Lexikon: Diskriminierungsfreie Sprache

Diskriminierungsfreie Sprache ist ein kompliziertes Feld, das ständig im Wandel ist. Doch Worte können verletzen und Sprache wirkt sich auf Denken und Handeln aus; sich dessen bewusst zu sein ist wichtig. Es ist kaum möglich alles richtig zu machen und um sich halbwegs diskriminierungsfrei auszudrücken, muss man sich vorher lange und intensiv mit der Thematik beschäftigt haben. Wir von „Schwarzlicht Würzburg“ möchten uns hier nicht als Expert:innen aufführen und wir machen definitiv noch nicht alles richtig, denn auch wir lernen stetig. Zusätzlich ist uns aufgefallen, dass wir bei unseren Texten teils unklare Begriffe verwenden und nicht immer allen Leser:innen klar ist, was wir bezwecken wollen.

Dies ist ein Versuch evtl. unklare Begrifflichkeiten zu erklären und eine Hilfestellung für Menschen, die sich noch nicht jahrelang mit dem Thema diskriminierungsfreie Sprache auseinandergesetzt haben, anzubieten. Die folgenden Begriffe und Erklärungen sind keinesfalls fest gesetzt und teils (auch innerhalb unseres Kollektivs) nicht unumstritten. Es kann auch immer sein, dass Eigenbezeichnungen einzelner Personen abweichen, was jedoch nicht heißt, dass andere Betroffene dies nicht als diskriminierend empfinden könnten.

Grundsätzlich gilt, lieber nachfragen, als etwas falsch machen. Dennoch muss Verständnis dafür herrschen, dass betroffene Personen manche Fragen wahrscheinlich schon hundert Mal beantworten mussten und nicht immer Lust haben, das ständig zu wiederholen. Z.B. kann es eine BI_PoC Person satt haben, immer und immer wieder weißen Personen strukturellen Rassismus zu erklären und alles vorzukauen, anstatt, dass weiße Personen sich selbst mal mit dem Thema auseinandersetzen. Nachfragen ist legitim und oft wichtig, aber viel Wissen können sich privilegierte Personen auch selbst aneignen.

Ableismus / Ableism

Das Wort Ableismus hat seinen Ursprung im englischen Begriff „able“, sprich „fähig“ oder „imstande“. Die gängige Art zu schimpfen ist im Deutschen ableistisch. Bezeichnungen wie „dumm“, „blöd“ oder gar „behindert“ werden als Beschimpfungen genutzt. Menschen mit Beeinträchtigung sind jedoch keine Schimpfworte! Sich diskriminierendes Fluchen abzugewöhnen ist ein langer Prozess, doch Reflexion ist stets der erste Schritt.

Agender

Kein Geschlecht. Personen, die sich als geschlechtslos identifizieren.

Alternativen zu rassistischen Bezeichnungen

Momentan gängig ist es, jemanden entweder als Schwarze Person/Frau/etc. (Schwarze wird groß geschrieben, da es sich um eine Eigenbezeichnung handelt) zu bezeichnen oder es werden folgende Begriffe benutzt:

  • BI_PoC (BlackIndigenous_PeopleofColor) – universal anwendbar. Kann wie folgt ausgesprochen werden: Black and Indigenous people and people of color.
  • PoC (People of Color) – Menschen, die keine Schwarze Person und nicht weiß sind (weiß wird kursiv geschrieben)
Unbedingt vermieden werden diskriminierende und rassistische Begriffe wie das N-Wort.

Antisemitismus / Antijudaismus / Antizionismus

Antisemitische Stereotype und Narrative sind allgegenwärtig. Zwielichtige Antagonist:innen mit überzeichneten Hakennasen in Kindersendungen, Karikaturen von Kraken, die im Hintergrund die Welt bestimmen, „Judensau“-Reliefs an Kirchen, „Du Jude“ als Beschimpfung und sämtliche Verschwörungstheorien. Letztere beinhalten fast immer eine zionistische Weltverschwörung, George Soros oder die Rothschilds.

Antijudaismus: Historischer – oft christlicher – Vorläufer des Antisemitismus (ab dem 20. Jhd.) aus religiösen Motiven. Berühmtes Beispiel: Martin Luther.

