiel für Misogynie: Hassbotschaften, Mord- und Vergewaltigungsdrohungen gegen Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, denn öffentlicher Raum ist männlicher Raum.

Nicht Binär / Non-Binary / Enby / NB

Person. Menschen, die sich nicht in das starre binäre Geschlechtersystem „Cistem“ (entweder nur männlich oder nur weiblich) einordnen können. Es ist zu beachten, dass Enby eine Eigenbezeichnung ist, die nicht von allen genutzt wird.

Othering

Die Abwertung und „VerAnderung“ einer meist marginalisierten „Gruppe“, der man sich selbst nicht zugehörig fühlt, um sich selbst/die eigene privilegierte „Gruppe“ aufzuwerten. Othering geschieht innerhalb eines Machtgefälles, in dem die abgewertete Gruppe sich nur schwer gegen die ihnen zugeschriebenen Stereotype und Eigenschaften verteidigen kann. So wird auch oft von Einzelpersonen auf alle geschlossen. Othering konstruiert also immer „das Andere“, das angeblich nicht der Norm – also einem selbst – entspricht. Beispiel (CN: Rassismus, sexualisierte Gewalt): Die Neue Rechte spricht von „Messer-Männern“ oder unterstellt männlichen BI_PoC pauschal, FLINTA* Personen zu belästigen und sexualisierte Gewalt gegen „deutsche Frauen“ auszuüben. Sie sind also „andere Männer“, keine „guten deutschen Männer“ (also die herbeifantasierte Norm), die sowas vorgeblich niemals machen würden. Hiermit wird im rassistischen Kontext also die eigene Misogynie, ggf. die eigene Übergriffigkeit (oder die anderer Männer der eigenen Gruppe) verharmlost und mittels pathischer Projektion auf rassifizierte Männer geschoben/projiziert.

Performative Allyship

Weiße, die Schwarzen Personen „helfen“ wollen, die ihr FSJ in einem afrikanischen Land machen, um „armen Schwarzen Kindern in Afrika zu helfen“ und einen white Savior-Komplex haben. Letztlich geht es ihnen um die eigene Profilierung und nicht um die Sache. Anstatt BI_PoC das Reden zu überlassen, stellen sie sich in die erste Reihe, lassen sich medienwirksam mit BI_PoC fotografieren und bestimmen den Diskurs.

PickUp-Artists / PUA

PickUp-Artists – kurz PUA, vertreten die Meinung, dass sie mit Hilfe psychischer Manipulation jede Frau „ins Bett kriegen“ können. Um ihre Tricks zu verbreiten, schreiben sie Bücher und halten Vorträge. Ihr Weltbild ist dabei stets zutiefst misogyn und sexistisch. Frauen seien einfach gestrickt und man(n) müsse nur die richtigen Knöpfe drücken.

Queer

Ehemaliges Schimpfwort, das reclaimt wurde und zu einem nicht genau definierten Sammelbegriff für alles, was nicht dya-cis und hetero ist, wurde.

Romantik

In weites Spektrum romantischer Orientierungen, das verschiedenste Formen umfasst, die wiederum Sammel-/Oberbegriffe haben. Romantik und Sexualität können, müssen aber nicht gleich sein. Beispielsweise könnte sich eine bisexuelle Frau sexuell zu Männern hingezogen fühlen, aber nur Frauen lieben, womit sie homoromantisch wäre.

S.W.E.R.F.

Sex Worker Exclusionary Radical Feminist, also Feminist:innen, die sich klar gegen Sexarbeit positionieren und die Rechte von Sexarbeiter:innen nicht in ihren Kampf integrieren, da sie diese abschaffen wollen. Wird v.a. von sexwork-positiven Feminist:innen verwendet.

Sexismus

Der Glaube, dass eine Frau etwas nicht (oder schlechter als ein Mann) könne, nur weil sie eine Frau ist. Beispiel: Frauen sind schlecht in Mathe, können nicht einparken oder seien emotionaler als Männer.

Unterschied Sexismus - Misogynie: Kate Manne schlägt vor, "Sexismus als den Teil der patriarchalen Ideologie zu sehen, der eine patriarchalische Gesellschaftsordnung rechtfertigt und rationalisiert, und Misogynie als das System, das dessen vorherrschende Normen und Erwartungen durchsetzt und überwacht. Sexismus ist also wissenschaftlich, Misogynie moralisch. Und eine patriarchalische Ordnung hat zudem etwas Hegemoniales." (MANNE, Kate, Down Girl. Die Logik der Misogynie, Berlin, 2019, S. 59.)