Antiziganismus / Sinti:zze / Sinte:zze / Rom:nja

Sinti:zze/Sinte:zze und Rom:nja – Die korrekt gegenderte Form von Sinti und Roma. Begriffe wie „Zigeuner“ oder „Zigeunerschnitzel“ sind rassistisch!

Bigender

Gleichzeitig männlich und weiblich. Personen, die sich beiden Geschlechtern zuordnen. Auch mehr als zwei Geschlechtsidentitäten sind möglich.

Cis

Adjektiv. Beschreibt Menschen, die sich mit ihrem bei der Geburt zugewiesenem Geschlecht vollständig identifizieren können

Dyadismus

Bezeichnung für Interfeindlichkeit.

Fragile Männlichkeit

Stereotypisches männliches Verhalten und Aussehen werden hart verteidigt. Doch dieses falsche Bild ist zerbrechlich, es wird nur von den Wenigsten erfüllt. Die Schmach, dieses Idealbild nicht zu erfüllen, entlädt sich bei manchen in Misogynie oder Abwertung anderer Männer, die nicht dem toxischen Männlichkeitsbild entsprechen. Besonders bei Kritik oder vermeintlichen Beleidigungen durch Frauen wandelt sich fragile Männlichkeit schnell in Misogynie/misogyne Gewalt.

Genderfluid

Person mit wechselnder Geschlechtsidentität: Personen, die z.B. einen Tag oder auch ein paar Jahre weiblich, dann männlich und vielleicht danach agender sind.

Gendern

Sprache ist der erste Schritt und Sprache beeinflusst Handlung und Denken. Das generische Maskulinum behauptet, es würde Frauen und Enbys mitmeinen, doch Studien beweisen, dass sich hauptsächlich Männer angesprochen fühlen. Schon vor Jahren zeigten Studien: auf eine Stellenausschreibung, die nach m/w sucht, bewerben sich signifikant mehr Frauen als auf eine, die sich auf dem Generischen Maskulinum ausruht.

Sprache darf keinen Menschen exkludieren, doch auch das mittlerweile gängige „Schülerinnen und Schüler“ oder „Kolleginnen und Kollegen“ ist diskriminierend. Denn auch hier werden nicht alle Menschen genannt. Mitgemeint reicht eben nicht.

Richtig gendern lässt sich auf verschiedene Arten. Manche Wörter lassen sich neutral ausdrücken, die „Lehrende“, „Studierende“, „Referierende“. Oft lässt sich auch einfach das Wort „Person“ anfügen, wie „malende Person“. Üblich und universal anwendbar sind jedoch die Schreibweisen mit Gendersternchen (*) oder Unterstrich (_), z.B. Schüler*innen und Lehrer_innen. Wir von „Schwarzlicht Würzburg“ sind dazu übergegangen einen Doppelpunkt (:) zu verwenden. Dieser wird von automatischen Readern als übliche Pause gelesen und stört dadurch nicht den Redefluss – im Gegensatz zu Sternchen und Unterstrich, die oft voll ausgelesen werden. So wollen wir unsere Texte für Menschen, die sie aus verschiedensten Gründen nicht lesen können, leichter zugänglich machen. Doch nicht nur Nomen müssen gegendert werden, sondern alle Wörter, z.B. jede:r, er/sie/x, eine:r.

Die genaue Umsetzung des Genderns bleibt jeder Person selbst überlassen, jedoch muss es stringent sein. Entweder es wird konstant mit Unterstrich, mit Doppelpunkt oder konstant mit Sternchen gegendert.

Als Hilfe für das Verfassen von Texten bietet sich das Gender-Wörterbuch geschicktgendern.de an.

Genderqueer

Eigenes Geschlecht, weder männlich noch weiblich. Außerhalb des binären Systems und den hier beispielhaft aufgezählten Geschlechtsidentitäten, gibt es noch zahlreiche andere genauer und weniger genau definierte Geschlechter.

Genderzuweisung / Geschlechtzuweisung

Anhand des Aussehens, lässt sich höchstens ein männlich/weiblich gelesen ableiten. Zuschreibungen sollten daher besser vermieden werden. Deshalb ist es wichtig, nicht nur nach dem Namen einer Person, sondern auch nach dem Pronomen (er/sie/x/keines/anderes) zu fragen.