Sexualisierte Gewalt

„Sexualisiert“ soll verdeutlichen, dass es sich bei der Gewalt keineswegs um Taten aus Lust handelt, wie bei „sexuelle Gewalt“ impliziert wird, sondern es den Täter:innen meist um Macht und Dominanz geht. Bei sexualisierter Gewalt gegen Menschen mit Uterus spielen auch Misogynie und fragile Männlichkeit eine bedeutende Rolle.

Sexualität

Ein weites Spektrum sexueller Orientierungen, das verschiedenste Formen umfasst, die wiederum Sammel-/Oberbegriffe haben. Romantik und Sexualität können, müssen aber nicht gleich sein. Eine aromantische Person, beispielsweise, kann asexuell sein, aber auch alle anderen sexuellen Orientierungen haben.

  • Allosexuell – Alle nicht asexuellen Orientierungen (z.B. Homo-, Hetero- Bi- oder Pansexuell)
  • Asexuell – Kein Interesse an sexuellen Interaktionen. Das bedeutet nicht, dass asexuelle nicht Liebe und das Bedürfnis nach Zärtlichkeiten empfinden können. Asexuelle können, müssen aber nicht aromantisch sein. Umfasst Unter- und Zwischenformen, wie z.B. Gray-/Grausexuell.

T.E.R.F.

Trans Exclusionary Radical Feminist / transfeindliche Feminist:innen. Manche Feminist:innen beschränken Weiblichkeit auf mit Vulva/Uterus geborene Menschen. Da trans Frauen ihrer Meinung nach weiblich konnotierte Dinge wie Menstruation und weibliche Sozialisation nicht erlebt haben, könnten sie keine „wahren Frauen“ sein. T.E.R.F.s gehen so weit, dass sie trans Frauen beschuldigen, entweder ihre Homosexualität zu unterdrücken oder gar belästigende perverse Männer in Frauenkleidung zu sein, die Frauen in Umkleiden begaffen wollen. Trans Männer sind für sie verwirrte oder in ihrer Homosexualität unterdrückte Frauen.

Toxische Männlichkeit

Stereotypisches, repressives Gesellschaftsbild des starken sexuell hyperaktiven Mannes, der natürlich niemals weinen darf. Legt fest, welche Verhaltensweisen und Emotionen ein „echter Mann“ an den Tag legen darf – und welche eben nicht. Sowohl Frauen als auch Männer leiden darunter, wie unsere Gesellschaft Jungen zu Arschlöchern und Vergewaltigern erzieht. Männer, die nicht in das Bild passen, gelten als „unmännlich“, werden ausgeschlossen und gemobbt.

Transfeindlichkeit

Einstellung, die trans Personen diskriminiert oder trans Personen gegenüber feindselig ist. Ähnlich wie Homofeindlichkeit, handelt es sich nicht um Ängste oder Phobien, weshalb Transphobie nicht mehr zu verwenden ist. Von transfeindlichen Personen wird Transfeindlichkeit dennoch oft als Angst dargestellt.

Trigger-Warnung / Content Note (CN) / Content Warning (CW) / Trigger-Warning (TW)

Content Notes (CN), Content Warning (CW) oder auch Triggerwarnings sollten am Anfang eines jeden Textes stehen/genannt werden, in dem potenziell triggernde Inhalte vorkommen. Beispiele hierfür sind z.B. (sexualisierte) Gewalt, Rassismus oder Mord. Ein CN kann aber jedoch bereits bei vermeintlich harmlosen Themen wie Essen verwendet werden. Denn sogar das Thema Essen hat das Potenzial essgestörte Menschen zu triggern. Twitter bietet außerdem die Möglichkeit sich Texte mit bestimmten CN oder CW nicht anzeigen zu lassen.

Victim Blaming

CN: sexualisierte Gewalt: Schuldzuweisung an die Betroffenen von Gewalt. Besonders Betroffene von sexualisierter Gewalt müssen sich häufig Vorwürfe und Relativierungen à la „du wolltest es doch auch“, „bestimmt hast du ihm falsche Zeichen gesendet“, „du warst schließlich betrunken/hattest knappe Kleidung an“ anhören oder ihnen wird gar Mitschuld an der Tat gegeben, denn „wäre sie nicht so freizügig angezogen gewesen“, „hätte keinen String Tanga angehabt“ oder „wäre nicht nachts allein draußen oder betrunken gewesen“, wäre es ja nicht passiert. Die Betroffene hätte es also „darauf angelegt“ sexualisierte Gewalt zu erfahren.

trans

Wird meist als Adjektiv verwendet und klein geschrieben. Beschreibt Menschen, die sich nicht oder nicht völlig mit dem ihnen zugewiesenen Geschlecht identifizieren.