Frau*/Mann* klingt zunächst sehr political correct, da das nachgesetzte Sternchen quasi inkludieren soll. Jedoch ist eher das Gegenteil der Fall. Das Sternchen suggeriert, dass z.B. trans Frauen eben keine „richtigen“ Frauen sind, sondern Frauen*, etwas „Anderes“. Deshalb kann es besser sein, von Frauen und Männern zu sprechen, wobei auch hier nicht binäre und genderlose Personen exkludiert wären.

Das binäre Geschlechterbild ist natürlich falsch. Deswegen ist es wichtig, bei Genderbezeichnungen zu differenzieren. Spreche ich gerade explizit von Frauen? Oder spreche ich über Schwangerschaft und Menstruation? Dann sollte nämlich von „Personen mit Uterus“ gesprochen werden, denn auch Männer und nicht binäre Personen (Enbys) können einen Uterus haben. Das gleiche gilt allgemein, wenn von Geschlechtsorganen, Biologie, etc. die Rede ist. Im gesellschaftlichen Kontext wird dagegen meist von Frauen und Männern oder männlich/weiblich gelesenen Personen gesprochen. Beispiel: Catcalling, also verbale Belästigung durch hinterherrufen auf der Straße, trifft meist weiblich gelesene Personen, Menschen mit Uterus menstruieren und Frauen werden strukturell marginalisiert.

Hegemoniale Männlichkeit

Verbrüderung unter Männern, um Frauen oder Männer, die nicht „männlich“ genug sind zu unterdrücken und klein zu halten und andere – ein männliches Ideal erfüllende – Männer zu unterstützen. Frauen können hierfür mit misogynen Mitteln diskriminiert und marginalisiert werden.

Homofeindlichkeit

Einstellung, die gegen Homosexualität spricht. Da es sich um Feindseligkeit, Diskriminierung und Hass handelt, nicht aber um Ängste oder Phobien, ist Homophobie ein nicht mehr zu verwendender Begriff.

Intersektionalität

Beschreibt das Phänomen, dass Menschen gleichzeitig auf verschiedenste Weisen benachteiligt sein können, und dies zusammenspielt. Z.B. wird eine Schwarze Frau rassistisch UND misogyn diskriminiert, doch die Art, wie sie diskriminiert wird, hängt zusätzlich auch z.B. von ihrer Klasse, Sexualität oder potenziellen Beeinträchtigungen ab. Adj.: intersektionell

Intersexualität / Inter

Biologisches Geschlecht (sex), z.B. Geschlechtsorgane oder Chromosomen, sind nicht „eindeutig“ im binären Geschlechtssystem einzuordnen.

Klassismus

Marginalisierungsform, die durch die gesellschaftliche Klasse und die finanziellen Verhältnisse bestimmt wird. Auch Herkunft, Wohnort/-situation (z.B. „Brennpunkt“ Viertel oder Villenviertel) und Bildung spielen eine Rolle.

Konversionstherapie

Versuch, die Sexualität oder das Geschlecht von Menschen „umzupolen“, um dem Normativ oder religiösen/moralischen Vorstellungen zu entsprechen. Konversionstherapien können massive psychische Probleme verursachen und sind deshalb seit kurzem in Deutschland bei Minderjährigen verboten. Auch die Werbung dafür ist mittlerweile strafbar.

LGBTIQA*

Lesbian/Gay/Bi/Trans/Inter/Queer/Asexual*. Sammelbegriff, der sämtliche Personen, die nicht dem cis Heteronormativ entsprechen, umfassen will.

Misogynie

Hass auf Frauen nur auf Grund der Tatsache, dass sie Frauen sind. Das heißt nicht, dass eine misogyne Person ihre Mutter/Schwester/Freundin nicht lieben kann. Vielmehr kann Misogynie jede Frau jederzeit treffen, sobald sie gegen patriarchale Normen verstößt oder ein männliches Ego ankratzt – egal wie vorbildlich sie sich vorher ins Patriarchat eingefügt hat. Diese Schwelle kann so gering sein, dass es reichen kann, befördert zu werden oder als Frau nachts allein auf die Straße zu gehen.

Beispiel für Misogynie: Hassbotschaften, Mord- und Vergewaltigungsdrohungen gegen Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, denn öffentlicher Raum ist männlicher Raum.

Nicht Binär / Non-Binary / Enby / NB

Person. Menschen, die nicht oder jenseits vom binären Geschlechterbild abgebildet ist.

Performative Allyship

Weiße, die Schwarzen Personen „helfen“ wollen, die ihr FSJ in einem afrikanischen Land machen, um „armen Schwarzen Kindern in Afrika zu helfen“ und einen white Savior-Komplex haben. Letztlich geht es ihnen um die eigene Profilierung und nicht um die Sache. Anstatt BI_PoC das Reden zu überlassen, stellen sie sich in die erste Reihe, lassen sich medienwirksam mit BI_PoC fotografieren und bestimmen den Diskurs.

Queer

Ehemaliges Schimpfwort, das reclaimt wurde und zu einem nicht genau definierten Sammelbegriff für alles, was nicht gleichzeitig cis und hetero ist, wurde.

Sexismus

Der Glaube, dass eine Frau etwas nicht (oder schlechter als ein Mann) könne, nur weil sie eine Frau ist. Beispiel: Frauen sind schlecht in Mathe, können nicht einparken oder seien emotionaler als Männer.

Unterschied Sexismus - Misogynie: Kate Manne schlägt vor, "Sexismus als den Teil der patriarchalen Ideologie zu sehen, der eine patriarchalische Gesellschaftsordnung rechtfertigt und rationalisiert, und Misogynie als das System, das dessen vorherrschende Normen und Erwartungen durchsetzt und überwacht. Sexismus ist also wissenschaftlich, Misogynie moralisch. Und eine patriarchalische Ordnung hat zudem etwas Hegemoniales." (MANNE, Kate, Down Girl. Die Logik der Misogynie, Berlin, 2019, S. 59.)

T.E.R.F.

Trans Exclusionary Radical Feminist / transfeindliche Feminist:innen. Manche Feminist:innen beschränken Weiblichkeit auf mit Vulva/Uterus geborene Menschen. Da trans Frauen ihrer Meinung nach weiblich konnotierte Dinge wie Menstruation und weibliche Sozialisation nicht erlebt haben, könnten sie keine „wahren Frauen“ sein. T.E.R.F.s gehen so weit, dass sie trans Frauen beschuldigen, entweder ihre Homosexualität zu unterdrücken oder gar belästigende perverse Männer in Frauenkleidung zu sein, die Frauen in Umkleiden begaffen wollen. Trans Männer sind für sie verwirrte oder in ihrer Homosexualität unterdrückte Frauen.

Toxische Männlichkeit

Stereotypisches, repressives Gesellschaftsbild des starken sexuell hyperaktiven Mannes, der natürlich niemals weinen darf. Legt fest, welche Verhaltensweisen und Emotionen ein „echter Mann“ an den Tag legen darf – und welche eben nicht. Sowohl Frauen als auch Männer leiden darunter, wie unsere Gesellschaft Jungen zu Arschlöchern und Vergewaltigern erzieht. Männer, die nicht in das Bild passen, gelten als „unmännlich“, werden ausgeschlossen und gemobbt.

Transfeindlichkeit

Einstellung, die trans Personen diskriminiert oder trans Personen gegenüber feindselig ist. Ähnlich wie Homofeindlichkeit, handelt es sich nicht um Ängste oder Phobien, weshalb Transphobie nicht mehr zu verwenden ist. Von transfeindlichen Personen wird Transfeindlichkeit dennoch oft als Angst dargestellt.

Trigger-Warnung / Content Note (CN) / Content Warning (CW) / Trigger-Warning (TW)

Content Notes (CN), Content Warning (CW) oder auch Triggerwarnings sollten am Anfang eines jeden Textes stehen/genannt werden, in dem potenziell triggernde Inhalte vorkommen. Beispiele hierfür sind z.B. (sexualisierte) Gewalt, Rassismus oder Mord. Ein CN kann aber jedoch bereits bei vermeintlich harmlosen Themen wie Essen verwendet werden. Denn sogar das Thema Essen hat das Potenzial essgestörte Menschen zu triggern. Twitter bietet außerdem die Möglichkeit sich Texte mit bestimmten CN oder CW nicht anzeigen zu lassen.

trans

Wird meist als Adjektiv verwendet und klein geschrieben. Beschreibt Menschen, die sich nicht oder nicht völlig mit dem ihnen zugewiesenen Geschlecht identifizieren.